Der rekordheiße Sommer im Vereinigten Königreich hat zu einer sogenannten falschen Herbstzeit geführt. Trockenheit und Hitze veranlassten zahlreiche Bäume dazu, ihr Laub frühzeitig abzuwerfen, während andere Arten noch grün bleiben. Dies führt zu einem deutlich verzögerten und veränderten Farbspiel in den britischen Wäldern.
Nach dem bislang heißesten Sommer der britischen Geschichte verläuft der Übergang zu den kühleren Monaten völlig anders als gewohnt. Die extremen Temperaturen und wochenlange Trockenheit haben in vielen Regionen des Landes zu einer ausgeprägten Dürre geführt. Bäume reagieren auf diesen enormen Stress mit einem Überlebensmechanismus: Sie werfen ihre Blätter vorzeitig ab, um den eigenen Wasserhaushalt zu schützen.
Fachleute beobachten diese Entwicklung mit großer Sorge. Kevin Martin, Head of Tree Collections at Royal Bontanic Gardens, Kew, macht deutlich, dass diese Reaktionen auf einen zunehmend unter Druck geratenen Naturhaushalt hinweisen. Die Bäume in Südengland sind besonders stark betroffen und verlieren ihr Laub weit vor der regulären Zeit.
Kevin Martin erklärte: „Nach dem heißesten Sommer in der Geschichte des Vereinigten Königreichs werden wir in diesem Jahr womöglich nicht das gewohnte herbstliche Farbenmeer erleben, das sonst überall gleichzeitig einsetzt.
Martin warnt, dass diese sogenannten falschen Herbste ein ernsthaftes Warnsignal darstellen. Obwohl manche Exemplare Hunderte von Jahren alt werden können, setzt ihnen der rasante Klimawandel immer heftiger zu.

Ungleichmäßige Verfärbung in den Wäldern
Trotz der flächendeckenden Trockenschäden bleibt das herbstliche Landschaftsbild in diesem Jahr keineswegs völlig farblos. Die Natur zeigt sich vielmehr von ihrer unberechenbaren Seite, da sich die Verfärbungen in den verschiedenen Regionen völlig unterschiedlich entwickeln.
Der Autumn Leaf Watch von Forestry England dokumentiert bereits erste rote, gelbe und orangefarbene Töne in bekannten Waldgebieten. Dazu gehören der New Forest, der Delamere Forest, der Wyre Forest sowie der Forest of Dean.
Während Silberbirken, Ebereschen und Rosskastanien schon kräftig die Farbe wechseln, stehen viele Eichen und Buchen noch in sattem Grün. Besonders in westlichen und zentralen Landesteilen zeigen sich frühzeitig intensive Herbsttöne, wie Forstexperten der britischen Forstverwaltung bestätigen.

Chris Sorensen erklärte: „Anstatt eines einzigen Zeitpunkts, an dem der Herbst überall ankommt, neigen die Farben dazu, sich je nach lokalem Wetter, Höhenlage, Baumart und Standortbedingungen unterschiedlich schnell zu entwickeln.
Diese örtlichen Unterschiede sorgen dafür, dass Besucher selbst in benachbarten Forstgebieten völlig verschiedene Phasen des Herbstes erleben.
Wetterbedingungen und Hoffnung auf Oktoberregen
Für eine prächtige Laubfärbung benötigt die Natur im Regelfall eine Kombination aus sonnigen Tagen und kühlen Nächten. Chris Sorensen weist darauf hin, dass heftiger Regen oder starker Wind das Ende der Pracht beschleunigen, während ausgeglichene Bedingungen die Blätter länger an den Zweigen halten.
Nach den langen Dürreperioden sehnen sich die Wälder nach ergiebigem Niederschlag. Jüngste Regenfälle könnten im Oktober bei einzelnen Baumarten noch für überraschend starke und sogar besonders intensive Farbaspekte sorgen, schätzen die Fachleute ein.
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