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Technik und Wissenschaft

OpenAI und Anthropic bleiben in Zürich kleine Tochterfirmen

Trotz grosser Ambitionen in der Schweizer KI-Forschung zählen OpenAI und Anthropic in Zürich bislang nur sehr wenige Mitarbeiter. Handelsregistereinträge und Stellenanalysen zeigen, dass beide US-Konzerne ihre hiesigen Schweizer Tochterfirma als Kleinfirmen mit maximal zehn Vollzeitstellen führen und damit von vereinfachten Revisionsregeln Gebrauch machen.

Für den Technologiestandort Zürich schien es im Jahr 2024 ein entscheidender Durchbruch zu sein. Damals kündigten mit OpenAI und Anthropic zwei der weltweit bedeutendsten Unternehmen für künstliche Intelligenz an, Standorte in der Schweiz zu eröffnen. Die öffentlich-private Standortmarketingorganisation Greater Zurich Area wertete diesen Schritt laut der NZZ als Beleg für die Attraktivität Zürichs als Zentrum für globale KI-Innovation und -Forschung. Mit dem anstehenden Börsengang von Anthropic und der enormen Bewertung von OpenAI wuchs die Strahlkraft dieser Forschungspräsenzen noch weiter. Die Hoffnung in der Region war gross, dass sich die beiden Unternehmen ähnlich rasant entwickeln könnten wie andere Tech-Giganten in der Schweiz, die heute Hunderte oder Tausende Beschäftigte zählen.

Doch eine Auswertung von weltweiten Stellenanzeigen und Handelsregistereinträgen zeichnet ein völlig anderes Bild. Weder OpenAI noch Anthropic haben in Zürich bislang nennenswert Personal aufgebaut. Beide Konzerne geben zwar keine detaillierten regionalen Mitarbeiterzahlen bekannt, doch administrative Schritte der Schweizer Töchter offenbaren die tatsächlichen Dimensionen. So liess die OpenAI Switzerland GmbH im Handelsregister das Wirtschaftsprüfungsunternehmen Deloitte als Revisionsstelle austragen, ohne einen neuen Prüfer einzusetzen. Hintergrund dieses sogenannten Opting-outs ist laut NZZ-Informationen, dass die Schweizer Niederlassung sich als Kleinfirma einstuft und dadurch von strengeren Buchprüfungen befreit ist.

Handelsregister und Stellenbörsen belegen den Kleinfirmenstatus von OpenAI und Anthropic

Das Gesetz sieht die Befreiung von der eingeschränkten Revision vor, um kleine Unternehmen mit wenigen Beschäftigten vor unverhältnismässigem administrativem Aufwand zu schützen. Voraussetzung dafür ist, dass das betroffene Unternehmen im Jahresdurchschnitt nicht mehr als zehn Vollzeitstellen aufweist. Ein Konzern wie OpenAI, der laut Medienberichten eine Bewertung von 1,4 Billionen Dollar anstrebt und weltweit bis zu 11 000 Mitarbeiter beschäftigt, nutzt diese Ausnahmeregelung nun für seine Zürcher Tochter. Eine Sprecherin bestätigte auf Anfrage der NZZ: Wir haben ein kleines Team in Zürich, das in den Bereichen Forschung und Regierungsbeziehungen tätig ist.

Ein nahezu identisches Bild zeigt sich bei Anthropic. Das Unternehmen, das vor einem Börsengang steht und laut Schätzungen mit bis zu 2 Billionen Dollar bewertet werden könnte, hat seit seiner Eintragung ins Schweizer Handelsregister im Oktober 2024 zu keinem Zeitpunkt eine eingeschränkte Revision durchgeführt. Dies belegt, dass auch Anthropic im Durchschnitt stets weniger als zehn Vollzeitkräfte in der Schweiz beschäftigt hat. Ein Sprecher erklärte dazu auf Anfrage, dass das Unternehmen aufgrund der Teamgrösse die Voraussetzungen für diese Ausnahmeregelung für kleine Unternehmen erfülle.

Die weltweiten Rekrutierungszahlen unterstreichen diese Zurückhaltung. Von rund 1500 weltweit ausgeschriebenen Stellen beider Konzerne entfielen Ende September gerade einmal winzige Bruchteile auf die Limmatstadt. Am 30. September suchte OpenAI in Zürich genau einen neuen Mitarbeiter, während Anthropic vier offene Stellen anbot. Zum Vergleich verzeichnete allein der Standort London im gleichen Zeitraum 77 freie Positionen. Auch andere globale Tech-Zentren wie Singapur, Tokio oder Dublin liegen bei den Stellenausschreibungen deutlich vor Zürich.

Fokus auf Spitzenkräfte statt Masse im Zürcher Tech-Ökosystem

Für die bislang sehr überschaubare Präsenz der weltbekannten KI-Firmen gibt es verschiedene Erklärungen. Beobachter verweisen darauf, dass die Konzerne zunächst kleinere Satellitenstandorte eröffnet haben könnten, um überhaupt am Zürcher Markt Fuss zu fassen. Lukas Huber, Managing Director bei der Greater Zurich Area, lehnt den Begriff des Satellitenstandorts jedoch ab. Dieser werde dem tatsächlichen Potenzial für das Tech-Ökosystem nicht gerecht, betonte er gegenüber der NZZ. Bei solchen Ansiedlungen zähle nicht die blosse Kopfzahl, sondern die Qualität der Forscher. Der Personalaufbau erfolge organisch: In der Spitzenforschung zählt nicht die Zahl der Köpfe, sondern welche Köpfe es sind.

Genaue Einblicke in die tatsächlichen Personalbestände liegen der Greater Zurich Area nach eigenen Angaben indes nicht vor. Zwar bietet das Umfeld mit der ETH Zürich und zahlreichen etablierten Tech-Konzernen hervorragende Voraussetzungen für einen massiven Ausbau. Ob und wann die beiden Unternehmen ihre Präsenz über den Status von Kleinfirmen hinaus vergrößern werden, bleibt damit offen.

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Clara Vogt

Über den Autor

Clara Vogt verantwortet das Ressort Technik und Wissenschaft. Sie schreibt ueber KI, Digitalisierung, Forschung und Innovation und uebersetzt komplexe Entwicklungen in klaren, belastbaren Journalismus.

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