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Welt

Polen ist laut Ökonomen seit 36 Jahren die am schnellsten wachsende Wirtschaft Europas

Polen verzeichnet nach Angaben des Ökonomen Marcin Piatkowski seit 36 Jahren ununterbrochen das schnellste Wirtschaftswachstum in Europa. Das postkommunistische Erfolgsmodell stützt sich auf eine egalitäre Gesellschaft ohne Oligarchen, starke zivilgesellschaftliche Wurzeln und die europäische Integration.

Vom Kleinbetrieb zum Pharmaunternehmen Adamed

Die Geschichte der Familie Adamkiewicz steht sinnbildlich für den wirtschaftlichen Aufstieg Polens. Noch zu kommunistischer Zeit begann der Arzt Marian Adamkiewicz im Jahr 1986 in einer Garage damit, Medikamente zu entwickeln. Nach Angaben der Berichterstattung tat er dies, weil es erhebliche Lücken in der medizinischen Versorgung gab.

Nach der Wende 1989 nutzte das Unternehmen die Möglichkeiten der neuen Marktwirtschaft konsequent. Der entscheidende Durchbruch gelang dem Familienbetrieb im Jahr 1998 mit einem neuen Medikament gegen Bluthochdruck. Karolina Adamkiewicz beschreibt den Antrieb ihrer Eltern so: Sie waren hungrig. Nach dem EU-Beitritt Polens expandierte das Unternehmen international. Heute ist Adamed eine der grössten Pharmafirmen des Landes und betreibt Fabriken in Polen, Spanien und Vietnam sowie ein neues Forschungs- und Entwicklungszentrum in Kajetany südlich von Warschau.

Wirtschaftsprofessor Marcin Piatkowski nennt fünf Erfolgsfaktoren

Der Ökonom Marcin Piatkowski hat die Entwicklung Polens intensiv analysiert und bezeichnet das Land als Europas Wachstums-Champion. Polen ist seit 36 Jahren die am schnellsten wachsende Volkswirtschaft in Europa, ohne Unterbruch, erklärt Piatkowski. Er vergleicht die Entwicklung mit einer Verwandlung vom Tellerwäscher zum Millionär.

Das Erfolgsmodell stützt sich laut Piatkowski auf fünf wesentliche Säulen. Neben Bildung, Pragmatismus und starkem Unternehmertum spielte die Struktur der Gesellschaft im Jahr 1989 eine zentrale Rolle: Die alte Elite wurde unter dem Kommunismus entmachtet, wodurch die Gesellschaft bei der Wende so egalitär war wie nie zuvor. Zudem verhinderte die starke Zivilgesellschaft als Erbe der Gewerkschaft Solidarność eine überstürzte Massenprivatisierung. Erst 1995 kam es zu einer begrenzten Privatisierung, als freie Medien und demokratische Strukturen bereits Transparenz gewährleisten konnten. Dadurch entstanden in Polen bis heute keine traditionellen Oligarchen.

Die Rolle der Europäischen Union und der Wohlstandskurs

Als fünften und letzten Punkt nennt Piatkowski die Einbindung in die Europäische Union. Ohne die EU wäre das Pro-Kopf-Einkommen in Polen nach jüngsten Schätzungen um 40 Prozent geringer. Die EU-Gelder selbst bildeten dabei jedoch nicht den Hauptfaktor für den Aufschwung.

Die Bevölkerung holt die Wohlstandslücke zu westeuropäischen Ländern wie Deutschland oder der Schweiz schrittweise auf. Die Skyline von Warschau wächst seit Jahren, und Städte wie Posen florieren. Dennoch bleibt das Verlangen nach mehr bestehen, da die Menschen wissen, dass sie im Vergleich zu den Nachbarländern weiterhin über ein geringeres Einkommen verfügen. Die aktuellen Prognosen bestätigen diesen Trend: Polens Wirtschaft soll auch im laufenden Jahr fast ungebremst weiterwachsen.

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Anna Richter

Über den Autor

Anna Richter leitet das Weltressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet ueber internationale Politik, Diplomatie und geopolitische Entwicklungen mit Fokus auf Kontext, Verlaesslichkeit und Relevanz fuer deutschsprachige Leser.

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