Die Major League Baseball bereitet sich auf einen drohenden Lockout vor, da der aktuelle Tarifvertrag am 1. Dezember ausläuft. Die Liga hat Teams angewiesen, während einer möglichen Arbeitspause den Kontakt zu Spielern auf dem 40-Mann-Kader einzustellen und deren Bilder von offiziellen Webseiten zu entfernen, um den Druck in den laufenden Verhandlungen zu erhöhen.
Anweisungen der MLB für den drohenden Lockout
Die Liga hat ein 34-seitiges Dokument an Teameigentümer und Führungskräfte verschickt, das detaillierte Richtlinien für das Verhalten während eines Arbeitskampfes enthält. Die Vorgaben sind strikt: Teammitglieder sollen jegliche geschäftliche Interaktion mit diesen Spielern vermeiden und selbst bei zufälligen Begegnungen, etwa auf Hochzeiten, keine geschäftlichen Themen ansprechen. Sollten Führungskräfte unerwartet auf einen Spieler treffen, dürfen sie lediglich „herzlichreagieren, ohne geschäftliche Details zu erörtern.
Zusätzlich wurde angewiesen, keine Weihnachtskarten oder Geschenke nach dem 1. Dezember an Profis zu senden. Auch die offizielle Online-Präsenz der Liga wird radikal umgestaltet: Spielerbilder, Videos und Namen sollen, wie bereits während des Lockouts 2021/22, von den Webseiten der Teams und der Liga entfernt werden. Während offizielle Kanäle keine Spielerbilder zeigen dürfen, bleibt es den Vereinen gestattet, Fanartikel mit Spielerbildern oder Namen zu verkaufen, da diese Rechte aus externen Geschäftsbeziehungen stammen.
„Unsere Verpflichtung war und bleibt es, jede realistische Option auszuschöpfen, um unser Ziel zu erreichen, eine Einigung mit der Spielergewerkschaft zu erzielen. Dennoch müssen sich die Clubs auf die Möglichkeit vorbereiten, dass bis dahin keine Einigung erzielt wird und die Clubs keine realistische Alternative haben, als einen Lockout der Major-League-Spieler umzusetzen.“
Dan Halem, MLB-Unterhändler
Der Streitpunkt Gehaltsobergrenze und Mindestgehälter
Im Zentrum der festgefahrenen Verhandlungen steht der Wunsch der Eigentümer nach einer Gehaltsobergrenze (Salary Cap) von 245,3 Millionen US-Dollar für das Jahr 2027. Begleitet werden soll diese Obergrenze von einem geforderten Mindestgehaltsbudget von 171,2 Millionen US-Dollar. Die Liga argumentiert, dass diese Maßnahmen, kombiniert mit einer Gehaltsuntergrenze, für eine größere Wettbewerbsbalance sorgen würden. Die Spielergewerkschaft (MLBPA) lehnt den Vorschlag jedoch ab, da sie darin lediglich ein Instrument zur Begrenzung des Verdienstpotenzials der Akteure sieht.
Die wirtschaftlichen Auswirkungen wären massiv: Würden die vorgeschlagenen Grenzen auf die Kader der Saison 2026 angewendet, müssten zwölf Teams ihre Ausgaben um insgesamt 617 Millionen US-Dollar erhöhen, während acht Teams, die über dem Cap liegen, ihre Budgets um 578 Millionen US-Dollar kürzen müssten. Für Teams wie die Oakland Athletics, deren Gehaltsbudget am Eröffnungstag 2026 bei lediglich 94,7 Millionen US-Dollar lag, wäre dies eine erhebliche Veränderung. Dennoch hat das Management in Oakland bereits proaktiv auf eine neue Ära reagiert und Spieler wie Tyler Soderstrom, Jacob Wilson, Brent Rooker und Lawrence Butler mit mehrjährigen Verlängerungen ausgestattet, wobei Soderstrom jährlich etwa 12 Millionen US-Dollar verdient.
Auswirkungen auf den Spielbetrieb und die Saison 2027
Die Unsicherheit belastet die Vorbereitungen auf das nächste Jahr massiv. Historisch gesehen führte der letzte Arbeitskampf 2022 zu einer 99-tägigen Sperre, die zwar das Frühjahrstraining verkürzte, aber letztlich die Durchführung des vollen 162-Spiele-Kalenders ermöglichte. Sollte die Saison 2027 jedoch massiv verkürzt werden, könnten nationale Medienverträge, die nach 2028 auslaufen, finanziell beeinträchtigt werden, da Sender für ausgefallene Spiele möglicherweise keine Zahlungen leisten.
Einige Aspekte des Spielbetriebs bleiben von den Verhandlungen unberührt. Minor-League-Spieler, die nicht auf dem 40-Mann-Kader stehen, unterliegen einem eigenen Tarifvertrag und werden ihre Saison 2027 unabhängig vom Lockout bestreiten. Auch die Teilnahme an ausländischen Ligen oder Winterligen wird den Spielern nicht untersagt.

Für Teams wie die Toronto Blue Jays bedeutet der anstehende Dezember-Lockout eine Zäsur bei der Kaderplanung. Da während einer Sperre kein Kontakt zu 40-Mann-Kader-Spielern erlaubt ist, müssen die Vereine sicherstellen, dass alle Profis über ausgearbeitete Trainingspläne für die Zeit der Isolation verfügen. Zu den betroffenen Akteuren bei den Blue Jays, die in den kommenden Wochen vor wichtigen Entscheidungen stehen, zählen acht Spieler mit Anspruch auf ein Schiedsverfahren, darunter Ernie Clement, José Soriano, Josh Smith, Bowden Francis, Spencer Arrighetti, Louis Varland, Nathan Lukes und Davis Schneider.