Forscher haben in einer aktuellen Computersimulation berechnet, dass die Kollision zweier Ellis-Bronnikov-Wurmlöcher zu einem schrumpfenden Schwarzen Loch führen kann. Die am 18. Oktober 2026 veröffentlichte Studie zeigt, dass ein gemeinsamer Horizont um beide Wurmlochhälse entstehen kann, dessen Fläche im Verlauf der Interaktion um rund 28 Prozent abnimmt.
Computersimulation der Ellis-Bronnikov-Wurmlöcher
Nikita M. Shirokov vom Moscow Institute of Physics and Technology und Ilya Nachevsky von der Higher School of Economics haben in einer auf arXiv vorgestellten Untersuchung berechnet, wie zwei dieser hypothetischen Raumzeittunnel interagieren. Das Modell verfolgt die Entwicklung in drei Raumdimensionen über die Zeit und setzt für die Stabilität der Wurmlöcher ein sogenanntes Phantomfeld mit negativer Energiedichte voraus. Die Arbeit liegt derzeit als Preprint vor und wurde noch nicht fachbegutachtet.
Die Begegnung der Wurmlöcher hängt laut der Projektbeschreibung des First Interstellar Institute maßgeblich von den skalaren Feldladungen ab. Während sich gleich geladene Wurmlöcher abstoßen, ziehen sich Paare mit entgegengesetzten Ladungen an. Die Forscher stellten fest, dass eine Kollision nur bei einer ausreichend nahen Anfangsposition und entsprechender Geschwindigkeit erfolgt. In anderen Fällen können die Tunnel aneinander vorbeifliegen, wobei sich ihre Hälse stark aufweiten.
Schrumpfung des gemeinsamen Horizonts
Bei einem Frontalzusammenstoß verschmelzen die Wurmlöcher nicht zu einem neuen, durchquerbaren Tunnel. Stattdessen bildet sich eine gemeinsame Grenzfläche, die als scheinbarer Horizont bezeichnet wird. Wie die Untersuchung auf Forschung Und Wissen berichtet, sinkt die Fläche dieses Horizonts im berechneten Verlauf um ungefähr 28 Prozent. Dies entspricht einer Verringerung des flächenbezogenen Radius um etwa 15 Prozent.

Dieser Effekt scheint zunächst dem Flächensatz von Hawking zu widersprechen, der besagt, dass die Oberfläche eines Schwarzen Lochs nicht schrumpfen darf. Die Autoren betonen jedoch, dass ihr Modell spezielle Energiebedingungen nutzt, die diesen Satz verletzen können. Zudem bezieht sich die Messung auf einen scheinbaren Horizont und nicht auf die globale Grenze eines Ereignishorizonts, weshalb kein direkter Gegenbeweis zu Hawkings Theorem vorliegt.
Gravitationswellen als kurzes Signal
Im Gegensatz zu verschmelzenden Schwarzen Löchern, die typischerweise ein immer schnelleres Zirpen
in den Gravitationswellen erzeugen, zeigen die Wurmloch-Kollisionen ein anderes Verhalten. Weil die Hälse der Wurmlöcher instabil sind und bei kleinsten Störungen kollabieren oder sich aufweiten, fehlt die Zeit für eine lange, spiralförmige Annäherung.
Die Forscher weisen darauf hin, dass ein solcher kurzer Ausschlag allein kein eindeutiger Nachweis für Wurmlöcher wäre, da auch massereiche Schwarze Löcher unter bestimmten Bedingungen ähnliche Signale liefern können. Zudem sind die aktuellen Ergebnisse auf gleich schwere, nicht rotierende Wurmlöcher beschränkt. Ob rotierende Tunnel stabiler wären oder andere Wellenformen erzeugen könnten, bleibt eine offene Frage für zukünftige Berechnungen.
Die Möglichkeit, solche Ereignisse mit Instrumenten wie LIGO oder der geplanten LISA-Mission nachzuweisen, bleibt derzeit ungewiss. Sollten Wurmlöcher bereits im frühen Universum entstanden sein, wären ihre Signale durch die kosmische Expansion so stark gedehnt, dass sie unterhalb der Empfindlichkeitsbereiche heutiger Detektoren lägen.
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