Eine H3-Rakete soll am 20. Oktober 2026 vom Weltraumbahnhof Tanegashima abheben, um Proben vom Marsmond Phobos zur Erde zu bringen. Die Mission MMX bündelt die Expertise von JAXA, NASA und europäischen Raumfahrtagenturen.
Japans H3-Rakete startet zur Phobos-Mission
Die japanische Raumfahrtagentur JAXA bricht zu einer Weltpremiere auf. Das Raumschiff der Mission namens Martian Moons eXploration (MMX) soll nach den Planungen am Dienstag, den 20. Oktober 2026, um 04:41 Uhr japanischer Ortszeit (20:41 Uhr BST beziehungsweise 21:41 Uhr CEST am 19. Oktober 2026) vom Tanegashima Space Center abheben. Zum Einsatz kommt dabei eine Trägerrakete des neuen japanischen Typs H3 in der Konfiguration H3-24L.
Die Gesamtkosten für das Projekt beziffert die japanische Nachrichtenagentur NHK auf 55,3 Milliarden Yen, was etwa 350 Millionen US-Dollar entspricht.
Geleitet wird das Vorhaben von der Japan Aerospace Exploration Agency in Zusammenarbeit mit der US-amerikanischen Weltraumbehörde NASA, der französischen Raumfahrtagentur CNES, dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und der Europäischen Weltraumorganisation ESA.
Nach dem erfolgreichen Start von Hayabusa-Asteroidenmissionen in den Jahren 2010 und 2020 wagt die JAXA nun den nächsten großen Schritt im interplanetaren Raum.

Vor dem aktuellen Vorhaben gab es bereits mehrere unbemannte Anläufe anderer Nationen zur Erkundung des Marsmondes: Zwei sowjetische Sonden gingen in den Jahren 1988 und 1989 vor dem Erreichen des Mondes verloren, und Russlands Mission Phobos-Grunt scheiterte im Jahr 2011 in der Erdumlaufbahn.
Rätselhafte Herkunft der Marsmonde Phobos und Deimos
Während die Europäische Weltraumorganisation ESA betont, dass die Herkunft der Trabanten völlig unklar ist, verfolgt die Mission zwei Hauptziele: die Entstehung von Phobos und Deimos zu klären und die frühere Umweltgeschichte des Roten Planeten zu ergründen. Tom Statler, NASA-Programmdirektor und -wissenschaftler für MMX, erläuterte die zwei konkurrierenden Hypothesen:
Tom Statler erklärte: „Phobos und Deimos könnten die Überreste eines gewaltigen Einschlag auf dem Mars sein, der Material in die Umlaufbahn um den Planeten geschleudert hat, oder es handelt sich um antike Asteroiden, die vor Milliarden von Jahren von der Schwerkraft des Mars eingefangen wurden.
Die Wissenschaftler setzen große Hoffnungen auf die geplante Bodenanalyse.
We've studied the moons of Mars from Earth, from orbit, and even in the sky as seen from the surface. (This view comes from the Curiosity rover.) Now, the @JAXA_en MMX mission will see them up close, and even bring a sample home. NASA will be assisting each step of the way. 1/2 pic.twitter.com/taPHAWIGv5
Kiyoshi Kuramoto, der leitende Wissenschaftler der Mission, erklärte dazu: „Durch die Analyse von Bodenproben werden wir mit ziemlicher Sicherheit zu einem Schluss kommen.“ Da Phobos deutlich näher am Mars kreist als Deimos, erhofft sich das Team dort besonders viele Spuren, die direkt mit dem Mars und der Entstehung des inneren Sonnensystems verknüpft sind.
Makoto Suwa, ein JAXA-Astronaut und Botschafter für die Öffentlichkeitsarbeit der Mission, betonte die Bedeutung der Unternehmung als erste menschliche Initiative, die in den Marsbereich reist, dort landet und Proben zurückbringt.”
Extreme Bedingungen bei der Landung im Niedriggravitationsfeld
An Bord befinden sich 13 wissenschaftliche Instrumente. Die Europäische Weltraumorganisation ESA unterstützt das Projekt durch Kommunikations- und Navigationsleistungen.
Die Schwerkraft auf Phobos beträgt lediglich ein Zweitausendstel der Erdanziehungskraft. Um beim Aufsetzen nicht unkontrolliert abzuprallen, besitzt das Erkundungsmodul ein vierbeiniges Fahrgestell mit speziellen Stoßdämpfern. Der Rover Idefix verfügt über Räder, die auch unter extrem geringer Schwerkraft Bodenhaftung finden, sich im Falle eines Umkippens selbst aufrichten können und sich laut JAXA im Schrittempo fortbewegen.

Zeitplan und Rückkehr zur Erde im Jahr 2031
Der Flug zum Roten Planeten erfordert Geduld. Nach dem Start im Oktober 2026 wird das Raumschiff voraussichtlich im August 2027 in eine Umlaufbahn um den Mars einschwenken und ab September 2027 den Phobos ins Visier nehmen. Im Jahr 2030 soll das Mutterschiff schließlich auf der Oberfläche landen.
Die gesammelten Materialien werden in einer hitzegeschützten Rückkehrkapsel mit einem Durchmesser von rund 60 Zentimetern verstaut.
Lindsey Hayes, kommissarische Direktorin der Abteilung für Planetenwissenschaften bei der NASA, hob hervor, dass die Mission die Bedeutung internationaler Partnerschaften bei der Erkundung des Sonnensystems demonstriert. Auch Nicky Fox, stellvertretende Administratorin für das Science Mission Directorate der NASA, betonte, dass die Proben eine bahnbrechende Wissenschaft für kommende Generationen ermöglichen werden, insbesondere im Hinblick auf künftige bemannte Marsmissionen.
Zwei sowjetische Sonden gingen in den Jahren 1988 und 1989 verloren, bevor Russlands Phobos-Grunt im Jahr 2011 scheiterte.