Der US-Verteidigungsminister Pete Hegseth ist zu einem unangekündigten Besuch in Israel eingetroffen und hat den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu an einem Stützpunkt im Süden des Landes getroffen. Das Geheimtreffen am Montag fällt in eine hochsensible Phase acht Tage vor der vorgezogenen Parlamentswahl und geschieht vor dem Hintergrund von Gesprächen über mögliche neue Militäraktionen gegen den Iran.
Geheimes Treffen auf dem Stützpunkt Owda im Schatten der Wahlen
US-Verteidigungsminister Pete Hegseth hielt sich am Montag zu einem unangekündigten Kurzbesuch in Israel auf, wie das Portal Axios unter Berufung auf zwei mit der Angelegenheit vertraute Quellen berichtete. Die Zusammenkunft mit Ministerpräsident Benjamin Netanjahu fand auf dem Stützpunkt Owda Air Base im Süden Israels statt, wo amerikanische Kampfjets und Tankflugzeuge stationiert sind.
Die Reise wurde von den offiziellen Stellen zunächst nicht öffentlich gemacht. Das Pentagon lehnte eine Stellungnahme zu dem Bericht ab, und auch die israelische Botschaft in Washington sowie das Büro des Premierministers reagierten zunächst nicht auf Anfragen. Netanjahu war für das Treffen direkt vom Ben-Gurion-Flughafen zum Stützpunkt geflogen und musste dafür einen geplanten Besuch eines Fußballspiels im Jerusalemer Teddy-Stadion absagen. Der israelische Militärzensur hatte den heimlichen Charakter der Visite zunächst geschützt, bis Medienberichte die Details öffentlich machten.
Trump-Rückendeckung und die Debatte um neue Schläge gegen den Iran
Das unangekündigte Treffen ereignet sich nur einen Tag nach einer offiziellen Bekanntgabe von US-Präsident Donald Trump. Trump hatte Netanjahu über seine Plattform Truth Social seine vollständige Unterstützung für die anstehende Parlamentswahl ausgesprochen und den Regierungschef als verlässlichen Partner im Krieg gegen den Iran gewürdigt. In einer Videobotschaft von einem Luftwaffenstützpunkt hatte Netanjahu zuvor erklärt, er sei von der militärischen Bereitschaft beeindruckt und gewarnt: Stellt uns nicht auf die Probe, ihr werdet härtere Schläge einstecken als die, die ihr bisher eingesteckt habt.
Analysten und Experten bewerten das Timing unterschiedlich. Andreas Krieg, Dozent am Department of War Studies des King’s College London, bezeichnete die Trump-Unterstützung gegenüber Al Jazeera als politisches Geschenk, betonte jedoch, dass Netanjahus Probleme struktureller Natur seien. Krieg erklärte, dass Trump zwar zögerliche Wähler mobilisieren könne, aber keine Mehrheit für eine Koalition herbeizaubern könne, an deren Fehlen es derzeit mangelt.
Andreas Krieg erklärte laut NDTV: „Netanjahus Probleme sind struktureller Natur; sie umfassen fragmentierte rechte Parteien, desillusionierte ultraorthodoxe Wähler und das Erbe des 7. Oktober. Trump mag zögerliche Likud-Wähler mobilisieren – was in einem knappen Rennen möglicherweise ein oder zwei Sitze einbringt –, aber er kann die Koalitionsmehrheit, die Netanjahu derzeit fehlt, nicht herbeizaubern.
Während Berichte auf Diskussionen über mögliche neue Großeinsätze gegen den Iran verweisen, hebt eine andere israelische offizielle Einschätzung hervor, dass der Besuch nicht unmittelbar der Koordination eines bevorstehenden Angriffs gedient habe. Laut einem hochrangigen israelischen Regierungsvertreter fehle Israel derzeit die nötige Geheimdienstaufklärung, um eigenständig einen solchen Schritt zu gehen, und auch die US-Seite sei an diesem Punkt nicht auf eine neue Offensive fixiert.

Politische Risiken vor der Parlamentswahl und den US-Zwischenwahlen
Die bevorstehende Parlamentswahl in Israel am 27. Oktober ist die erste nationale Abstimmung seit den Ereignissen vom 7. Oktober 2023. Umfragen deuten darauf hin, dass Netanjahus national-religiöse Koalition Gefahr läuft, ihre Mehrheit im Parlament zu verlieren, während auch das Oppositionslager vor Schwierigkeiten bei der Regierungsbildung steht. Der Oppositionsführer Gadi Eisenkot kritisierte die Lage scharf und warnte, eine Handvoll Krimineller verbrennt die letzten Reste von Legitimität, die dem Staat Israel geblieben sind
, wie unter anderem von AP und lokalen Medien gemeldet wurde.
Im Gegensatz-Kurs von Präsident Trump hält sich Vizepräsident JD Vance aus der israelischen Innenpolitik heraus. In einem Interview mit dem Medium 2WAY erklärte Vance, dass er sich auf amerikanische Kandidaten und die anstehenden Kongresswahlen im November konzentriere.
JD Vance sagte laut NDTV und Al Jazeera: „Ich unterstütze amerikanische Kandidaten, und darauf konzentriere ich mich, auf die Zwischenwahlen. Ich bin nicht gegen seine Unterstützung, aber ich bin auch nicht für seine Unterstützung, ich mische mich nicht in israelische Wahlen ein.
Hegseth selbst äußerte sich auf der Plattform X zu seiner Reise in den Nahen Osten, ohne den konkreten Stopp in Israel oder das Treffen mit dem Premierminister namentlich zu erwähnen. Er betonte lediglich, dass es ihm eine Ehre gewesen sei, die Einsatzkräfte des US-Zentralkommandos (CENTCOM) zu besuchen, und bezeichnete die Mission der Soldaten als historisch. Ob die Gespräche in Owda zu einer akuten Eskalation führen oder lediglich der strategischen Absicherung vor den anstehenden Urnengängen in den USA und Israel dienen, bleibt in der Region ungewiss.
Auch interessant