Zwischen 2020 und 2024 flossen rund 1,7 Milliarden Euro in den Umstieg auf klimafreundliche Heizungen in Österreich, wie ein am 6. November 2026 veröffentlichter Bericht des Rechnungshofs zeigt. Die Prüfer rügen eine unübersichtliche Förderlandschaft, die in Einzelfällen zu Förderquoten von über 100 Prozent führte, während einkommensschwache Haushalte in Mieten weitgehend leer ausgingen.
Die Prüferinnen und Prüfer des Rechnungshofs nahmen für ihren Bericht diverse Förderschienen des Bundes, der Länder Wien und Steiermark sowie mehrerer steirischer Gemeinden unter die Lupe. Im Zentrum stand dabei der Zeitraum von 2020 bis 2024. Insgesamt gab der Bund in diesem Zeitraum rund 1,7 Milliarden Euro für den Umstieg auf klimafreundliche Heizsysteme aus und förderte damit mehr als 162.000 Haushalte, wie das Wirtschaftsjournal darlegt.
Überförderung durch parallele Anträge ab 2024
Ein zentraler Kritikpunkt der Behörde ist die zersplitterte Struktur der Subventionslandschaft. Weil Fördernehmer in der Regel mehrere Hilfen unterschiedlicher Gebietskörperschaften parallel beantragen durften, kam es zu massiven Überschneidungen. Ab dem Jahr 2024 waren dadurch Förderquoten von über 100 Prozent der Investitionskosten möglich, wie die Tiroler Tageszeitung berichtet. Antragsteller erhielten in diesen Fällen also mehr Geld, als der eigentliche Kesseltausch gekostet hatte.
Der Rechnungshof kritisiert, dass jeweils eigene Ansprechstellen, Antragsverfahren und Kontrollschritte auf Bundes-, Landes- und Gemeindeebene den Prozess für die Bürgerinnen und Bürger aufwendig und ineffizient machen. Die Prüfer fordern deshalb die Einrichtung eines zentralen One-Stop-Shops, um Mehrgleisigkeiten und finanzielle Überförderungen künftig zu unterbinden.

Soziale Treffsicherheit und Mieter im Nachteil
Auch die soziale Ausrichtung der Mittel stößt auf scharfe Kritik. Das speziell für einkommensschwache Haushalte konzipierte Programm Sauber Heizen für Alle
richtete sich laut dem ORF ausschließlich an Eigentümer von Eigenheimen und Reihenhäusern. Die eigentliche Zielgruppe energiearmer Haushalte, die überwiegend in älteren, mehrgeschoßigen Mietwohnungen leben, blieb dadurch weitgehend ausgeschlossen.
Das Programm Sauber Heizen für Alle
machte im Prüfungszeitraum lediglich vier Prozent aller Förderfälle aus; in Wien registrierten die Prüfer kaum Inanspruchnahmen. Auch beim Hauptförderprogramm des Bundes mit dem Titel Raus aus Öl und Gas
entfielen lediglich sechs Prozent der Fälle auf den mehrgeschoßigen Wohnbau. Die Behörde empfiehlt daher, künftige Sanierungen und Heizungsumstellungen in mehrgeschoßigen Mietgebäuden durch rasche rechtliche Lösungen zu erleichtern.
Politische Reaktionen auf den Prüfbericht
Die NEOS zeigten sich über die Ergebnisse alarmiert und warfen der früheren Politik eine verfehlte Verteilungspraxis vor. Die NEOS-Budgetsprecherin Karin Doppelbauer erklärte dazu:
Viel Geld verteilen, aber nicht darauf schauen, wo es tatsächlich gebraucht wird. Die grüne Gießkannenpolitik wurde einmal mehr bestätigt
Karin Doppelbauer, NEOS-Budgetsprecherin
Nur Geld auszugeben, ist noch lange keine gute Förderpolitik. Wer Milliarden ausgibt, muss auch dafür sorgen, dass sie dort ankommen, wo sie am meisten bewirken. Genau daran hat es unter grüner Verantwortung gefehlt
Karin Doppelbauer, NEOS-Budgetsprecherin
Die Grünen wiesen die Vorwürfe zurück und verwiesen auf die positive Klimawirkung der Maßnahmen. Lukas Hammer, Energiesprecher der Grünen, betonte, dass die Förderungen maßgeblich zu den gesunkenen Emissionen im Gebäudebereich beigetragen hätten. Gleichzeitig kritisierte er die ÖVP, SPÖ und NEOS dafür, das Förderbudget stark gekürzt zu haben. Mit dem aktuellen Tempo könne das Ziel der Klimaneutralität bis 2040 laut seiner Einschätzung erst im Jahr 2069 erreicht werden.
Ausblick auf die Sanierungsoffensive 2027
Trotz der organisatorischen Mängel hob der Rechnungshof hervor, dass sich die Austauschrate fossiler Heizungen im überprüften Zeitraum deutlich erhöht und die Treibhausgasemissionen im Gebäudesektor spürbar abgenommen haben. Mehrere Programme waren zuvor nach Erschöpfung der Mittel gestoppt worden; so lief Raus aus Öl und Gas
im Jahr 2024 aus.
Als Reaktion auf den kontinuierlichen Bedarf stellte die Bundesregierung im Oktober 2026 die Sanierungsoffensive 2027
mit einem Volumen von 500 Millionen Euro für Heizen und Sanieren in Aussicht, wovon 179 Millionen Euro direkt für den Heizungstausch reserviert sind. Anträge für dieses Nachfolgeprogramm können ab dem 4. Januar 2027 gestellt werden.