Japan hat am Dienstag, den 20. Oktober 2026, eine unbemannte Raumsonde an Bord einer H3-Rakete vom Weltraumbahnhof Tanegashima gestartet. Ziel der fünfjährigen Mission mit einem Budget von 578 Millionen US-Dollar ist es, erstmals Bodenproben von Phobos, dem größeren der beiden Marsmonde, zur Erde zu bringen.
Der historische Start am Weltraumbahnhof Tanegashima
Um 4:41 Uhr Ortszeit am frühen Dienstagmorgen hob die Raumsonde im Süden Japans ab. Tausende Menschen verfolgten den Start der H3-Rakete live, wie The Guardian berichtete. Etwa 71 Minuten nach dem Abheben trennte sich das Raumfahrzeug erfolgreich von der Trägerrakete, woraufhin im Kontrollzentrum der japanischen Raumfahrtagentur JAXA große Erleichterung herrschte. Die fast 4,5 Tonnen schwere Raumsonde – bei der zwei Drittel der Masse aus Treibstoff bestehen – wurde von der oberen Stufe der H3-Rakete auf eine Höchstgeschwindigkeit von über 24.000 Meilen pro Stunde beschleunigt. Dies reichte aus, um die Erdanziehungskraft für die zehnmonatige Reise zum Mars zu überwinden. JAXA-Präsident Hiroshi Yamakawa erklärte den Start für erfolgreich und betonte, dass eine lange Reise begonnen habe, während der Projektmanager Yasuhiro Kawakatsu bestätigte, dass sich das Raumfahrzeug nach dem Entfalten der Solarpanels in einem sehr stabilen Zustand befand.
Internationale Zusammenarbeit im All
An dem Projekt sind fünf internationale Raumfahrtagenturen beteiligt. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt sowie die französische Agentur CNES entwickelten gemeinsam den Roboterrover Idefix, während der Start vom Weltraumbahnhof Tanegashima in der Präfektur Kagoshima stattfand. NASA-Astrophysicist Tom Statler betonte das große Interesse an dem Projekt und hob hervor, dass die Proben von Phobos historisch sein werden. Auch der deutsche Rover-Chef Markus Grebenstein betonte, dass es sich um einen Teil der ersten Probenrückweisesequenz aus dem Mars-System handelt. Die Mission stützt sich auf die Erfahrung, die Japan bereits mit den erfolgreichen Asteroiden-Missionen Hayabusa 1 zu Itokawa im Jahr 2010 und Hayabusa 2 zu Ryugu im Jahr 2020 gesammelt hat.
Zwei Theorien zum Ursprung der Marsmonde
Bis heute existieren zwei Haupttheorien zu ihrer Entstehung. Entweder handelt es sich bei den unregelmäßig geformten Himmelskörpern um eingefangene Asteroiden aus den Anfängen des Sonnensystems, oder sie sind das Produkt einer gigantischen Kollision, bei der ein massiver Körper vor rund 4,5 Milliarden Jahren auf den Mars prallte und Trümmer ins All schleuderte.
Die Raumsonde wird nach dem ersten Versuch in die Nähe von Phobos zurückkehren und einen zweiten Landeversuch starten.
Sara Russell vom Natural History Museum erklärte laut BBC: „Sobald wir die Probe zurückhaben, werden wir ihre Chemie und mineralogische Zusammensetzung im Detail untersuchen können – und die beiden Hypothesen werden zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen führen.

Die Rückkehr zur Erde im Jahr 2031
Nach der erfolgreichen Probenentnahme auf dem etwa 22 Kilometer breiten Phobos und kurzen Vorbeiflügen am kleineren Mond Deimos im November 2030 wird die Sonde die Marsumlaufbahn verlassen. Die Rückreise zur Erde soll im Jahr 2031 mit der Landung der versiegelten Kapsel in der Woomera-Region in Australien enden, von wo aus die Proben zur Analyse an Labore in Japan und an internationale Partner übergeben werden. Michael Zolensky von der NASA hob hervor, dass 15 Prozent der Proben im Johnson Space Center in Houston landen werden. Wissenschaftler erhoffen sich von den unkontaminierten Proben direkte Antworten auf die Geschichte des Roten Planeten, zumal die Proben im Gegensatz zu seltenen Meteoriten keine irdischen Verunreinigungen aufweisen. Wie Forscher betonen, reicht bereits eine kleine Menge an Material aus, um im Labor tiefgehende Analysen der chemischen Zusammensetzung vorzunehmen.
Im Schatten anderer Mars-Aktivitäten, wie der vom US-Kongress gestoppten Mars Sample Return Mission, gilt das japanische Projekt als entscheidend. Während Chinas Tianwen-3-Mission ebenfalls für die frühen 2030er Jahre anvisiert ist, könnte die japanische Raumsonde als erste erfolgreich Material aus dem Marssystem zur Erde zurückbringen.
Japans Marsmond-Sonde MMX soll am 20. Oktober mit einer H3-Rakete starten. Die Mission wird Phobos und Deimos untersuchen, auf Phobos Proben sammeln und diese zur Erde zurückbringen. Auch der deutsch-französische Rover Idefix ist an Bord.
Die fünf beteiligten Raumfahrtagenturen sehen in der Mission einen entscheidenden Schritt, um die Evolution des Mars und den Ursprung organischer Materialien im Sonnensystem besser zu verstehen.
Sollte die Kapsel 2031 planmäßig in Australien landen, stünde die internationale Wissenschaft vor einem historischen Durchbruch bei der Erforschung des Marssystems.

Die Daten und Proben werden die Grundlage für künftige bemannte Missionen zum Roten Planeten bilden, wie NASA und JAXA in ihren Zielsetzungen betonten.
Somit blickt die globale Gemeinschaft gespannt auf die kommenden Jahre, in denen die Raumsonde den Mars und seine beiden Monde erkundet.
Die präzise Steuerung der Sonde und das Zusammenspiel der internationalen Instrumente markieren ein neues Kapitel in der interplanetaren Raumfahrtgeschichte.
Mit der erfolgreichen Trennung der Module und dem stabilen Flug im interplanetaren Raum sind die ersten Hürden der ambitionierten Mission bereits genommen worden.
Die Forscher weltweit warten nun auf die Ankunft im Jahr 2027 und die anschließenden wissenschaftlichen Messungen im Orbit der Marsmonde.

Bis dahin wird die Sonde ihre lange Reise durch das Sonnensystem fortsetzen und die Instrumente auf die bevorstehenden Aufgaben vorbereiten.