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Welt

Russische Raketen stoppen Großteil von Ukrainas Stahlproduktion

Ukrainas Stahlindustrie steht nach einer massiven Welle gezielter russischer Raketenangriffe kurz vor dem Totalzusammenbruch. Die drei verbliebenen Großwerke in den Regionen Saporischschja und Dnipropetrowsk mussten ihre Produktion komplett einstellen, während Branchenvertreter angesichts blockierter Exporte und hoher Schäden dringend internationale Hilfe fordern.

Die ukrainische Wirtschaft verliert eines ihrer wichtigsten Fundamente. Nach intensiven ballistischen Raketenangriffen im September mussten die drei verbliebenen großen Hüttenwerke in den Regionen Saporischschja und Dnipropetrowsk ihren Betrieb einstellen. Damit liegt rund 90 Prozent der heimischen Stahlproduktion de facto lahm. Die Angriffe treffen nicht nur die Fabriken selbst, sondern gefährden die Existenz von über 15.000 Beschäftigten direkt.

Zerstörte Hochöfen und die systematische Bombardierung von Saporischschja

Besonders hart trifft die Kampagne das traditionsreiche Werk Saporischschja. Allein seit August hat das Metallurgiekombinat 17 ballistische Raketen abbekommen. Ein schwerer Angriff am 11. August forderte das Leben von acht Mitarbeitern und verletzte 28 weitere, während gleichzeitig die zentrale Stromversorgung zerstört wurde.

Am Donnerstag, dem 17. September, schlugen zwei weitere Raketen in der Morgendämmerung ein. Sie trafen Produktionshallen und die innerbetriebliche Schieneninfrastruktur. Ein Arbeiter wurde unter eingestürztem Mauerwerk schwer verletzt. Die Angriffe gelten gezielt jenen Anlagen, die nach älteren Zerstörungen im ganzen Land ohnehin schon unter Druck standen.

Russische Raketen stoppen Großteil von Ukrainas Stahlproduktion
Foto: kyivindependent.com

Oleksandr Vodoviz, Leiter des Büros des Vorstandschefs bei Metinvest, sagte, dass die Anlagen stark beschädigt seien, mit zerstörten Geräten, fehlenden Fenstern und Löchern in den Dächern, sowie fast vollständig ruinierten Hochöfen.

Neben Saporischschja stehen auch die Anlagen von ArcelorMittal Kryvyi Rih sowie weitere Betriebe der Gruppe Metinvest und Interpipe still. Die Schäden an den Hochöfen machen die Erzeugung von Roheisen derzeit unmöglich. Technische Teams können nicht einmal abschätzen, wie lange eine Reparatur dauern könnte, da die anhaltende Bedrohung jegliche Wiederaufbauarbeiten behindert.

Finanzielle Verluste und der Ausfall der Lieferketten

Die physische Zerstörung reißt tiefe Löcher in die Unternehmensbilanzen. So verbuchte Saporischschja im ersten Halbjahr einen Nettoverlust von 1,06 Milliarden Hrywnja – umgerechnet rund 23,7 Millionen US-Dollar –, während im Vorjahreszeitraum noch ein Gewinn von 1,37 Milliarden Hrywnja erzielt worden war.

Branchenvertreter beziffern die Gesamtkosten der jüngsten Angriffswelle auf fast 100 Millionen US-Dollar. Hinzu kommt eine logistische Blockade. Seewege über das Schwarze Meer sind für Exporte kaum noch nutzbar, und auch der Binnentransport über das Schienennetz leidet unter permanentem Beschuss.

UKRAINE STEEL COLLAPSE? Russia’s Missiles Shut Down Steel Industry for First Time in 100 Years

Oleksandr Myronenko, Chief Operating Officer bei Metinvest, sagte, dass die Häfen blockiert seien und jedes Schiff ein Risiko beim Versuch, den Black Sea zu durchqueren, gehe, mit einer 50:50-Chance, den Angriffen zu entgehen.

Zu den Kriegsschäden gesellen sich handelspolitische Hürden. Die im Juli eingeführten EU-Quoten auf Stahlimporte sowie europäische Klimavorgaben erschweren den Zugang zum europäischen Markt zusätzlich, während der heimische Bausektor für Reparaturen nun teurere Importe aus Europa einkaufen muss.

Forderungen nach einem internationalen Rettungsfonds

Um den Kollaps abzuwenden, schlugen Branchenvertreter der Regierung unter Premierminister Serhii Koretskyi die Einrichtung eines speziellen Wiederaufbaufonds vor. Nach dem Vorbild des Energiefonds soll dieser internationales Kapital bündeln, um die betroffenen Werke mit Spezialausrüstung zu versorgen und die Betriebsfähigkeit wiederherzustellen.

Russische Raketen stoppen Großteil von Ukrainas Stahlproduktion
Foto: kyivpost.com

Dennoch gibt es in der Politik Streit über den Kurs. Während ukrainische Manager und auch europäische Parlamentarier wie Karin Karlsbro eine Aussetzung der EU-Handelsbeschränkungen fordern, um die Industrie im Abwehrkampf zu unterstützen, bleibt die Zukunft der Beschäftigten ungewiss.

Vor Ort kämpfen die Arbeiter unterdessen weiter um den Erhalt ihrer Fabriken. Sie beseitigen Trümmer und sichern beschädigte Anlagenteile, obwohl die Gefahr neuer Luftangriffe permanent über den Werken schwebt.

Denys Maksyshko, Arbeiter in Saporischschja, sagte, dass die Arbeit der Mitarbeiter dem Kampf der Soldaten in den Schützengräben gleiche, da gewöhnliche Menschen darum kämpften, die Fabrik am Leben zu erhalten.

Für die Beschäftigten in Saporischschja bedeutet dieser tägliche Einsatz einen verzweifelten Kampf um die Existenzgrundlage inmitten der anhaltenden Bedrohung durch weitere militärische Angriffe auf ihre Fabriken.

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Anna Richter

Über den Autor

Anna Richter leitet das Weltressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet ueber internationale Politik, Diplomatie und geopolitische Entwicklungen mit Fokus auf Kontext, Verlaesslichkeit und Relevanz fuer deutschsprachige Leser.

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