Ein kalifornisches Paar ist nach monatelangen Ermittlungen wegen schwerer Kindesmisshandlung und einer mutmaßlichen Leihmutterschafts-Verschwörung festgenommen worden. Die Verdächtigen sollen 21 Kinder, die größtenteils über Leihmütter ausgetaucht wurden, in einer millionenschweren Villa in Arcadia unter grausamen Bedingungen festgehalten und systematisch drangsaliert haben.
Festnahme in Arcadia und Millionen-Kautionen vor Gericht
Die Ermittler durchsuchten das mehr als 10.000 Quadratmeter große Anwesen in Arcadia, das rund 20 Meilen nordöstlich von Downtown Los Angeles liegt, wie die Los Angeles Times berichtete. Vor dem zuständigen Gericht in Pasadena plädierten beide auf nicht schuldig. Die Staatsanwaltschaft hatte ursprünglich eine Kaution von jeweils 100 Millionen US-Dollar gefordert und dies unter anderem mit der enormen finanziellen Schlagkraft des Paares begründet, das über Konten mit mehr als 70 Millionen Dollar sowie Vermögenswerte von fast 10 Millionen Dollar verfügte.

Laut Angaben von Oberstaatsanwalt Nathan Hochman und Sheriff Robert Luna leitete die Special Victims Bureau des Los Angeles County Sheriff’s Department die Ermittlungen, an denen auch die Bundespolizei FBI beteiligt war, die einen eigenen Durchsuchungsbefehl für das Wohnobjekt vollzog. Die Anklage wirft Guojun Xuan vor, neben der Verschwörung zum Kindesmissbrauch auch Beihilfe nach der Tat und fünf weitere Anklagepunkte wegen Zeugenbeeinflussung begangen zu haben. Silvia Zhang sieht sich neben der Verschwörung und Beihilfe mit vier Anklagepunkten zur Zeugenbeeinflussung konfrontiert.
Die Entdeckung im Mai 2025 und der Vorwurf systematischer Gewalt
Der Fall kam ins Rollen, nachdem Silvia Zhang im Mai 2025 einen damals zwei Monate alten Jungen mit schweren Kopfverletzungen in ein Krankenhaus in East Hollywood gebracht hatte. Mediziner stellten Blutungen im Gehirn sowie in der Netzhaut fest und schalteten die Behörden ein, da die Schilderung der Mutter vom angeblichen Sturz aus einem Bett unglaubwürdig schien. Als die Polizei daraufhin das Anwesen betrat, stieß sie laut den Angaben der CBS News auf Zustände, die Bezirksstaatsanwalt Nathan Hochman auf einer Pressekonferenz als house of horrors
bezeichnete. Insgesamt wurden damals 15 Kinder in Obhut genommen, während sechs weitere an anderen Adressen aufgespürt wurden; die Altersspanne der insgesamt 21 Minderjährigen lag zwischen zwei Monaten und etwa 13 Jahren. Wie die Nbcnews berichtete, dokumentierten 32 bewegungsmeldende Überwachungskameras im Haus, wie namentlich eine auf der Flucht befindliche Kindermädchen die Kinder regelmäßig schlugen, während das Paar das Geschehen teils lachend beobachtete und Anweisungen zur strengen Disziplinierung gab.
Die Ermittlungsakten detaillieren, dass in dem großflächigen Haus drei separate Räume eingerichtet waren, die als Lernzentren dienten. In diesen Räumen mussten die Kleinkinder, von denen die meisten zwischen einem und drei Jahre alt waren, stundenlang an Tischen sitzen. Laut Zeugenaussagen und Anklagedokumenten wurden die Kinder bei Verfehlungen mit Schuhen oder Stöcken geschlagen, wobei Guojun Xuan in einem dokumentierten Fall ein Kind so heftig gegen den Kopf schlug, dass dessen Körper bei den Schlägen hin und her zuckte. In einer anderen Szene soll Xuan ein Kind am nackten Gesäß und am Kopf geschlagen sowie eine Nanny angewiesen haben, noch härter zuzuschlagen. Die Behörden erklärten zudem, dass das Paar nach dem Bekanntwerden der Misshandlungen versucht habe, die Kinder und das Personal anzuweisen, die Vorkommnisse zu leugnen und keine sichtbaren Spuren zu hinterlassen. Die beschuldigte Nanny Chunmei Li, gegen die ein Untersuchungshaftbefehl wegen schwerer Misshandlung unter Bedingungen vorliegt, die zu schwerer körperlicher Verletzung oder Tod führen können, floh nach Mexiko und entzog sich bislang der Festnahme.
Das Leihmutterschafts-Netzwerk und die Aussagen der Anwälte
Die Ermittlungsbehörden werfen den Beschuldigten vor, ab 2021 über ein selbst betriebenes Netzwerk namens Mark Surrogacy Investment – zeitweise auch Future Spring Surrogacy genannt – Leihmütter aus dem gesamten Bundesgebiet rekrutiert zu haben. Frauen erhielten Summen zwischen 45.000 und 135.000 US-Dollar, wobei den Leihmüttern nach Angaben der The Washington Post teilweise vorgeläugelt wurde, Silvia Zhang sei eine alleinerziehende Mutter mit Fruchtbarkeitsproblemen, oder es wurde verschwiegen, dass bereits über ein Dutzend Kinder im Haushalt lebten. Verteidiger Mitchell Krems wies die Vorwürfe gegen seinen Mandanten entschieden zurück. Er erklärte, Guojun Xuan wolle lediglich sein Vermögen einsetzen, um den Kindern eine exzellente Ausbildung zu ermöglichen, und sei Opfer von Fehlverhalten entlassener Angestellter geworden. Die Anklage wirft Xuan jedoch unter anderem Verschwörung zum Kindesmissbrauch vor, worauf im Falle einer Verurteilung eine Haftstrafe von mehr als 17 Jahren droht, während Zhang eine Strafe von über elf Jahren droht, wie die New York Post mitteilte.

Mehrere Leihmütter, die Kinder für das Paar ausgetragen hatten, äußerten sich nach den Festnahmen bestürzt über die Vorgänge. So berichtete die Leihmutter Maria Castellanos öffentlich, dass sie den Beteiligten vollkommen vertraut hatte und nun wütend darüber sei, dass niemand das Leid der Kinder rechtzeitig stoppen konnte. Vertreter der zuständigen Jugendbehörde DCFS erklärten, dass aufgrund strenger Vertraulichkeitsgesetze keine Details über den aktuellen Aufenthalt oder frühere Unterstützungsleistungen der in staatliche Obhut übergebenen Minderjährigen öffentlich gemacht werden dürfen. Der Fall wird von den Justizbehörden in Los Angeles als beispiellos eingestuft, und die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen zu dem großangelegten Leihmutterschaftskomplex dauern weiter an.
Mitchell Krems sagte: „Mein Mandant ist unschuldig. Es ist das Fehlverhalten der Nanny, die sich auf der Flucht befindet. Er wird ins Visier genommen, weil er von seinem verfassungsmäßigen Recht Gebrauch macht, eine große Familie zu haben.

Alle 21 betroffenen Kinder befinden sich nach Angaben der Jugend- und Familienbehörde des Landkreises Los Angeles in staatlicher Obhut, während die juristische Aufarbeitung und die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen fortgesetzt werden.
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