Der Wettanbieter Flutter Entertainment, Eigentümer von Paddy Power, plant den Abbau von bis zu 1.400 Stellen. Das Unternehmen begründet die Entlassungen am 20. Oktober 2026 mit den im Vorjahr beschlossenen Steuererhöhungen der britischen Regierung, die das Geschäftsmodell der regulierten Glücksspielbranche nach Einschätzung des Managements grundlegend verändert haben.
Umfang des Stellenabbaus und betroffene Standorte
Die geplante Umstrukturierung trifft etwa 15 Prozent der Belegschaft in der Sparte Großbritannien und Irland, wo Flutter insgesamt rund 9.000 Mitarbeiter beschäftigt. Während die Standorte Leeds und Dublin laut Unternehmensangaben besonders betroffen sind, erstrecken sich die Kürzungen auch auf internationale Hubs in Porto, Portugal, sowie Cluj-Napoca in Rumänien, die den britischen Markt unterstützen. Berichten zufolge könnten zudem Mitarbeiter in London und Sunderland sowie an Standorten in Malta und Gibraltar von den Maßnahmen betroffen sein.
Kevin Harrington und die Kritik an der Steuerpolitik
Kevin Harrington, der als Geschäftsführer für das UK- und Irland-Geschäft von Flutter fungiert, machte die steuerlichen Rahmenbedingungen für die Entscheidung verantwortlich. Er betonte, dass die Branche die massiven Kostensteigerungen nicht mehr vollständig abfedern könne, ohne die Kostenbasis drastisch zu senken.

Harrington erklärte, dass die Steuererhöhungen das Wirtschaftsmodell der regulierten Glücksspielbranche in Großbritannien grundlegend verändert hätten und gleichzeitig den unlizenzierten, unregulierten Markt befeuert hätten.
Harrington fügte hinzu, dass die Restrukturierung notwendig sei, um die Wettbewerbsfähigkeit des Konzerns zu sichern. Er bezeichnete die aktuelle Phase als schwierigen und herausfordernden Zeitraum und betonte, dass die Unterstützung der betroffenen Mitarbeiter nun im unmittelbaren Fokus stehe.

Die steuerlichen Hintergründe und finanzielle Auswirkungen
Die britische Regierung hatte im Herbsthaushalt 2025 weitreichende Steuererhöhungen für die Glücksspielbranche angekündigt. Die Steuer auf Online-Casinospiele und Spielautomaten (Remote Gaming Duty) stieg bereits im April von 21 auf 40 Prozent. Ab April 2027 ist zudem eine Anhebung der Wettsteuer für Online-Sportwetten von 15 auf 25 Prozent geplant.
| Steuerart | Alter Satz | Neuer Satz |
|---|---|---|
| Remote Gaming Duty | 21 % | 40 % |
| General Betting Duty (Online) | 15 % | 25 % (ab April 2027) |
Flutter schätzt die Kosten für das Umstrukturierungsprogramm auf 80 bis 90 Millionen US-Dollar (etwa 60 bis 67,5 Millionen Pfund).
Reaktionen und Marktumfeld
Die Ankündigung löste eine Debatte darüber aus, inwieweit die Steuerlast tatsächlich für den Stellenabbau verantwortlich ist oder ob Unternehmen die politische Lage als Vorwand für strategische Umstrukturierungen nach Unternehmensübernahmen nutzen. Kritiker wie der Paddy-Power-Gründer Stewart Kenny hatten bereits in der Vergangenheit vor einer Panikmache der Branche gewarnt. Andere Branchenvertreter hingegen, darunter Führungskräfte von Entain und William Hill, sehen sich ebenfalls gezwungen, aufgrund der verschlechterten Ertragslage Personal abzubauen und Filialen zu schließen.
In der Branche herrscht zudem Unruhe bezüglich möglicher weiterer Erhöhungen der Machine Games Duty (Steuer auf Spielautomaten), über die im bevorstehenden Haushalt unter der Regierung von Andy Burnham entschieden werden könnte.
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