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Welt

Österreicherin und Schweizerin nach Geiselhaft im Niger frei

Eine im Niger entführte Österreicherin und eine Schweizerin sind nach Angaben von Behörden und lokalen Medien in der libyschen Stadt Bengasi eingetroffen. Die beiden Frauen wurden nach langer Geiselhaft befreit, nachdem sich libysche Stellen und Familien für sie eingesetzt hatten.

Freilassung in Bengasi nach monatelanger Geiselhaft

Die Österreicherin Eva G. und die Schweizerin Claudia A. sind nach Angaben von Reuters nach mehreren Monaten Gefangenschaft im Niger wieder frei. Die Nachrichtenagentur meldete am Mittwochabend unter Berufung auf zwei anonyme offizielle Quellen, dass die beiden Frauen in der ostlibyschen Stadt Bengasi eingetroffen waren.

Die beiden mit der Angelegenheit vertrauten Beamten erklärten unter der Bedingung der Anonymität, die Frauen würden nach Abschluss der erforderlichen Verfahren den Behörden ihrer jeweiligen Länder übergeben. Sie fügten hinzu, dass die Operation von Saddam Haftar, dem stellvertretenden Oberbefehlshabers der libyschen Streitkräfte, überwacht worden sei.

Eine ältere Frau mit einem Kopftuch blickt nach oben
Foto: Kurier

Ein libyscher Fernsehsender berichtete ebenfalls über die Ankunft und nannte Details zur Operation. Demnach wurden die Geiseln dank der Intervention des stellvertretenden Oberbefehlshabers Saddam Haftar freigelassen. Generalleutnant Saddam Khalifa Haftar habe sich auf Bitten der Familien für die Frauen eingesetzt, teilte der Sender mit. Libyen ist seit dem Sturz von Machthaber Muammar al-Gaddafi im Jahr 2011 von Spaltungen geprägt. Um die Vorherrschaft streiten sich zwei rivalisierende Regierungen: die von den Vereinten Nationen anerkannte Administration von Abdelhamid Dbeibah mit Amtssitz in Tripolis sowie eine östliche Verwaltung, die unter der Kontrolle des einflussreichen Marschalls Khalifa Haftar und dessen Umfeld steht.

Die Entführungen in Agadez im Januar und April 2025

Sie setzte sich für die Bildung junger Menschen in Bereichen wie Musik, Gesundheit, Ökologie oder Handwerklichem wie der Schneiderei ein und baute dafür im Jahr 2010 ein eigenes Kompetenzzentrum. Am Abend des 11. Jänners 2025 drangen bewaffnete Männer in ihr Haus ein und zwangen sie in einen Geländewagen.

Wenig später traf es die zweite Frau. Am 13. Sie ist mit einem Nigrer verheiratet und gründete die Organisation Tellit, die Kunsthandwerkerinnen und Kunsthandwerker unterstützt. Nach Berichten lokaler Medien steckten Kriminelle hinter der Entführung, die die Österreicherin an eine Terrororganisation weitergereicht hatten. Die islamistische Terrormiliz JNIM als regionaler Ableger von Al-Kaida wies unmittelbar nach der Tat jede Beteiligung daran von sich. Der Islamische Staat in der Grösseren Sahara (ISGS) reklamierte die Entführungen für sich und veröffentlichte Ende April 2025 ein Foto von Gretzmacher, das von der Agentur Reuters in einem Faktencheck als authentisch eingestuft wurde.

Videobotschaften und Reaktionen nach der Ankunft

In einer vom libyschen Sender al-Masar ausgestrahlten Videobotschaft wirkten die beiden Frauen erschöpft. Sie sprachen auf Französisch und bedankten sich unter einem Porträt von Marschall Khalifa Haftar bei ihren Befreiern.

Österreicherin und Schweizerin nach Geiselhaft im Niger frei
Foto: 20min

Ich heisse Claudia Abbt. Ich bin Schweizerin. Ich bin 69 Jahre alt. Ich wurde vor einem Jahr und sechs Monaten als Geisel genommen. Jetzt bin ich froh, frei zu sein, und danke Marschall Khalifa Haftar und seinem Sohn, General Saddam Haftar, für alles, was sie für meine Freilassung getan haben

Claudia Abbt, via Nau

Auch Eva Gretzmacher äußerte sich in dem Video zu ihrer langen Gefangenschaft. Sie erklärte, ein Jahr und neun Monate als Geisel verbracht zu haben, und dankte Marschall Khalifa Haftar und seinem Sohn Saddam, der sie befreit hat, von ganzem Herzen. Ihr Sohn Christoph Gretzmacher hatte zuvor auf Facebook mitgeteilt, dass seine Mutter fast 21 Monate in Gefangenschaft verbrachte und sich nun in einem Flugzeug auf dem Weg nach Bengasi befinde.

Sicherheitslage in der Sahelzone

Die Sahelregion verzeichnete in der jüngeren Vergangenheit eine Rekordzahl an Entführungen. Der Niger kämpft ebenso wie seine Nachbarländer Mali und Burkina Faso seit rund zehn Jahren gegen einen dschihadistischen Aufstand mit Verbindungen zu Al-Kaida und dem Islamischen Staat, der 2012 aus einer Tuareg-Rebellion im Norden Malis hervorgegangen war. Die Kämpfe haben in der zentralen Sahelregion Westafrikas in den vergangenen zehn Jahren Tausende Menschen getötet und Millionen Menschen vertrieben. Ziel von Anschlägen und Sabotageakten sind industrielle Produktionsstätten, Bergbaustandorte und Transitrouten, wobei es zuletzt vermehrt Angriffe auf chinesische Infrastruktur und Unternehmen in Niger und Mali gab.

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Anna Richter

Über den Autor

Anna Richter leitet das Weltressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet ueber internationale Politik, Diplomatie und geopolitische Entwicklungen mit Fokus auf Kontext, Verlaesslichkeit und Relevanz fuer deutschsprachige Leser.

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