Lisandro Martínez hat die sportliche Führung von Manchester United nach einer 2:0-Niederlage in der Champions League gegen Atlético Madrid scharf kritisiert. Der argentinische Verteidiger bemängelte am Dienstag das fehlende Sommertransfer-Budget und warf den Verantwortlichen vor, dem Kader die nötige Qualität für die europäische Spitze vorzuenthalten.
Kritik an der Klubführung nach Niederlage in Madrid
Die sportliche Talfahrt von Manchester United hat nach einem Auswärtsspiel in Spanien eine neue Dimension erreicht. Nach Trefforen von Pablo Barrios und Ademola Lookman unterlag das Team am Dienstag in der Champions League dem spanischen Vertreter Atlético Madrid mit 2:0. Kurz nach dem Schlusspfiff trat der Verteidiger Lisandro Martínez vor die Mikrofone von Amazon Prime und nahm die Verantwortlichen in der Teppichetage ins Visier.
Der argentinische Nationalspieler machte keinen Hehl aus seiner Frustration über die Kaderplanung im vergangenen Sommer. Während andere Vereine massiv aufrüsteten, investierte United lediglich rund 150 Millionen Pfund in neue Spieler — eine Summe, die im Vergleich zur nationalen Ligakonkurrenz deutlich zu gering ausfiel.
Nach der Niederlage gegen die Mannschaft von Diego Simeone, die United die dritte Pleite aus den letzten fünf Partien einbrachte, sprach der Argentinier offen von einer sehr schwachen Verfassung. Er betonte, dass er sich stark beherrschen müsse und dass dieser Auftritt ein Spiegelbild des aktuellen Zustands im Verein sei. Die Erwartungshaltung nach der vorherigen Spielzeit sah ganz anders aus, und er forderte unmissverständlich mehr Unterstützung von ganz oben.
Debatte um die Verantwortung von Trainer Michael Carrick
Der Abwehrspieler kritisierte, dass in Krisenzeiten reflexartig immer nur der Trainer ausgetauscht werde, anstatt die strukturellen Defizite in anderen Bereichen des Klubs zu beheben.

Mit nur zwei Siegen aus den ersten Partien durchlebt der Verein den schwächsten Start in eine Spielzeit seit vierzig Jahren. Auf die Aussagen seines Verteidigers angesprochen, gab Carrick an, das Interview zunächst nicht gesehen zu haben und die Emotionen nach einer solchen Partie berücksichtigen zu wollen.
Der Trainer betonte, dass er die Enttäuschung im Team nachvollziehen könne, und zeigte sich überzeugt von der mannschaftlichen Geschlossenheit. Zudem äußerte er sein Unverständnis über die Rote Karte für Leny Yoro sowie über vier vergebene Eins-gegen-Eins-Situationen, die das Ergebnis hätten verändern können.
Widerspruch aus den Expertenkreisen und drohende Sanktionen
Die heftige Schelte des Abwehrspielers rief umgehend prominente Kritiker auf den Plan. Der frühere United-Kapitän Wayne Rooney bemängelte bei Amazon Prime, dass der Argentinier mit seinen Äußerungen eine klare Grenze überschritten habe und den eigenen Mitspielern keinen Respekt entgegenbringe. Auch Experte Jamie Carragher warnte im TV-Studio von CBS Sports vor den Turbulenzen, die ein derartiges Interview in einer ohnehin fragilen Phase auslöse.
Zudem pflichtete Ashley Young der Kritik an Martinez bei und merkte an, dass der Verteidiger mit seinen Forderungen nach Neuzugängen für einen komplett neuen Kader völlig unrealistisch agiere. Rooney ergänzte, dass der Vorstoß des Argentiniers wie ein egoistischer Versuch wirke, die eigene Haut zu retten, und warnte vor nachhaltigen Rissen im Mannschaftsgefüge.

Zudem werfen Beobachter die Frage auf, ob das Interview im Hinblick auf den auslaufenden Vertrag des Profis taktisch platziert war. Interne Konsequenzen stehen im Raum: Berichten zufolge prüft die Vereinsführung disziplinarische Maßnahmen, die von einer Geldstrafe wegen des Verstoßes gegen interne Medienrichtlinien bis hin zu einer Nichtnominierung für die bevorstehende Auswärtspartie bei Leeds United an der Elland Road reichen könnten.
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