Präsident Wolodymyr Selenskyj hat am 26. Juni 2026 eine 40-tägige Geheimdienstoperation angekündigt, die Russland zum Frieden zwingen soll. Nach einem Treffen mit dem Chef des Inlandsgeheimdienstes SBU, Jewheni Chmara, zielen die Maßnahmen darauf ab, den Druck auf Moskau durch gezielte Operationen und Langstrecken-Sanktionen massiv zu erhöhen.
Die 40-Tage-Strategie und die Rolle des SBU
Photo: BILD
Die neue Operation ist kein bloßes Signal, sondern Teil einer Strategie, die den Krieg tiefer in russisches Territorium trägt. Wie n-tv berichtete, setzt Kiew verstärkt auf den Inlandsgeheimdienst SBU und insbesondere dessen Spezialeinheit Alfa. Diese gilt als eine der schlagkräftigsten Formationen und ist bereits für spektakuläre Einsätze verantwortlich.
Selenskyj bezeichnet die Angriffe auf Militär- und Rüstungsobjekte sowie Anlagen der Öl- und Gasindustrie als Langstrecken-Sanktionen. Diese Taktik zielt darauf ab, die ökonomische und militärische Basis Moskaus direkt anzugreifen, ohne die Frontlinien im Donbas zwangsläufig verschieben zu müssen.
Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine, via n-tv
Die historische Effektivität dieser Einheiten zeigt sich in Operationen wie Spinnennetz im Juni 2025, bei der Drohnen von Lastwagen aus gestartet wurden, um russische Militärflugplätze zu treffen. Dabei wurden mehr als ein Dutzend Flugzeuge, darunter strategische Bomber, beschädigt. Auch die Angriffe auf den Militärflugplatz Belbek auf der Krim im vergangenen Dezember unterstreichen die Fähigkeit der Alfa-Einheit, Radar- und Flugabwehrsysteme zu neutralisieren.
Drohnenkrieg im russischen Hinterland: Widersprüchliche Zahlen
Photo: T-Online
Die Intensität der Angriffe hat in den letzten Stunden ein neues Niveau erreicht. Die Datenlage zeigt jedoch die typische Diskrepanz zwischen russischen Regierungsangaben und lokalen Berichten. Das russische Verteidigungsministerium behauptet, in einer einzigen Nacht 660 ukrainische Drohnen über mehr als einem Dutzend Regionen abgeschossen zu haben.
Die Zahlen für die Hauptstadt Moskau sind spezifischer, aber unterschiedlich: Laut Berichten von T-Online gab der Moskauer Bürgermeister Sergej Sobjanin an, dass bis 5:45 Uhr Ortszeit 39 Drohnen abgefangen wurden. Andere Quellen, wie die WELT, beziffern die Zahl der in etwa einer Stunde zerstörten Drohnen auf mindestens 28.
Neben den Luftabwehrkämpfen über Moskau gibt es konkrete Treffer in der Provinz. In der Region Tula wurde eine Industrieanlage in Nowomoskowsk beschädigt. Da sich dort mehrere große Chemiewerke befinden, ist der strategische Wert dieses Treffers hoch. Neben der Anlage wurden Stromleitungen beschädigt, eine Frau wurde verletzt.
Gleichzeitig führt Russland seine Angriffe auf ukrainisches Gebiet fort. In Kiew verursachten russische ballistische Raketen im Bezirk Darnyzja einen Lagerbrand; zwei Menschen wurden verletzt. In der Region Odessa, speziell in der Gemeinde Wylkowe, führte ein Angriff zu einem Stromausfall und einem Brand.
Die militärische Infrastruktur an der belarussischen Grenze
Ein kritischer Punkt der aktuellen Lage ist die Rolle von Belarus. Selenskyj warnt davor, dass die Infrastruktur für eine mögliche Ausweitung der Aggression laut der WELT nahezu fertiggestellt sei.
Die ukrainische Seite identifiziert spezifische Bauvorhaben, die auf eine offensive Nutzung hindeuten:
Ausbau der Straßeninfrastruktur für Truppenbewegungen.
Errichtung von Lagerstätten für Munition.
Bau von Depots für Treibstoff und Schmierstoffe.
„Der Bau von Straßeninfrastruktur sowie von Lagerstätten für Munition, Treibstoff und Schmierstoffe steht kurz vor dem Abschluss.
Selenskyj: UN-Sicherheitsrat muss Russland zum Frieden zwingen | AFP
Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine, via n-tv
Der belarussische Machthaber Alexander Lukaschenko bestreitet diese Absichten. Er bezeichnet seine Position als friedliebend und ruft zu Verhandlungen auf. Dennoch weisen ukrainische Beamte seit Monaten darauf hin, dass Moskau Minsk dazu drängt, den Krieg aktiv zu unterstützen, um Kiew an weiteren Fronten unter Druck zu setzen.
Globale Auswirkungen und politischer Druck
Die ukrainische Drohnentaktik hat mittlerweile globale Auswirkungen auf die Militärplanung anderer Staaten. Südkorea zieht direkte Lehren aus dem Konflikt und plant eine massive Expansion seiner unbemannten Systeme. Bis 2029 will das Land 110.000 Drohnen für Heer, Marine und Luftwaffe produzieren.
Das Ziel Seouls ist radikal: Drohnen sollen zum Standardausrüstungsgegenstand jedes einzelnen Soldaten werden, vergleichbar mit einer zweiten persönlichen Waffe. Um dies zu erreichen, sollen 500.000 sogenannte Drohnen-Krieger ausgebildet werden, wobei aus Sicherheitsgründen vollständig auf chinesische Komponenten verzichtet wird.
Auf diplomatischer Ebene verschärft sich die Lage. Wie BILD berichtet, soll US-Präsident Donald Trump beim G7-Gipfel erklärt haben, dass Wladimir Putin keinen Frieden wolle. Diese Einschätzung steht im Kontrast zu früheren US-Initiativen für einen Waffenstillstand, die jedoch wiederholt am Veto des Kremls scheiterten.
Die 40-tägige Operation Selenskyjs ist somit nicht nur ein militärischer Versuch, den Krieg nach Russland zu tragen, sondern auch ein politisches Manöver. In einer Phase, in der die Frontlinien stagnieren, versucht Kiew, durch die Zerstörung kritischer Infrastruktur im russischen Hinterland eine psychologische und ökonomische Wende herbeizuführen, die den Kreml an den Verhandlungstisch zwingt.
Anna Richter leitet das Weltressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet ueber internationale Politik, Diplomatie und geopolitische Entwicklungen mit Fokus auf Kontext, Verlaesslichkeit und Relevanz fuer deutschsprachige Leser.
Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.