Die britische Designerin Martine Rose übernimmt die kreative Leitung von Balenciaga. Das teilte der Mutterkonzern Kering mit. Rose tritt ihr neues Amt am 16. November an und folgt damit auf Pierpaolo Piccioli, dessen Abschied das Modehaus nach nur 16 Monaten bekannt gab.
Wechsel an der Spitze des Pariser Modehauses
Die Ernennung markiert einen raschen Richtungswechsel für das Traditionsunternehmen. Pierpaolo Piccioli hatte das Amt erst im Frühjahr 2025 angetreten und in seiner kurzen Amtszeit drei Prêt-à-porter-Kollektionen sowie eine Haute-Couture-Schau präsentiert. Kering dankte dem Italiener für seinen Einsatz. Piccioli selbst äußerte sich in einem Instagram-Beitrag zu seinem Abgang.

Das Leben ist eine Reise, und jedes Kapitel macht den Weg für das nächste frei.
Pierpaolo Piccioli
Der französische Luxuskonzern Kering gab die Trennung am Donnerstag bekannt, wobei das Unternehmen über die Hintergründe schwieg und offenblieb, ob Piccioli selbst gehen wollte oder die Entscheidung bei Kering fiel. Die Erwartungen an Piccioli waren hoch gewesen, nachdem er nach 25 Jahren bei Valentino als Idealbesetzung galt, um Balenciaga wieder stärker an seine Wurzeln als Haute-Couture-Haus heranzuführen. Schließlich war Gründer Cristóbal Balenciaga einer der bedeutendsten Couturiers des 20. Jahrhunderts, der sein Pariser Modehaus 1937 gründete, nachdem er zuvor in Spanien Ateliers betrieben hatte. Unter Piccioli sollten wieder mehr Handwerkskunst, Eleganz und ein starkes Couture-Gefühl einziehen, nachdem der Italiener bei Valentino für poetische Farbwelten, dramatische Volumen und fließende Silhouetten gefeiert worden war. Sein Debüt für Balenciaga zur Frühjahr/Sommer-Saison 2026 wurde entsprechend begeistert aufgenommen, doch danach wurde die Kritik lauter und gemischte Reaktionen von Modekritikern begleiteten seine Entwürfe, während gemäss unterschiedlichen Quellen die Umsätze der Herrenmode unter seiner Leitung einbrachen.
Mit Martine Rose setzt die Gruppe auf eine Designerin, die bereits in der Vergangenheit eng mit dem Haus verbunden war. Während der Amtszeit des früheren Kreativdirektors Demna arbeitete sie von 2015 bis 2018 als Beraterin für Herrenmode mit ihm zusammen und unterstützte ihn, als er die charakteristische Oversize-Kleidung entwarf. Kering-Chef Luca de Meo betonte das kulturelle Verständnis der neuen Kreativchefin.
Ihre Verbindung zur neuen Generation und ihr instinktives Verständnis für Kultur verleihen dem Haus eine neue Dimension. Ihre Ernennung spiegelt unser Bestreben wider, Balenciaga an der Spitze von Innovation, Kreativität und Kultur zu halten.
Luca de Meo, Kering-CEO
Subkulturelle Wurzeln und internationale Laufbahn
Die in Croydon im Süden Londons geborene Designerin ist bekannt für ihre unkonventionelle Herangehensweise an Menswear. Bekannt wurde Rose vor allem durch ihr 2007 gegründetes Londoner Label, mit dem sie sich eine treue Kult-Anhängerschaft aufgebaut hat. Ihre Entwürfe schöpfen Inspiration aus subkulturellen Einflüssen wie der Rave-Kultur, der britischen Musikszene, der Fußball-, House- und Reggae-Szene sowie dem Streetstyle der neunziger Jahre und verbinden High- und Low-Fashion in überzeichneten Silhouetten und überraschenden Stoffkompositionen. Mit ihrer visuellen Sprache und ihrer Streetwear-Sensibilität bringt sie Eigenschaften mit, mit denen sich an die Demna-Ära anknüpfen lässt.
Es ist ein großes Privileg, zur Kreativdirektorin von Balenciaga ernannt zu werden – einem Modehaus mit einem außergewöhnlichen Erbe und einem furchtlosen kreativen Geist
Martine Rose
Umstrukturierungen im Luxuskonzern Kering
Die Personalie bei Balenciaga ist Teil einer größeren Umstrukturierung innerhalb der Kering-Gruppe, zu der neben Balenciaga auch Marken wie Gucci, Saint Laurent und Bottega Veneta gehören. Der französische Luxuskonzern verzeichnete in den vergangenen drei Jahren eine schmerzhafte Wachstumsflaute, die besonders die größte Marke Gucci hart traf, und Kering-CEO Luca de Meo versucht nun, wieder für Wachstum zu sorgen.

Bei Yves Saint Laurent trat Anthony Vaccarello im Oktober zurück, was weniger als einen Monat vor dem Abschied von Pierpaolo Piccioli stattfand. Für Saint Laurent hat Kering zum Zeitpunkt der Bekanntgabe noch keinen neuen Kreativdirektor benannt.
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