Rund 16.000 Objekte kreisen nach Angaben von MDR derzeit um die Erde, während Wissenschaftler schwere Schäden an der Erdatmosphäre und eine Gefährdung von Grundlagenwissenschaften wie der Astronomie befürchten. Die sieben Wissenschaftsakademien der G-7-Staatengruppe fordern deshalb in einer gemeinsamen Stellungnahme eine strengere Regulierung der niedrigen Erdumlaufbahnen.
Satellitenkonstellationen Überfluten den Low-Earth-Orbit
Die Zahl der Satelliten hat sich laut Online-Datensammlungen seit dem Jahr 2016 verzehnfacht. Allein rund 10.000 dieser Einheiten entfallen auf das Star Link-Netzwerk des US-Unternehmens SpaceX.
In ihrer Erklärung schätzen die nationalen Akademien, zu denen unter anderem die Leopoldina aus Deutschland sowie die wissenschaftlichen Akademien aus den USA, Großbritannien, Frankreich, Japan, Italien und Kanada gehören, dass die Gesamtzahl der Satelliten in naher Zukunft auf bis zu 1,7 Millionen ansteigen könnte.
Kommerzielle Dynamik und militärische nutzung
Bereits im Jahr 2021 lag der weltweite Umsatz dieses Sektors laut einem Bericht der deutschen Bundesregierung bei rund 470 Milliarden US-Dollar, wie MDR berichtet. Ssinkende Kosten für Raketenstarts begünstigen neue Geschäftsmodelle. Im Vordergrund steht dabei die Bereitstellung eines globalen Breitband-Internet-Zugangs, um Funklöcher zu schließen und Schiffe oder Flugzeuge zu versorgen.
Zugleich gewinnt die Technologie an militärischer Bedeutung. Die ukrainische Armee nutzt den Zugriff auf Starlink, um Drohnen im Krieg einzusetzen. Mittelfristig sollen auch Datenzentren im All und eine breitere Erdobachtung hinzukommen.
Kollisionsrisiken und Chemische Spuren
Mit der Zunahme des Verkehrs steigt das Risiko ungeplanter Zusammenstöße drastisch. Da Satelliten oft mit der mehrfachen Geschwindigkeit von Gewehrkugeln unterwegs sind, droht bei Kollisionen die Zerstäubung in Tausende Fragmente, die unkontrolliert weiterkreisen und bestimmte Umlaufbahnen für die Raumfahrt unbrauchbar machen können.
Zudem führt das Verglühen von Altsatelliten beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre zur Ansammlung von Metallstaub. Der deutsche Physiker Karl-Heinz Glaßmeier hat entsprechende Szenarien durchgerechnet und warnt vor einer potenziellen neuen Gefahr für die Ozonschicht, die die Erdoberfläche vor UV-Strahlung schützt.
Internationale regeln gegen den Kollaps
Um diese Risiken einzudämmen, schlagen die Wissenschaftler die Gründung einer neuen internationalen Organisation vor. Diese Institution soll neben Funkfrequenzen auch Erdorbits zuteilen und das Weltraumverkehrsmanagement regeln. Zudem wird ein neuer völkerrechtlicher Vertrag gefordert, der Staaten und private Firmen bindet, während Best Practices gegen Lichtverschmutzung rechtlich verbindlich werden sollen.
Die US-Regierung zeigte bislang wenig Interesse an internationaler Regulierung, weshalb die Leopoldina und die französische Wissenschaftsakademie die Thematik am 5. November 2026 bei einer Veranstaltung in der Französischen Botschaft in Berlin öffentlich diskutierten.
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