Das griechische Parlament hat am 5. November 2026 eine Kapitalertragsteuer von zehn Prozent auf Kryptowährungen verabschiedet. Mit diesem Schritt führt das Land seinen ersten umfassenden Rechtsrahmen für digitale Vermögenswerte ein, wie aus übereinstimmenden Berichten hervorgeht. Jährliche Nettogewinne bis zu 500 Euro bleiben von der Abgabe befreit.
Die Entscheidung setzt einen Schlussstrich unter monatelange Vorbereitungen des griechischen Finanzministeriums. Der nun beschlossene Steuersatz liegt unter den 15 Prozent, die Regierungsvertreter laut Berichten von Reuters noch im Juni ins Spiel gebracht hatten. Neben dem jährlichen Freibetrag von 500 Euro sieht der Gesetzgeber vor, dass direkte Tausche zwischen verschiedenen Kryptowährungen – etwa der Wechsel von Bitcoin in Ether – keinen steuerpflichtigen Veräußerungsgewinn auslösen.
Steuersätze im europäischen Vergleich
Im europäischen Rahmen positioniert sich Griechenland mit dem neuen Gesetz am unteren Ende der Abgabenlast. Zypern verlangt mit acht Prozent einen noch niedrigeren Pauschalsatz, der dort ebenfalls seit dem 1. Januar 2026 gilt. Andere EU-Staaten setzen deutlich höhere Hürden: Frankreich erhebt einen Pauschalsatz von 30 Prozent, Irland und Italien verlangen jeweils 33 Prozent. Italien hatte seinen Satz erst zu Jahresbeginn von 26 auf 33 Prozent angehoben. Österreich besteuert entsprechende Erträge mit 27,5 Prozent, und Spanien schöpft Gewinne progressiv mit bis zu 28 Prozent ab. Im Gegensatz dazu folgen Deutschland und Portugal einem anderen Modell: Dort können Gewinne steuerfrei bleiben, wenn die Kryptowährungen mindestens zwölf bzw. 365 Tage gehalten wurden. In Deutschland sieht ein Entwurf des Bundesfinanzministeriums vom September 2026 vor, dass Krypto-Handelsgewinne ab 2028 mit dem regulären Abgeltungsteuersatz von 25 Prozent besteuert werden könnten.
| Land | Steuersatz | Besonderheit |
|---|---|---|
| Zypern | 8 % | Niedrigster Wert im Vergleich |
| Griechenland | 10 % | 500 Euro Freibetrag, eingeführt im November 2026 |
| Österreich | 27,5 % | Abweichendes Modell zu Deutschland |
| Frankreich | 30 % | Pauschalsatz |
| Irland | 33 % | Fester Steuersatz |
| Italien | 33 % | Fester Steuersatz |
Regeln für Staking, Verluste und Altfälle
Die Gesetzgebung unterscheidet klar zwischen klassischem Handelsgewinn und renditeträchtigen Krypto-Aktivitäten. Verluste, die den Freibetrag von 500 Euro übersteigen, lassen sich bis zu fünf Jahre lang vortragen, um künftige Gewinne zu verrechnen.

Für Anleger mit ungeklärter steuerlicher Vergangenheit bietet das Gesetz eine zwölfmonatige Frist zur freiwilligen Offenlegung früherer Gewinne an, bei der nach der Anmeldung eine Zahlungsfrist von 60 Tagen gilt, ohne dass Strafen anfallen. Die Regierung betont jedoch, dass die Einnahmen aus der neuen Steuer kaum zu prognostizieren sind, da die große Mehrheit der heimischen Anleger auf ausländische Handelsplattformen ausweicht, was die Erfassung des tatsächlichen Marktumfangs erschwert. Ein hochrangiger Vertreter des Finanzministeriums teilte Reuters zudem mit, dass in den kommenden Wochen weitere Richtlinien zu Transparenz- und Prüfungsregeln folgen sollen.
Marktumfeld und Transparenz
Der Beschluss in Athen fällt in eine Phase globaler Unsicherheit für die Branche, die derzeit durch einen mutmaßlichen Hackerangriff auf die weltgrößte Kryptobörse Binance erschüttert wird. Analysten ordnen diesen Vorfall als potenziell größten Diebstahl der Geschichte ein, bei dem ein geschätzter Schaden von 6,3 Milliarden Dollar entstand. Parallel dazu verschärft sich die regulatorische Transparenz: Seit dem 1. Januar 2026 müssen Krypto-Dienstleister in der EU gemäß der DAC8-Richtlinie Informationen über Transaktionen von EU-Ansässigen sammeln. Diese Regeln basieren auf dem Krypto-Asset Reporting Framework der OECD. Der erste Austausch dieser Daten zwischen den EU-Steuerbehörden soll bis zum 30. September 2027 erfolgen und die Aktivitäten des Jahres 2026 abdecken.

Beim Handel mit Turbo-Zertifikaten erleiden laut Marktbeobachtungen im Durchschnitt sieben von zehn Kleinanlegern Verluste. Die griechische Reform soll zudem ab dem 1. Dezember 2026 eine Befreiung von der nationalen Digital Transaction Fee für Krypto-Verkäufe ermöglichen.
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