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Knorr-Bremse-Chef Llistosella warnt vor Niedergang der EU-Industrie

Marc Llistosella, Chef des Autozulieferers Knorr-Bremse, warnt vor einem drohenden Bedeutungsverlust der europäischen Industrie innerhalb der nächsten 15 Jahre. In einem Interview kritisierte er die bisherige Wirtschaftspolitik der EU als zu selbstgerecht und forderte eine grundlegende Kursänderung im Wettbewerb mit China.

Knorr-Bremse-Chef warnt vor dem Kollaps in 15 Jahren

Europas Industrie steuert nach Einschätzung von Marc Llistosella auf ihren Untergang zu, wenn die Politik nicht radikal umsteuert. Wenn wir so weitermachen wie bisher, sind wir in 15 Jahren weg, warnte der Chef des Autozulieferers im Gespräch mit dem Pro-Newsletter Industrie & Handel des Nachrichtenmagazins Politico. Das im Jahr 1905 gegründete Unternehmen Knorr-Bremse beschäftigt weltweit etwa 30.000 Mitarbeiter und erwirtschaftet einen Umsatz von rund acht Milliarden Euro.

Die Reaktion der Europäischen Union auf den wirtschaftlichen Aufstieg Chinas hält der Top-Manager für verfehlt. Die EU beschwere sich zwar über unfairen Wettbewerb, tue jedoch zu wenig, um die eigene Wettbewerbskraft zu stärken. Eine echte und schmerzhafte Bestandsanalyse verweigere Deutschland und Europa seit Jahren.

Knorr-Bremse-Chef Llistosella warnt vor Niedergang der EU-Industrie
Foto: upday News

Ablehnung von Breitschutzzöllen und der Blick auf Chinas Stärken

Umfassende Importzölle gegen die Volksrepublik lehnt Llistosella ab. Protektionismus vermittle ein trügerisches Gefühl von Sicherheit, das Unternehmen auf Dauer schwäche. Stattdessen müssten Zölle sehr spezifisch eingesetzt werden, wie die Berichterstattung über das Interview hervorhebt.

Europa müsse anerkennen, wo China echte Vorteile besitzt. Neben einer enormen Leistungsbereitschaft und einem großen Hunger nach Erfolg nannte Llistosella konkrete Zahlen beim akademischen Nachwuchs. Während an deutschen Universitäten jährlich rund 132.000 Ingenieurwissenschaftler ihr Studium abschließen, bringt China nach seinen Angaben pro Jahr 1,3 bis 1,5 Millionen Absolventen hervor – ein Verhältnis von eins zu zehn, das kaum zu kompensieren sei.

Den Zustand auf dem chinesischen Heimatmarkt beschrieb der Manager nicht als klassischen Staatskapitalismus, sondern als knallharten Marktverdrängungskampf. Dort würden sich schätzungsweise 120 Pkw-Anbieter einen unerbittlichen Verdrängungswettbewerb liefern.

Strategische Kooperation bei Überkapazitäten und Elektrofahrzeugen

Die dramatischen Überkapazitäten in China und der dort einbrechende Automarkt zwingen die Hersteller zum Export, da sonst die gesamte heimische Industrie implodiere. Europa sollte diese Situation klug nutzen, anstatt sich abzuschotten. Llistosella schlägt vor, chinesische Autobauer zur Produktion in Europa einzuladen, dies jedoch an strenge Bedingungen zu knüpfen.

  • Vorgabe von strikten Local-Content-Quoten für die Fertigung in Europa.
  • Europa sollte China einladen, in der EU zu investieren und hier zu produzieren, aber nach den Bedingungen, zu denen europäische Firmen in China arbeiten dürfen, also mit Joint Ventures und Knowhow-Transfer.

Besondere Dringlichkeit sieht der Knorr-Bremse-Chef im europäischen Lastwagenmarkt. Dieser werde derzeit überwiegend von sechs etablierten europäischen Herstellern bedient, die jedoch zu wenig in Osteuropa produzieren. Damit stehe das Einfallstor für chinesische Konkurrenten weit offen, wie es bei elektrischen Stadtbussen bereits geschehen sei. Der Lkw-Markt werde sich in den kommenden drei bis fünf Jahren massiv verändern.

Selbstkritik an der westlichen Handelspolitik und fehlender Weitsicht

Neben den Herausforderungen durch Asien mahnte der Konzernchef eine größere Ehrlichkeit in der westlichen Bilanz an. Europa verhalte sich gegenüber Entwicklungsländern oft selbst nicht fair, wenn es westafrikanische Märkte mit Textilien aus Bangladesch oder die eigene Region mit Agrarüberschüssen überschwemme.

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Jonas Becker

Über den Autor

Jonas Becker verantwortet das Nachrichtenressort von Germanic Nachrichten. Sein Fokus liegt auf schneller, praeziser und sauber verifizierter Berichterstattung zu Politik, Gesellschaft und aktuellen Entwicklungen in Deutschland.

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