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Generalsanierung der Bahnstrecke Hannover-Berlin gestartet

Seit Freitag ist die stark frequentierte Bahnstrecke zwischen Hannover und Berlin für eine 14-monatige Generalsanierung vollgesperrt. Reisende müssen sich im Fernverkehr auf erhebliche Umleitungen und Fahrzeitverlängerungen von bis zu 80 Minuten einstellen, während im Nahverkehr umfangreicher Ersatzverkehr eingerichtet wurde.

Vollständige Sperrung der Ost-West-Hauptachse bis Dezember 2027

Die Deutsche Bahn hat am 2. Oktober 2026 mit den umfassenden Bauarbeiten auf der rund 230 Kilometer langen Verbindung zwischen Berlin und Lehrte bei Hannover begonnen. Die Strecke soll voraussichtlich bis zum Fahrplanwechsel Mitte Dezember 2027 komplett gesperrt bleiben, wie unter anderem aus Berichten der Nachrichtenplattform n-tv hervorgeht.

Im regulären Betrieb queren täglich mehr als 400 Züge des Nah- und Fernverkehrs sowie rund 90 Güterzüge diese wichtige Ost-West-Schneise. Da eine zeitgleiche Entlastung über die parallel verlaufende Lehrter Stammbahn wegen verzögerter Elektrifizierungsarbeiten ausfällt, müssen Züge nun weiträumig ausweichen, wie die Bild-Zeitung berichtet.

Generalsanierung der Bahnstrecke Hannover-Berlin gestartet
Foto: Spiegel

Im Rahmen der Generalsanierungen der Deutschen Bahn sollen in den kommenden Jahren mehr als 40 Korridore mit einer Gesamtlänge von über 4.000 Kilometern umfassend modernisiert werden, um das überalterte Streckennetz schrittweise zu erneuern. Während bei früheren Großprojekten wie der Riedbahn zwischen Frankfurt und Mannheim oder der Strecke zwischen Hamburg und Berlin die Bauarbeiten jeweils nach rund einem halben Jahr abgeschlossen waren, nimmt die Sanierung zwischen Hannover und Berlin mehr als doppelt so viel Zeit in Anspruch. Grund dafür ist vor allem die Erneuerung von über 50 Kilometern festverbagter Betonfahrbahn rund um Stendal, für die zehntausende Tonnen Betonplatten herausgerissen und neu verlegt werden müssen.

Umleitungen und Fahrzeiten im Fern- und Regionalverkehr

Fernzüge zwischen Berlin und Hannover werden nun über Braunschweig und Magdeburg umgeleitet. Dadurch verlängert sich die Reisezeit auf der Direktverbindung um 60 bis 80 Minuten auf insgesamt rund 180 Minuten. Die Stadt Magdeburg erhält dadurch drei zusätzliche ICE-Verbindungen in Richtung Hannover und Nordrhein-Westfalen.

Bahnstrecke Hannover-Berlin: Welche Folgen die Sanierung für Reisende hat

Auf der Verbindung von Amsterdam nach Berlin verkehren Züge über Hamburg, was zu einer etwa 70 Minuten längeren Fahrzeit führt. Zudem wird die Hälfte der Fernverkehrszüge auf der Achse Frankfurt–Berlin über Fulda und Erfurt umgeleitet, während die verbleibenden Verbindungen nur zwischen Karlsruhe beziehungsweise dem Frankfurter Flughafen und Braunschweig verkehren und der Abschnitt von Braunschweig nach Berlin entfällt. Die Bahn kündigte an, ein verlässliches Grundangebot bereitzustellen und für ausfallende Zugabschnitte barrierefreie Busse einzusetzen. Im S-Bahn-Verkehr fällt die Linie S4 zwischen Hannover und Hildesheim nach Angaben der Betreiberfirma Transdev im gesamten Fahrplanjahr 2027 aus. Zudem kommt es vom 2. Oktober bis zum 12. Dezember 2026 bei verschiedenen Regionalbahnen wie der RB40 zwischen Braunschweig und Helmstedt sowie bei den Linien RE60 und RE70 zwischen Hannover und Braunschweig zu temporären Streichungen von Verdichterzügen.

Umfang der technischen Modernisierung durch DB InfraGo

Der Grund für die lange Unterbrechung ist der massive Sanierungsbedarf an der festverbauten Infrastruktur. Rund um Stendal müssen über 50 Kilometer Betonfahrbahn komplett erneuert werden, wofür zehntausende Tonnen Betonplatten herausgerissen und neu verlegt werden müssen. Der Programmleiter der Generalsanierung bei der Bahn-Tochter DB InfraGo, Wolfgang Weinhold, betonte gegenüber der Antenne Niedersachsen die Dimension des Projekts.

Generalsanierung der Bahnstrecke Hannover-Berlin gestartet
Foto: n-tv.de

„Gleise, Weichen, Betonfahrbahn, Oberleitungen, Stellwerke und Bahnhöfe werden gebündelt erneuert oder modernisiert

Wolfgang Weinhold, Programmleiter der sogenannten Generalsanierung bei der Bahn-Tochter DB InfraGo

Zudem bezeichnete er die Maßnahmen als eine gewaltige Aufgabe, aber eine Investition, die sich auszahlt: für mehr Qualität, Zuverlässigkeit und Stabilität auf einer der vielbefahrensten Ost-West-Bahnverbindungen Deutschlands.

Insgesamt erneuert die Bahn im Zuge der Korridorsanierung hunderte Kilometer Gleise, Weichen, Oberleitungen und Lärmschutzwände. Auch 27 Bahnhöfe sollen modernisiert und teilweise barrierefrei ausgebaut werden. Kritisiert wird von Beobachtern zudem, dass von den 25 Stellwerken entlang der Strecke im Zuge der Bauarbeiten lediglich sechs digitalisiert und für das europäische Zugleitsystem ETCS vorbereitet werden.

Generalsanierung der Bahnstrecke Hannover-Berlin gestartet
Foto: Antenne Niedersachsen

Kritik aus den Kommunen und Fahrgastrechte

Die Dauer der Maßnahme ruft deutlichen Protest hervor. Der Bürgermeister der Stadt Nauen, Michael Wiebersinsky, kritisierte die 14-monatige Vollsperrung als unverhältnismäßig und forderte eine Verkürzung der Bauphase, da das westliche Havelland vom Zugverkehr abgeschnitten werde. Der Kommunalpolitiker erklärte im Gespräch mit dem lokalen Sender, dass die langen Sperrungen die Mobilität der Bevölkerung massiv einschränken und eine schnellere Lösung für die betroffenen Gemeinden dringend erforderlich sei.

„Die Sperrung der Bahnstrecke für 14 Monate und damit die Abtrennung des westlichen Havellandes vom Verkehr, sowohl nach Osten, als auch nach Westen.

Michael Wiebersinsky, Bürgermeister der Stadt Nauen

Betroffene Fahrgäste können bei Verspätungen am Zielbahnhof Entschädigungen geltend machen. Ab 60 Minuten Verspätung lassen sich nach Angaben der Deutschen Bahn 25 Prozent des Ticketpreises zurückfordern, ab 120 Minuten sind es 50 Prozent. Maßgeblich für die fahrigastrechliche Bewertung ist dabei, ob das Ticket vor oder nach der Einpflegung der neuen Fahrzeiten in die Auskunftssysteme erworben wurde.

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Anna Richter

Über den Autor

Anna Richter leitet das Weltressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet ueber internationale Politik, Diplomatie und geopolitische Entwicklungen mit Fokus auf Kontext, Verlaesslichkeit und Relevanz fuer deutschsprachige Leser.

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