Samsung verzeichnete im dritten Quartal einen operativen Gewinn von 71,68 Milliarden Euro, eine Verneunfachung gegenüber dem Vorjahr. Trotz dieses Rekordquartals gaben die Aktien des Speicherchip-Giganten am Donnerstag um 2,4 Prozent nach. Anleger reagierten enttäuscht auf den Umsatz von 130 Milliarden Euro, der leicht hinter den Markterwartungen zurückblieb, sowie auf Anzeichen einer nachlassenden Preisdynamik.
Rekordgewinn durch KI-Speicherchips
Der Elektronikkonzern Samsung profitiert massiv vom weltweiten Ausbau von Rechenzentren. Die Nachfrage nach Halbleitern, insbesondere nach KI-Hochleistungsspeichern (HBM), übersteigt derzeit das Angebot. Diese speziellen Speicherbausteine ermöglichen es KI-Systemen, Daten besonders schnell zwischenzuspeichern und auszugeben. Laut Douglas Kim, Gründer des Analysehauses Douglas Research, stieg der Absatz dieser margenstarken Produkte im dritten Quartal voraussichtlich um 50 Prozent im Vergleich zum Vorquartal. Damit konnte Samsung den Rückstand auf den Weltmarktführer SK Hynix vermutlich verkürzen.
Der Boom beschränkt sich jedoch nicht nur auf HBM-Chips. Auch die Nachfrage nach herkömmlichen DRAM- und NAND-Bausteinen, die in Smartphones und PCs verbaut werden, bleibt hoch. Samsung rechnet damit, dass sich die angespannte Angebotslage frühestens im Jahr 2028 entspannen wird. Um die hohen Investitionen in Produktionskapazitäten abzusichern, setzt der Konzern verstärkt auf langfristige Lieferverträge mit Betreibern von Rechenzentren.
Marktsorgen und die Zukunft der Speicherpreise
Trotz der Rekordzahlen bleibt die Stimmung am Aktienmarkt gedämpft. Anleger hinterfragen die Nachhaltigkeit des Gewinnschubs, der vor einem Jahr begann. Kim Seok-hwan, Analyst beim Vermögensverwalter Mirae, betonte, dass der Preisanstieg für Speicherbausteine bereits an Dynamik verliert. Während die Chips zwischen April und Juni noch um rund 60 Prozent teurer wurden, rechnet das Marktforschungsunternehmen TrendForce für das Jahresende nur noch mit Preiserhöhungen zwischen zehn und 15 Prozent.
Das Hauptaugenmerk des Marktes liegt auf der Frage, wie nachhaltig der Gewinnschub ist, der vor einem Jahr eingesetzt hat.
Kim Seok-hwan, Analyst bei Mirae
Neben der nachlassenden Preisdynamik belasten weitere Faktoren den Ausblick. TrendForce-Managerin Avril Wu verwies darauf, dass langfristige Lieferverträge zunehmend Preisobergrenzen enthalten, was die Margen begrenzen könnte. Zudem drängen chinesische Anbieter verstärkt in den Markt für DRAM- und NAND-Bausteine, wie Kinngai Chan vom Research-Haus Summit Insights ergänzte.
Schattenseiten im Smartphone-Geschäft
Der Speicherchip-Boom wirkt sich ungleich auf die Konzernsparten aus. Während die Halbleitersparte von den hohen Preisen profitiert, steht das Geschäft mit Smartphones und Unterhaltungselektronik unter Druck. Analystenschätzungen zufolge verzeichnete die Handysparte im dritten Quartal einen Verlust von etwa 894 Millionen Euro. Trotz dieser Belastung plant Samsung, für das laufende Jahr die Rekordsumme von 73 Milliarden Euro an seine Aktionäre auszuschütten. Detaillierte Geschäftszahlen will der Konzern am 29. Oktober vorlegen.