Auslöser war eine Rekordintervention zur Stützung des Yen, bei der Tokio und die USA erstmals seit 2011 gemeinsam am Devisenmarkt agierten.
Der massive Rückgang der japanischen Währungsreserven spiegelt den enormen Einsatz wider, mit dem die Regierung in Tokio den Verfall ihrer Währung gebremst hat.
Millionenverkäufe in US-Treasuries zur Finanzierung der Yen-Käufe
Hinter dem historischen Minus steht eine beispiellose Operation am Devisenmarkt. Zwischen dem 30. Juli und dem 26. August gab das Finanzministerium umgerechnet rund 15,4 Billionen Yen oder 98,66 Milliarden Dollar aus, um Yen zu kaufen und Dollar zu verkaufen. Es handelt sich um die größte monatliche Interventionssumme, die jemals von japanischen Behörden verzeichnet wurde.
Um diese gigantischen Summen zu stemmen, musste Tokio offenbar auf bestehende Bestände an ausländischen Wertpapieren zurückgreifen. Die entsprechenden Posten in den japanischen Reserven, die zu rund 70 Prozent aus US-Staatsanleihen bestehen, sanken im August um 87,8 Milliarden US-Dollar. Diese Verringerung deckt sich fast exakt mit dem Volumen der Interventionen, was darauf hindeutet, dass Japan einen signifikanten Teil seines US-Treasury-Portfolios liquidieren musste, um die nötige Dollar-Liquidität zu generieren.
Erstmals seit 2011 eine gemeinsame Intervention mit den USA
Bemerkenswert an der jüngsten Runde der Währungspflege ist die direkte Beteiligung der Vereinigten Staaten. Ein Teil der Yen-Käufe wurde am 31. Juli gemeinsam mit US-Behörden durchgeführt. Marktbeobachter wurden von diesem Schritt überrascht, da es sich um die erste koordinierte Intervention der beiden Länder seit 2011 handelt.

Die Intervention zeigte zunächst Wirkung: Der Yen erholte sich von seinen 40-Jahres-Tiefs um die Marke von 164 Yen pro Dollar und kletterte bis zum 3. August auf bis zu 155,20 Yen. Zwar schwächte sich die japanische Währung zwischenzeitlich wieder Richtung 160 ab, notierte Anfang September jedoch stabil bei rund 155 bis 156 Yen pro Dollar.
Auswirkungen auf den US-Anleihemarkt und die geldpolitischen Aussichten
Als weltgrößter ausländischer Halter von US-Staatspapieren sorgt der Verkauf von US-Treasuries durch Japan für Aufmerksamkeit an den Anleihemärkten. Washington zeigt sich wachsam im Hinblick auf die Stabilität der langfristigen Renditen, zumal das US-Finanzministerium unter der Führung von Finanzminister Scott Bessent die Rückkäufe von längerfristigen Staatsschulden ausweitet. Die Rückkäufe sollen bis zum 4. November auf mindestens 4 Milliarden Dollar pro Operation verdoppelt werden.

Um die eigenen Handlungsspielräume zu wahren und die Belastung für den Markt zu verringern, können Tokio und Washington im Notfall auf eine während der Pandemie eingerichtete Fed-Fazilität zurückgreifen. Dieses Instrument aus dem Jahr 2020 ermöglicht es großen Zentralbanken, Dollar-Liquidität zu beschaffen, ohne direkt US-Staatsanleihen auf den Markt werfen zu müssen.
Unterdessen blicken die Märkte auf die anstehenden Entscheidungen der Bank of Japan (BOJ). Analysten rechnen fest mit einer Zinserhöhung um 25 Basispunkte bei der Sitzung am 17. und 18. September. Eine straffere Geldpolitik in Tokio könnte dem Yen zusätzlichen Rückhalt geben und den Druck für künftige, kostspielige Devisenmarktinterventionen mindern.
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