Der Iran hat die Blockade der Straße von Hormus am Freitag, 19. Juni 2026, erneut aufgenommen, nachdem die Meerenge erst kurz zuvor nach 110 Tagen wieder geöffnet worden war. Laut Berichten auf Telegram fordern die Revolutionsgarden den Abzug der USA aus der Region und Israels aus dem Libanon als Bedingung für eine Freigabe.
Die Situation ist volatil. Warnschüsse und Funksprüche signalisierten das Ende der kurzen Atempause für den globalen Ölmarkt. Nur Stunden zuvor schien ein mühsam ausgehandeltes Friedensabkommen zwischen Washington und Teheran den Weg für die kommerzielle Schifffahrt geebnet zu haben.
Widersprüchliche Signale: Revolutionsgarden gegen PGSA
Innerhalb des iranischen Apparats scheint es derzeit keine einheitliche Linie zu geben, wie der Verkehr in der strategischen Meerenge zu steuern ist. Während die Islamische Revolutionsgarde über den Messengerdienst Telegram eine strikte Sperre verkündete und drohte, jedes widerspenstige Schiff ins Visier zu nehmen, zeichnete die zuständige iranische Behörde, die Persian Gulf Strait Authority (PGSA), ein anderes Bild.
Die PGSA gab auf der Plattform X bekannt, dass die Durchfahrt weiterhin möglich sei. Allerdings ist dies an strikte bürokratische Bedingungen geknüpft. Schiffseigner müssen nun einen offiziellen Antrag stellen, der vollständige Informationen enthalten muss.
- Frist: Anträge müssen mindestens 48 Stunden vor Erreichen des Gebiets eingereicht werden.
- Risiko: Die Verantwortung für die Nichteinhaltung dieser Bedingungen liegt allein bei den Reedereien.
- Ziel: Vermeidung von Verzögerungen bei der Ein- und Ausfahrt.
Diese Diskrepanz zwischen militärischer Drohkulisse und administrativer Regulierung deutet darauf hin, dass Teheran die Straße von Hormus nicht mehr nur als Waffe, sondern als Instrument zur totalen Kontrolle des Warenstroms einsetzt.
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Kurzes Zeitfenster: 12,5 Millionen Barrel Öl in Bewegung
Die kurze Phase der Öffnung am 18. Juni 2026 brachte eine erste, wenn auch fragile Entlastung. US-Vizepräsident J. D. Vance bestätigte aus dem Weißen Haus, dass die US-Marine die Durchfahrt für mehr als ein Dutzend Frachter genehmigt hatte.

Die Reaktion der Industrie war unmittelbar. Große Reedereien wie die Grimaldi Group, Cosco, Knutsen und NYK schickten ihre Tanker wieder in die Meerenge. Sogar zwei Rohöltanker der sanktionierten National Iranian Tanker Company wurden gesichtet. In diesem kurzen Zeitfenster wurden bereits 12,5 Millionen Barrel Öl transportiert.
Das Volumen ist beachtlich, doch die Erleichterung an den Zapfsäulen war nur von kurzer Dauer. Die Straße von Hormus ist für die Weltwirtschaft systemrelevant: Normalerweise fließen hier rund 20 Prozent des globalen Rohöls sowie massive Mengen an Düngemitteln und Flüssiggas durch.
This follows our earlier report, G7-Gipfel in Frankreich: US-Iran-Abkommen und Hormus-Öffnung im Fokus.
Das Minenproblem: Warum die Hauptroute weiterhin gesperrt bleibt
Selbst während der kurzen Öffnungsphase war die Fahrt durch die Meerenge ein riskantes Unterfangen. Die physische Gefahr durch zurückgelassene Kampfmittel blieb bestehen.
Laut Phillip Belcher vom Branchenverband Intertanko befinden sich auf der Hauptschifffahrtslinie noch etwa 80 Minen, die geräumt werden müssen. Dies zwang die Schifffahrt dazu, riskante Umwege über Nebenrouten in iranischen und omanischen Gewässern zu nehmen.
Das ist wie auf einer Autobahn, bei der die mittlere Fahrspur gesperrt ist und man den Seitenstreifen nutzt.
Phillip Belcher, IntertankoDiese logistische Engpasssituation macht die Schifffahrt extrem anfällig für plötzliche politische Kurswechsel. Wenn die Revolutionsgarden nun erneut die Sperrung verkünden, gibt es keine sicheren Ausweichmöglichkeiten mehr.
Diplomatischer Rückschlag: Das wackelige Abkommen von Donald Trump
Die aktuelle Eskalation stellt das erst vor wenigen Tagen von US-Präsident Donald Trump ausgehandelte Abkommen mit dem Iran infrage. Die Blockade, die Ende Februar infolge amerikanisch-israelischer Angriffe begonnen hatte, sollte durch diesen Deal endgültig beendet werden.

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Die Realität am Freitag zeigt jedoch, dass die diplomatischen Erfolge instabil sind. Geplante Gespräche zwischen Unterhändlern beider Seiten, die in der Schweiz auf dem Bürgenstock stattfinden sollten, wurden überraschend verschoben. Diese Absage fällt zeitlich exakt mit den neuen Blockade-Ankündigungen zusammen.
Die Forderungen Teherans sind maximalistisch: Ein vollständiger Abzug der USA aus der Region und ein Rückzug Israels aus dem Libanon. Solange diese Bedingungen nicht erfüllt sind, bleibt die Straße von Hormus eine Geisel geopolitischer Machtspiele.
Für die kommenden Tage bedeutet dies eine Rückkehr zur extremen Unsicherheit. Die Weltmärkte müssen damit rechnen, dass der Ölfluss erneut zum Erliegen kommt, während die Diplomatie in der Schweiz ins Leere läuft. Die 110 Tage der ersten Blockade könnten nur der Anfang einer längeren Phase der Instabilität gewesen sein.
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