Ein niedriger Vitamin-D-Status stellt laut Tiefenbacher zunächst keinen zentralen Risikofaktor für Bluthochdruck dar. Zum einen stellt sich die Frage, ob ein Mangel an Vitamin D das generelle Wohlbefinden beeinträchtigt. Zum anderen muss geprüft werden, ob sich erhöhte Blutwerte gezielt durch zusätzliche Gaben behandeln lassen. Die Kardiologin betont, dass in der medizinischen Debatte streng zwischen zwei unterschiedlichen Sachverhalten differenziert werden muss.
Kritischer Blick auf den Hype
Den gegenwärtigen Hype um das Vitamin bewertet die Expertin kritisch. Sie bezeichnet das Thema als ein bisschen ein Modethema
.
Sie räumt jedoch ein, dass diesen möglichen Zusammenhängen nach bisher wenig Beachtung nun verstärkt wissenschaftlich nachgegangen werden sollte. Inzwischen wird der Laborwert in Arztpraxen deutlich häufiger bestimmt. Dabei werden überraschend oft niedrigere Spiegel festgestellt.
Biologische Wirkweisen und Studien
Zwar zeigt ein Blick auf große Studienauswertungen für die breite Bevölkerung bislang keine verlässliche blutdrucksenkende Wirkung durch Nahrungsergänzungsmittel. Dennoch existiert ein plausibler biologischer Hintergrund.
Vitamin D greift in die Steuerung des sogenannten Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems ein. Dieses reguliert den Salz- und Wasserhaushalt, die Gefäßspannung sowie den Blutdruck. Auch mögliche Effekte auf Entzündungen und die Gefäßinnenwand werden in Fachkreisen diskutiert.
Kleinere Untersuchungen zeichnen unterdessen ein differenzierteres Bild für bestimmte Patientengruppen. Tiefenbacher verweist hierbei auf eine dänische Studie mit 130 Patienten.
An Wintertagen erhielt dort die Hälfte der Teilnehmer Vitamin D. In dieser Gruppe sank der Blutdruck im Mittel um circa fünf mmHg ab.
Empfehlungen der Deutschen Herzstiftung
Eine routinemäßige Bestimmung des Spiegels allein zur Behandlung von Bluthochdruck hält die Kardiologin für entbehrlich.
Wer jedoch während der dunklen Monate unter extremer Erschöpfung leidet, sollte dies ärztlich untersuchen lassen. Inzwischen wird der Laborwert in Arztpraxen deutlich häufiger bestimmt, wobei überraschend oft niedrigere Spiegel festgestellt werden.