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Welt

Öltanker umgehen iranische Blockade der Straße von Hormus

Trotz der iranischen Blockade der Straße von Hormus und anhaltender Angriffe setzen Tanker und Schattenflotten ihre Fahrten fort. Laut aktuellen Berichten von Großbanken stabilisieren sich die Ölexporte in der Region wieder, während im Hintergrund verdeckte Umladungen und traditionelle Navigation das Risiko ausgleichen.

Die kritische Wasserstraße am Persischen Golf steht seit dem Ausbruch des Konflikts mit den USA am 28. Februar offiziell unter iranischer Kontrolle. Doch in der Praxis bröckelt dieser Anspruch spürbar. Kleinere Shuttle-Boote und getarnte Frachter umgehen die Kontrollen der iranischen Revolutionsgarde, indem sie nachts ohne Licht und mit ausgeschalteten Transpondern operieren. Wie eine Recherche von Bloomberg zeigt, nutzen die Besatzungen dabei den südlichen Teil der Meerenge vor der omanischen Küste als geschützten Raum für verdeckte Ladevorgänge.

Schattenflotten und nächtliche Manöver vor der omanischen Küste

Um Supertanker vor direkten Angriffen durch Drohnen oder Raketen zu schützen, greifen die Reedereien zu ungewöhnlichen Maßnahmen. Die Schiffe schalten ihre automatischen Identifikationssysteme ab, um während der Passage durch die 33 Kilometer breite Wasserstraße unbemerkt zu bleiben. Ein philippinischer Kapitän beschrieb gegenüber den Medien, wie er seinen 300 Meter langen Tanker nachts in den nur 100 Meter tiefen Gewässern steuert. Dabei verzichtet die Crew auf jegliche Beleuchtung und nutzt lediglich ein einzelnes Radargerät sowie traditionelle Landmarken wie den Küstenverlauf und Leuchttürme zur Orientierung.

AP Explains: Oil tankers use new route through Strait of Hormuz despite Iranian threats

Nach der gefährlichen Passage durch die Engstelle laden die kleineren Boote ihre Fracht auf größere Schiffe um. Nach Angaben von Marktforschern gehen Schiffsbesatzungen davon aus, dass statistisch gesehen eines von zwölf bis fünfzehn Schiffen getroffen wird.

Die Singapore Prosperity machte Mitte August an einer Reihe saudischer Häfen fest, während sie sich durch den Golf bewegte. Der Schiffsverkehr in dem Gebiet erfolgt unter extremen Sicherheitsvorkehrungen, bei denen Handys verboten sind und Schiffe ausschließlich auf ein einzelnes Radargerät anstelle mehrerer parallel laufender Geräte vertrauen.

Öltanker umgehen iranische Blockade der Straße von Hormus
Foto: bastillepost.com

Reaktionen aus Teheran und die Entwicklung der Ölexporte

Die iranische Führung reagiert auf die systematische Umgehung ihrer Blockade mit scharfen Worten und militärischem Druck. Mohammad-Reza Naqdi, Berater des Oberbefehlshabers der iranischen Revolutionsgarde, kündigte in einem Interview mit dem staatlichen Sender Al-Alam an, dass die von den Blockadebrechern geschaffenen Routen in Kürze geschlossen werden.

Dennoch zeigen Finanzmarktdaten eine deutliche Normalisierung der Lieferströme. Nach Schätzungen der US-Großbanken JPMorgan Chase steuern die Ölexporte durch den Nahen Osten langsam wieder das Vorkriegsniveau an. JPMorgan beziffert das aktuelle Transportvolumen auf rund 17,5 Millionen Barrel Rohöl pro Tag, was etwa 80 Prozent der Menge vor dem Ausbruch der Kampfhandlungen entspricht. Analysten und Marktbeobachter weisen darauf hin, dass die Region nach anfänglichem Vertrauen in rasche diplomatische Lösungen des Weißen Hauses inzwischen auf eigenständige, pragmatische Logistikwege setzt.

Iranian Oil Tankers Sail Past Hormuz Blockade

Globale Energiepreise und politische Spaltung in Europa

Kristalina Georgiewa, Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), warnte vor anhaltend hohen Energiepreisen, die nach ihrer Aussage noch einige Zeit bestehen bleiben und durch die steigende Nachfrage im Winter sowie die Wiederauffüllung nationaler Reserven noch verstärkt werden könnten. Selbst bei einer raschen Beilegung des Konflikts sei mit einem Preisdruck bis 2027 zu rechnen. Als Reaktion auf die angespannte Lage hat die Internationale Energieagentur beschlossen, den von den G7-Staaten geforderten Zugriff auf Ölnotreserven umzusetzen, wie die Organisation mitteilte.

Benedikt Hollenstein, der seit 2021 bei 20 Minuten für den Newsdesk schreibt und dort auch Tagesleitungsschichten übernimmt, begleitete die Berichterstattung über die Vorfälle. Zusätzliches Material steuerte die Nachrichtenagentur DPA bei.

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Anna Richter

Über den Autor

Anna Richter leitet das Weltressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet ueber internationale Politik, Diplomatie und geopolitische Entwicklungen mit Fokus auf Kontext, Verlaesslichkeit und Relevanz fuer deutschsprachige Leser.

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