Die inhaftierte Theranos-Gründerin Elizabeth Holmes soll im August nächsten Jahres in ein Übergangswohnheim in Texas verlegt werden. Die Entscheidung der US-Bundesgefängnisbehörde fällt in eine Phase erneuter Medienaufmerksamkeit, während in Washington noch ein Gnadengesuch von Holmes vorliegt.
Die Verlegung in das Übergangswohnheim in Del Valle
Elizabeth Holmes, die 2022 zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilte Gründerin des gescheiterten Bluttest-Startups Theranos, steht vor einer Verlegung in den offenen Vollzug. Del Valle ist eine nicht rechtsfähige Gemeinde, die unmittelbar an Austin in Texas grenzt.
Die zuständige US-Bundesgefängnisbehörde äußerte sich mit Verweis auf Sicherheitsrichtlinien zunächst nicht zu Einzelheiten des Aufenthaltsplans. Ein Sprecher erklärte gegenüber Medien, dass entsprechende Details erst nach der tatsächlichen Ankunft an der neuen Einrichtung mitgeteilt werden. Holmes verbüßt ihre Haftstrafe derzeit in einem Minimum-Sicherheitsgefängnis in Bryan, Texas. Durch verschiedene Verkürzungen ist ihr voraussichtliches Entlassungsdatum aus der Haft auf Februar 2030 festgesetzt, wie aus Unterlagen der Behörden hervorgeht.
Einige der Betroffenen reagierten verärgert auf die Aussicht auf Haftmilderung. Alan Eisenman, ein früher Investor und einer der Geschädigten, äußerte gegenüber NBC News sein Unverständnis über die Entwicklung. Er betonte, dass er von den verurteilten Verantwortlichen bisher keine nennenswerten Entschädigungen erhalten habe.
„Seems like a gift.“
Alan Eisenman, Opfer und früher Theranos-Investor
Im Jahr 2022 war Holmes zu elf Jahren und drei Monaten Haft verurteilt worden, nachdem sie Investoren um Hunderte Millionen Dollar betrogen hatte. Gemeinsam mit ihrem Geschäftspartner Ramesh „Sunny Balwani wurde sie zur Zahlung von insgesamt 452 Millionen Dollar an Schadenersatz an zwölf Opfer verurteilt. Ein Bundesrichter hatte im März entschieden, die Strafe leicht zu reduzieren, weil Holmes persönlich kein „substanzielles finanzielles Elendbei den Geschädigten verursacht habe, wie aus Gerichtsakten hervorgeht.
Das anhängige Gnadengesuch und die politische Dimension
Parallel zu den Planungen für das Übergangswohnheim versucht Holmes, über offizielle Kanäle eine Verkürzung oder Aufhebung ihrer Strafe zu erreichen. Bereits im Dezember reichte sie einen formellen Antrag auf Umwandlung ihrer Haftstrafe beim Amt des Bewährungshelfers des US-Justizministeriums ein.

Beobachter und Rechtsexperten verweisen in diesem Zusammenhang auf mögliche politische Absichten hinter den jüngsten öffentlichen Aktivitäten der Gründerin.
Her audience is one person.
Zuletzt fiel Holmes im sozialen Netzwerk X durch kryptische Äußerungen auf. Kurz nach Bekanntwerden der Verlegungspläne teilte sie ein Video des US-Präsidenten und kommentierte es mit den Worten, dass man gewinne. Eine offizielle Verbindung zwischen den Entscheidungen der Justizbehörden und der Regierung gibt es indes nicht. Die Bundesgefängnisbehörde betonte, dass sie individuelle Personalentscheidungen unabhängig von politischen Entwicklungen trifft.
Die filmische Aufarbeitung vor dem Kinostart
Die neuerliche Aufmerksamkeit wird maßgeblich durch ein kommendes Filmprojekt verstärkt. Unter der Regie und Mitarbeit des Komikers Nathan Fielder und des Filmemachers Lance Oppenheim entstand die Dokumentation You Can See Everything
. Das Werk beleuchtet die Wochen vor dem Antritt ihrer Haftstrafe und zeigt Holmes in ihrem direkten Umfeld. Die Produktion feierte kürzlich beim Telluride Film Festival eine Überraschungspremiere und soll im Oktober landesweit in die Kinos kommen.

Während sich die Betroffenen und die Justizbehörden auf die Umsetzung der Haftlockerung im kommenden Jahr vorbereiten, bleibt abzuwarten, wie das Justizministerium über das ausstehende Gnadengesuch entscheidet. Für Holmes bedeutet der Schritt in das Übergangswohnheim in Del Valle den ersten Schritt zurück in die Öffentlichkeit, während die offenen finanziellen Forderungen der geschädigten Investoren weiter ungelöst im Raum stehen.
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