Hunderte Wanderer mussten im Himalaya-Staat Nepal evakuiert werden, nachdem eine Welle heftiger Regenfälle und Erdrutsche etwa 30 Menschen das Leben kostete. Besonders betroffen ist der beliebte Annapurna Circuit, wo Touristen und Einheimische vor blockierten Wegen und zerstörten Brücken stehen.
Nepal kommt nicht zur Ruhe. Während das Land noch die verheerenden Folgen der katastrophalen Überschwemmungen vom August 2026 verarbeitet – bei denen 1.400 Menschen starben und Tausende vermisst wurden –, hat eine neue Serie von Extremwetterereignissen mindestens 30 Todesopfer gefordert. Landesweit sind nach Angaben der nationalen Katastrophenschutzbehörde seit Ende letzter Woche mehr als 1.900 Familien betroffen. Rund 240 Gebäude wurden beschädigt, während Straßen, Gebäude und Brücken den Wassermassen zum Opfer fielen.
Rettung per Hubschrauber und gefährliche Fußmärsche am Annapurna Circuit
Im Zentrum der touristischen Krise steht der weltweit bekannte Annapurna Circuit. Hunderte Wanderer mussten ihre Touren abbrechen, um sich in Sicherheit zu bringen. Aus den Distrikten Manang und Mustang wurden viele Urlauber per Hubschrauber ausgeflogen. Andere versuchten, den Weg ins Tal auf eigene Faust anzutreten, und schilderten dramatische Szenen.
Der 21-jährige Brite Jake Stacy saß mit seinem Guide nach starkem Schneefall in Yak Kharka im oberen Manang fest. Auf den Verzicht auf den Passübergang des Thorong La folgte ein mühsamer Abstieg. Jake Stacy gab an, dass sie ihre eigenen Pfade an den Berghängen angelegt hätten. Der Weg sei extrem steil und schlammig gewesen, während unten der Fluss tobte.
Ähnlich erging es dem Australier Andrew Graham und seinem Bergführer Prem KC. Sie mussten auf dem Rückzug aus dem Dorf Chame mehr als 15 Erdrutsche überqueren. Die beiden strandeten im evakuierten Ort und mussten eine Nacht im Dschungel verbringen. Ein massiver Erdrutsch hatte dort den Fluss teilweise blockiert und einen provisorischen See gebildet, der Häuser und eine wichtige Brücke überflutete.
Psychologische Belastung und zerstörte Existenzen in den Tälern
Für die lokale Bevölkerung und das Begleitpersonal wie die Trekkingführerin Tse Ring Doma war die psychologische Belastung oft schwerer als die physische Gefahr. Die frischen Erinnerungen an die Katastrophe des Vormonats sorgten für ständige Anspannung. Tse Ring Doma berichtete über die Wanderung, bei der ihre Gruppe 28 Erdrutsche überwinden musste, dass sogar Donner sie dazu brachte wegzulaufen und nachzusehen, ob etwas auf sie zukam.
Abseits der Touristenpfade trifft das Unwetter die ärmere Bevölkerung hart. In Battar, einer Stadt nordwestlich von Kathmandu, leben viele Menschen in Notunterkünften. Buti Tamang erzählte gegenüber der BBC, dass sie früher in einer Hütte gelebt hätten, jetzt aber nichts mehr da sei und sie viele Verwandte verloren hätten. Ramesh Ghale ergänzte, dass es jetzt regne und das Zelt lecke, weshalb sie sich in einer schwierigen Situation befänden und nicht wüssten, wohin sie gehen sollten.
„We used to live in a hut, but now there is nothing. We have lost so many of our relatives.“
Buti Tamang
Sperrungen und logistische Probleme im Trekking-Sektor
Während im schwer zugänglichen Manang nach Angaben des lokalen Bezirkschefs Mukti Prasad Khanal in den Trekkinggebieten selbst zunächst keine Todesopfer zu beklagen waren, gab es andernorts Tote. Nahe der tibetischen Grenze wurden nach einer Lawine am Himlung Peak vier Leichen geborgen, zwölf Personen werden weiterhin vermisst.
Die lokale Naturschutzbehörde, das Annapurna Conservation Area Project, hält rund 700 Wanderer in Pokhara zurück, die auf den Start ihrer Tour warten. Vertreter der Trekkingindustrie drängen zwar darauf, die Routen wieder freizugeben, doch die Behörden bleiben angesichts der instabilen Lage vorsichtig. Auch indische Pilger, die den alten Tempel in Muktinath besuchen wollten, mussten auf Inlandsflüge von Jomson nach Pokhara ausweichen, da Straßenverbindungen unterbrochen sind.
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