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Technik und Wissenschaft

John Zimmerman: KI-Übersetzung macht menschliche Kontrolle oft überflüssig

Maschinelle Übersetzungen sind mittlerweile so ausgereift, dass der Verzicht auf menschliche Kontrolle als reale Option gilt.

Für zahlreiche Anwendungsbereiche ist rohe künstliche Intelligenz die richtige Wahl. Laut John Zimmerman, dem Gründer der Schweizer Non-Profit-Organisation OKA (Open Knowledge Association), vervielfacht es die Kosten unnötig um das Hundertfache, wenn man die letzten Prozentpunkte an Fehlern korrigieren will, sofern es sich um interne Dokumente oder Produktlisten handelt.

Wikipedia fordert menschliche Kontrolle

Bei einer Enzyklopädie verhält sich dies laut Zimmerman grundlegend anders. Wikipedia basiert auf Vertrauen, und falsche Fakten können dort jahrelang unbemerkt bleiben und von Journalisten sowie KI-Systemen zitiert werden.

OKA hat nach eigenen Angaben mehr als 10.000 Artikel veröffentlicht – hauptsächlich in die Sprachen Spanisch, Portugiesisch und Englisch – und ist damit der weltweit größte Beitragszahler von übersetzten Artikeln für die Online-Enzyklopädie. Ohne künstliche Intelligenz wäre dieser Umfang nicht erreichbar gewesen. Die traditionelle Übersetzung von 10.000 Artikeln würde Millionen kosten. Im Arbeitsablauf von OKA produziert die KI zunächst den Entwurf, den ein menschlicher Übersetzer danach satzweise überprüft. Doch diese menschliche Kontrolle wird seltener benötigt. Die maschinelle Ausgabe ist laut Zimmerman mittlerweile so gut, dass das komplette Überspringen des Menschen branchenweit zu einer ernsthaften Option und echten Versuchung geworden ist. Während vor zwei oder drei Jahren bei Tools wie DeepL noch ein beträchtlicher Teil jedes Entwurfs umgeschrieben werden musste, benötigt die Prosa heute oft gar keine Korrekturen mehr.

Gefahren bei juristischen Dokumenten

Ob die Technologie den Menschen komplett ersetzen kann, wird von Übersetzern jedoch verneint. Ariella Baltié, eine auf Gerichtsurkunden spezialisierte Übersetzerin und Rechtsexpertin für die Sprachkombination Englisch-Französisch, wurde kürzlich von einem Kunden kontaktiert, der seine Dokumente bereits per KI übersetzt hatte und diese überprüfen lassen wollte.

Es gab zwei große Fehler gleich am Anfang.

Ariella Baltié, Übersetzerin und Rechtsexpertin

Die KI übersetzte den Begriff „Le demandeur“ (der Kläger) als „the requester“, was für juristische Dokumente völlig unpassend ist. Zudem wandelte das System den Ausdruck „Madame X, épouse Y“ (Frau X, Ehefrau von Y) in „Ms X marries Yum, verwechselte also ein Substantiv mit einem Verbum und entstellte damit den Sinn der Phrase komplett. Die Folgen von Fehlübersetzungen im juristischen Bereich können gravierend sein.”””

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Clara Vogt

Über den Autor

Clara Vogt verantwortet das Ressort Technik und Wissenschaft. Sie schreibt ueber KI, Digitalisierung, Forschung und Innovation und uebersetzt komplexe Entwicklungen in klaren, belastbaren Journalismus.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.