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Welt

Mindestens drei Tote nach Rekordregen in Istanbul

Schwere Rekordregenfälle haben in Istanbul zu Überschwemmungen, Verkehrsausfällen und mindestens drei Todesfällen geführt. Behörden sprechen von den heftigsten Unwettern seit Jahrzehnten in der türkischen Metropole. Schulen bleiben bis zum Ende der Woche geschlossen, während Tausende Einsatzkräfte Rettungsarbeiten in überfluteten Vierteln durchführen.

Die türkische Metropole Istanbul steht nach heftigen Regenfällen seit Mittwoch unter Wasser. Meteorologischen Daten zufolge handelt es sich um die schwersten Unwetter seit Jahrzehnten. In einigen Bezirken fiel in kurzer Zeit eine Regenmenge, die einem Siebtel des Jahresdurchschnitts entspricht. Die Stadtverwaltung von Istanbul (İBB) sowie das Katastrophenzentrum AKOM meldeten Tausende Notrufe, während Rettungskräfte mit Booten und Baumaschinen im Dauereinsatz sind, um eingeschlossene Menschen zu befreien.

Two dead as record rain floods Istanbul, sweeping cars away

Tödliche Vorfälle und Einsätze in Sarıyer und Fatih

Die Wassermassen forderten im Stadtgebiet mehrere Todesopfer. Passanten eilten zur Hilfe, doch im Krankenhaus kam jede Hilfe zu spät. Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu handelte es sich bei dem Opfer im Stadtteil Sariyer auf der europäischen Seite um eine 34-jährige Person, die nach einem Sturz in einer Wasserlache fest saß und sich nicht mehr eigenständig befreien konnte. Bereits am Vorabend hatte es im Viertel Balat im Bezirk Fatih einen tödlichen Unfall gegeben.

Bei dem Vorfall im Çukurbostan-Park im Bezirk Fatih, Viertel Balat, geriet das 14-jährige Kind M.I. in dem Moment unter Strom, als es in eine Wasserpfütze trat. Das Kind wurde bewusstlos ins Krankenhaus gebracht und ist trotz aller Bemühungen verstorben. Zu dem Vorfall wurde ein Ermittlungsverfahren eingeleitet.

Provinzverwaltung Istanbul

Die Behörden verzeichneten landesweit rund 10.000 Hinweise, davon entfielen fast 9.000 allein auf die türkische Metropole. Mehr als 46.000 Einsatzkräfte waren insgesamt an den Such- und Rettungsmaßnahmen beteiligt. In ganz Istanbul brachten die Retter schätzungsweise 2.700 Menschen in Sicherheit, teilweise unter dem Einsatz von Schlauchbooten und schweren Baumaschinen, um Mitarbeiter aus überschwemmten Geschäften zu evakuieren. Auf der Plattform X verkündete die Verwaltung des Gouverneurs von Istanbul zudem, dass bis zum Mittwochabend über 1000 Hilferufe eingegangen seien, welche unter anderem Überschwemmungen, Erdrutsche sowie umgestürzte Bäume betrafen. Ein weiteres Todesopfer wurde gemeldet, zudem galten vier Personen als vermisst. Ebenfalls im Bezirk Sariyer kam es zu aufwendigen Rettungseinsätzen, bei denen Teams von der Unterwasserrettung, dem Katastrophenschutz, der Feuerwehr, der Küstenwache und des Ordnungsamtes in ihrem Geschäft eingeschlossene Personen befreiten.

🌧️⚠️ Istanbul im Ausnahmezustand: Starkregen, Erdrutsche und zwei Tote. #istanbul #nachrichten

Regenmengen und Schäden im gesamten Stadtgebiet

Die gemessenen Niederschlagsmengen übertrafen vielerorts alle Erwartungen. Laut Aufzeichnungen des Katastrophenzentrums AKOM der Stadtverwaltung von Istanbul traf der Wolkenbrüchige Niederschlag vornehmlich den Bereich des Bosporus sowie den Norden und den mittleren Sektor der europäischen Seite. In Beykoz fielen 255,8 Liter Regen pro Quadratmeter. In Eyüpsultan registrierten Meteorologen 195,9 Liter Regen pro Quadratmeter, in Sarıyer 195,6 Liter, während in anderen Bezirken Mengen zwischen 35 und 110 Liter gemessen wurden.

Als Folge der Wetterlage verzeichnete das Gouverneursbüro von Istanbul in den darauffolgenden Stunden 1.277 Überschwemmungsereignisse, 15 Erdrutsche und 47 Situationen, in denen Menschen eingeschlossen waren. Rund 808 Wohnhäuser, 280 Geschäfte und 76 Fahrzeuge wurden beschädigt oder vollständig überflutet. Im Stadtteil Kagithane trat zudem ein naheliegender Bach über die Ufer, wodurch eine Moschee und umliegende Gebäude überflutet wurden. In mehreren Bezirken auf der europäischen Seite fielen Strom und Wasser aus oder die Versorgung wurde gekappt, was bis zum Morgen anhielt, während U-Bahnen und Straßenbahnen ihren Betrieb nach vorübergehenden Einschränkungen wieder aufnahmen.

Mindestens drei Tote nach Rekordregen in Istanbul
Foto: Augsburger Allgemeine

Regionale Warnungen und erweiterte Schulausfälle

Innenminister Mustafa Ciftci warnte unterdessen, dass auch in den nord-westlichen Provinzen Kocaeli, Zonguldak, Sakarya, Yalova und Düzce nach Angaben der Generaldirektion für Meteorologie bis zu 100 Liter Niederschlag pro Quadratmeter erwartet werden. Für die Regionen Zonguldak und Düzce gilt der amtliche Warnstatus für Freitag fort, und die dortigen Schulen blieben ebenfalls geschlossen. Auch der Gouverneur von Istanbul, Davut Gül, ordnete an, den Unterricht nach dem Ausfall am Donnerstag auch am Freitag für ausgesetzt zu erklären.

Gouverneur Davut Gül rief die Bewohner auf, nur auf die Straße zu gehen, wenn dies absolut notwendig sei, und sich von Wasserläufen, Unterführungen und Flussbetten fernzuhalten. Die Istanbuler Stadtverwaltung (İBB) war mit 8.392 Mitarbeitenden und 2.246 Fahrzeugen und Baumaschinen im Dauereinsatz, um Straßen von Geröll, abgebrochenen Ästen und übereinandergestapelten Autos zu befreien.

Unwetter-Chaos in der Türkei: Zwei Tote bei schwere Überschwemmungen in Istanbul

Wetterkundige führen das vermehrte Auftreten solcher heftigen Herbststürme unter anderem auf ein außergewöhnlich stark erwärmtes Mittelmeer zurück, welches Tiefdruckgebieten große Mengen an Energie und Feuchtigkeit zur Verfügung stellt. Weniger als einen Monat nach den aktuellen Überschwemmungen soll die Türkei vom 9. bis 20. November 2026 zudem die UN-Klimakonferenz COP31 in Antalya ausrichten. Vor Kurzem hatten Spezialisten der Weltbank darauf aufmerksam gemacht, dass die geografischen Gegebenheiten des Staates ihn besonders anfällig für Waldbrände, Dürren sowie Überschwemmungen machen.

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Anna Richter

Über den Autor

Anna Richter leitet das Weltressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet ueber internationale Politik, Diplomatie und geopolitische Entwicklungen mit Fokus auf Kontext, Verlaesslichkeit und Relevanz fuer deutschsprachige Leser.

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