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Technik und Wissenschaft

Eine Billion Schulden: Expertin sieht Parallelen zur KI-Blase

Die fünf grossen Tech-Unternehmen haben laut der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich allein im letzten Jahr eine Billion Dollar Schulden aufgenommen. Professorin Laura Rischbieter sieht in der massiven Verschuldung und dem KI-Boom Parallelen zu historischen Finanzblasen. Ob diese platzt, entscheidet sich in den nächsten vier Jahren.

Billiges Geld, riesige Schuldenberge und ungebrochene Euphorie bestimmen aktuell die Entwicklung der Künstlichen Intelligenz. Für Laura Rischbieter, Professorin für Geschichte des Kapitalismus an der Universität Basel, weist das aktuelle Marktumfeld Parallelen zu früheren Finanzblasen auf. Auf die Frage, ob die KI-Blase platzt, erklärte sie in einem Interview mit Watson, dass es für sie eher die Frage sei, ob sie überhaupt platzt.

Eine Billion Dollar Schulden und kurzfristige Kredite

Aus der Wirtschaftsgeschichte lassen sich klare Voraussetzungen für das Platzen einer Blase ableiten. Ein zentraler Faktor ist das Verhältnis von angehäuften Schulden zu den tatsächlichen Gewinnen von KI-Firmen wie OpenAI oder Anthropic. Laura Rischbieter sagt, dass es an dieser Stelle ziemlich schlecht aussieht. Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich hat errechnet, dass allein die fünf grossen Tech-Unternehmen im vergangenen Jahr eine Billion Dollar an Schulden aufgenommen haben. Diese Summe entspricht dem deutschen Staatshaushalt. Die Konzerne investieren dieses Geld massiv in Rechenzentren und hoffen auf grosse Gewinne, deren Realisierung jedoch fraglich bleibt.

Zudem zeigen sich Parallelen bei der Kreditvergabe am Finanzmarkt. Firmenkredite werden immer kurzfristiger vergeben, während gleichzeitig die Nachfrage nach Kreditausfallversicherungen steigt. Bis vor Kurzem sorgten tiefe Leitzinsen für billiges Geld. Da die Wirtschaft gleichzeitig lahmte, suchten institutionelle Anleger wie Pensionskassen nach Anlagemöglichkeiten. Die Heilsversprechen der KI-Firmen trafen auf diesen Boden, wodurch ein regelrechter Wettlauf und eine Euphorie entstanden sind.

Historische Parallelen und das Vier-Jahres-Fenster für Anthropic und OpenAI

Rischbieter zieht Parallelen zum Eisenbahnboom zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Auch damals handelte es sich um eine teure Technologie mit hohem Infrastrukturbedarf, während die führenden Unternehmen den Bahnausbau gar nicht so schnell vorantreiben konnten wie erhofft. Historisch betrachtet gab es im 19. Jahrhundert sieben Finanzkrisen, während in den letzten 30 Jahren bereits acht gezählt wurden.

Gewisse Entwicklungen wirken derzeit allerdings stabilisierend. KI-Firmen haben sich untereinander Kredite gewährt und langfristige Verträge mit Chipherstellern abgeschlossen. Dies kann laut der Historikerin das Platzen der Blase zwar nicht verhindern, aber zumindest die Auswirkungen abmildern und zu einer Marktbereinigung führen. Ein Worst-Case-Szenario droht hingegen, wenn weltweit Banken und branchenübergreifende Investoren in grossem Stil investiert haben und sich die Entwicklung zu einer umfassenden Krise auswächst.

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Clara Vogt

Über den Autor

Clara Vogt verantwortet das Ressort Technik und Wissenschaft. Sie schreibt ueber KI, Digitalisierung, Forschung und Innovation und uebersetzt komplexe Entwicklungen in klaren, belastbaren Journalismus.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.