Lindt & Sprüngli hat Konzernchef Adalbert Lechner nach zwei Umsatzsenkungen und einem stark gesunkenen Aktienkurs am 19. Oktober 2026 mit sofortiger Wirkung freigestellt. Der frühere Chef und jetzige Vizepräsident Dieter Weisskopf übernimmt das Ruder übergangsmässig, während der Schweizer Schokoladenhersteller bis ins zweite Quartal 2027 eine dauerhafte Nachfolge sucht.
Das abrupte Ende nach 33 Jahren Unternehmenszugehörigkeit
Der Schweizer Premium-Schokoladenhersteller Lindt & Sprüngli zieht kurz vor Beginn des Weihnachtsgeschäfts die Notbremse. Nach insgesamt 33 Jahren im Konzern und vier Jahren an der Unternehmensspitze muss Adalbert Lechner seinen Posten als Konzernchef mit sofortiger Wirkung räumen. Die Bilanzzahlen waren zuletzt zu stark zusammengeschmolzen, weshalb der Verwaltungsrat den langjährigen Weggefährten fallen ließ.
Der plötzliche Wechsel folgt auf eine Phase mit operativen Herausforderungen und gesenkten Umsatzprognosen. Noch im März und Ende September 2026 musste das Management die Umsatzprognosen gleich zweimal nach unten korrigieren. Statt des ursprünglich anvisierten organischen Wachstums von 6 bis 8 Prozent rechnet das Unternehmen nun lediglich mit einem Plus von 0 bis 2 Prozent. Die Lindt-Aktie stürzte in den vergangenen zwölf Monaten um 35 Prozent ab.
Dieter Weisskopf übernimmt ad interim und soll Europa stabilisieren
Um ein Machtvakuum zu verhindern, kehrt ein weiterer Branchenveteran an die operative Front zurück. Dieter Weisskopf, der den Konzern bereits von 2016 bis 2022 erfolgreich geführt hatte und seither als Vizepräsident des Verwaltungsrats amtierte, übernimmt die Leitung ad interim. Der 71-Jährige gilt als profunder Kenner des Hauses und soll vor allem das strauchelnde Europageschäft wieder auf Vordermann bringen.

Ich kenne Lindt & Sprüngli, den Markt und unsere Mitarbeitenden gut, und sie bedeuten mir sehr viel.
Dieter Weisskopf, Vizepräsident des Verwaltungsrats und Interim-CEO
Während sich Märkte wie Nordamerika und der asiatisch-pazifische Raum inklusive Australien, China und Japan stabil entwickeln, nagen die Probleme vor allem am europäischen Fundament. Ein dauerhafter Nachfolger soll spätestens im zweiten Quartal 2027 ernannt werden.
Preiserhöhungen und Rabchtschlachten im Handel
Hintergrund der Absatzkrise ist eine verfehlte Preissetzungspolitik in Zeiten explodierender Rohstoffkosten. Nach drei schwachen Kakaoernten und Rekordpreisen für die wichtigsten Zutaten hatte Lindt seine Verkaufspreise im ersten Halbjahr 2026 im Schnitt um 11,8 Prozent angehoben. Über die gesamten vergangenen Jahre summierten sich die Aufschläge branchenweit auf 40 bis 50 Prozent, da das Management fest auf die unerschütterliche Marktmacht der eigenen Premium-Marken vertraute.
Doch die Rechnung ging in vielen Preislagen nicht mehr auf. Kunden griffen verstärkt zu günstigeren Eigenmarken von Grossverteilern wie Coop und Migros, während edle Pralinés und Lindor-Kugeln vermehrt auf den Wühltischen des Detailhandels landeten. Analyst Jean-Philippe Bertschy von der Bank Vontobel ordnet die Rabattschlacht als überfällige Korrektur ein, weil in bestimmten Märkten die Schmerzgrenze der Konsumenten überschritten wurde.
Rochaden im deutschen Markt und anhaltende Kritik am Verwaltungsrat
Neben dem Chefposten im Stammhaus wird auch in den wichtigsten europäischen Landesgesellschaften umgebaut. Der Chef des Deutschlandgeschäfts, Michal Spiller, muss das Unternehmen nach 23 Jahren Betriebszugehörigkeit ebenfalls per sofort verlassen. Sein Amt übernimmt am 26. Oktober Ali Kulein, der bisher die Geschäfte in Österreich verantwortete. In Österreich rückt wiederum Fabian Reinhardt nach, der bislang als globaler Vertriebsleiter am Hauptsitz in Kilchberg tätig war.
Lindt & Sprüngli trennt sich von Konzernchef Adalbert Lechner. Der Verwaltungsrat hält eine neue Führung für nötig, um zu einem dauerhaft starken Wachstum zurückzukehren. https://t.co/AZJxwkmBQ4
— https://x.com/srfnews/status/2112053424741081349
Unterdessen gerät auch die langfristige Strategie des Managements in die Kritik. Marktbeobachter der Bank Vontobel merkten an, dass der Verwaltungsrat angesichts der schwelenden Probleme in den Kernmärkten Deutschland und Österreich durchaus früher hätte eingreifen können. Im Fokus steht dabei vor allem der 80-jährige Ernst Tanner, der das Unternehmen seit den 1990er Jahren prägt und als exekutiver Präsident weiterhin die Fäden im Hintergrund zieht.
Die Verwerfungen an den Märkten spiegeln sich deutlich in der Kursentwicklung wider. Nach Lechners Beförderung zum Konzernchef im Oktober 2022 schnellte der Preis für börsengehandelten Kakao innerhalb kurzer Zeit von unter 2.400 Euro pro Tonne auf fast 12.000 Euro. Analysten weisen in diesem Zusammenhang auf die Volatilität der Aktie und damit verbundene Gewinn- und Verlustmöglichkeiten hin. Marktbeobachter dokumentierten die Kursveränderungen bei Lindt & Sprüngli im Branchenvergleich.

Auch Konsumenten in der Schweiz und in Nachbarländern äußerten sich gegenüber Medien wie Blick kritisch über die Dauer-Aktionen im Supermarkt, bei denen Lindt-Produkte zu Sonderpreisen im Regal stehen, während Sprecherinnen des Unternehmens in Kilchberg betonten, dass die Händler ihre Verkaufspreise und Promotionen eigenständig festlegen. Das Trio aus Ernst Tanner, Dieter Weisskopf und dem ausgeschiedenen Adalbert Lechner hatte das Unternehmen über drei Jahrzehnte hinweg geprägt, wobei Tanner bereits von 1993 bis 2016 als CEO und ab 1994 beziehungsweise 2016 in leitenden Verwaltungsratsfunktionen agierte.
Knall im Schoggi-Konzern: Der Verwaltungsrat von Lindt & Sprüngli trennt sich per sofort von Konzernchef Adalbert Lechner. Übergangsweise holt er einen Manager zurück, der den Konzern schon einmal geführt hat. https://t.co/iimDKI8YZS
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