Zum Inhalt springen
Nachrichten

Robert Kabera tot in Uganda aufgefunden, Kopf wird vermisst

Kabera war ein bekannter Kritiker der Regierung von Präsident Paul Kagame und hatte nach seiner Flucht aus Ruanda als Musiker und YouTuber in Uganda Asyl gesucht.

Fundort in Mpigi District und die Suche nach dem Kopf

Die lelose Leiche von Sgt. Maj. Robert Kabera wurde am Morgen des 17. Oktober 2026 in Luwala Village im Kammengo Sub-county im ugandischen Mpigi District entdeckt. Anwohner fanden die Überreste in einem Busch und informierten die Polizei. Nach Angaben der Ermittler ereignete sich das Verbrechen vermutlich in der Nacht zum 16. Oktober oder in den frühen Morgenstunden des 17. Oktober.

Ugandische Polizeisprecher bestätigten den gewaltsamen Tod des 50-Jährigen. Kituuma Rusoke erklärte, dass der Kopf des Opfers bislang nicht wiedergefunden wurde. Auch die Superintendentin der Polizei, Lydia Tumushabe, bestätigte gegenüber der Nachrichtenagentur Associated Press, dass von dem fehlenden Kopf jede Spur fehlt. Die Angehörigen hatten sich zuvor Sorgen gemacht, weil Kabera sich nicht wie gewohnt gemeldet hatte, und identifizierten die Leiche anschließend im Mulago City Mortuary in Kampala.

Rwandan critic Robert Kabera found beheaded in Uganda

Nach Angaben der Polizei gibt es bislang noch keine klaren Hinweise auf ein mögliches Motiv. Polizeisprecher Kituuma Rusoke teilte mit, dass Kriminalbeamte sämtliche Umstände im Leben des Getöteten untersuchen und prüfen, inwiefern frühere Berichte über seine militärische Vergangenheit mit dem Fall in Verbindung stehen könnten.

YouTube-Kanal Major Robert TV und die Flucht nach Uganda

Vor seiner Emigration diente Robert Kabera in den Streitkräften seines Heimatlandes, der Rwanda Defence Forces. Nach Angaben von Familienmitgliedern hatte Kabera in der Armee keine Konflikte, bis er sich zunehmend gegen die Politik von Präsident Paul Kagame stellte. Kabera floh daraufhin nach Uganda und gab an, politisch verfolgt zu werden, nachdem in Ruanda Vorwürfe wegen sexueller Nötigung einer Minderjährigen gegen ihn erhoben worden waren, die er stets bestritt.

Im Exil baute sich der ehemalige Soldat eine breite digitale Präsenz auf. Auf seinem YouTube-Kanal Major Robert TV versammelte er mehr als 144.000 Abonnenten und veröffentlichte über 800 Videos, in denen er regelmäßig die ruandische Führung kritisierte. Zudem widmete er Lieder oppositionellen Persönlichkeiten wie der in Ruanda mehrfach inhaftierten Victoire Ingabire.

Seine Ehefrau Jeanne d’Arc Rwigema Uwizeye erklärte in einer schriftlichen Nachricht, dass sie sich nach dem gewaltsamen Verbrechen um die Sicherheit ihrer Kinder und den Schutz ihrer Familie sorge.

Robert Kabera tot in Uganda aufgefunden, Kopf wird vermisst
Foto: channelstv.com

Reaktionen aus dem Exil und historische Parallelen

Die Ermordung des Dissidenten löste im ruandischen Exil große Bestürzung aus. Die oppositionelle Rwanda National Congress (RNC) forderte eine umfassende Aufklärung des Verbrechens und drängte auf besseren Schutz für exilierte Kritiker. In einer Stellungnahme erklärte die Organisation:

Heute trauert seine Familie, seine Stimme ist verstummt, und im Exil lebende Ruander sehen sich mit einer beängstigenden Frage konfrontiert: Wo können wir sicher sein?

Rwanda National Congress (RNC), via BBC

Kaberas Witwe, Jeanne d’Arc Rwigema Uwizeye, äußerte sich in einer Nachricht an den britischen Sender BBC ebenfalls fassungslos über die neue Bedrohungslage für ihre Familie. Das Verbrechen reiht sich nach Angaben von Beobachtern in eine Reihe früherer gewaltsamer Zwischenfälle gegen oppositionelle Ruandaner im Ausland ein. So wurde im Jahr 2014 der frühere ruandische Geheimdienstchef und RNC-Mitbegründer Patrick Karegeya tot in einem Hotelzimmer in Johannesburg in Südafrika aufgefunden. Im Jahr 2021 folgten die gewaltsamen Tode des früheren Leutnants Revocant Karemangingo in Mosambik sowie des Regimekritikers Seif Bamporiki in Südafrika. Auch der frühere General Faustin Kayumba Nyamwasa, Mitbegründer der RNC, überlebte mehrere Attentatsversuche.

Rwandan Government Critic Beheaded in Uganda | WION Shorts

Ermittlungsstand der ugandischen Behörden

Die ugandische Polizei hat die Ermittlungen zu dem Kapitalverbrechen aufgenommen, wobei die Beamten bislang weder ein konkretes Motiv benennen konnten noch wissen, wer die Täter sind. Laut den vorliegenden Berichten war Kabera kurz vor seinem Tod rund 45 Kilometer außerhalb von Kampala unterwegs, um eine Baustelle zu besichtigen. Die ruandische Regierung hat sich bislang nicht öffentlich zu dem gewaltsamen Tod geäußert.

Teilen Facebook X WhatsApp E-Mail
Jonas Becker

Über den Autor

Jonas Becker verantwortet das Nachrichtenressort von Germanic Nachrichten. Sein Fokus liegt auf schneller, praeziser und sauber verifizierter Berichterstattung zu Politik, Gesellschaft und aktuellen Entwicklungen in Deutschland.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.