Nach den US-Zwischenwahlen geraten Betreiber von Rechenzentren unter Druck, da in zahlreichen US-Kommunen und Bundesstaaten über Beschränkungen beim Bau solcher Anlagen abgestimmt wurde. Nach Angaben der Plattform Ballotpedia stimmten Wähler in dutzenden Kommunen über den Ausbau ab, wobei die Gegner in sämtlichen ausgezählten Fällen die Oberhand behielten.
Wahlerfolge der Demokraten und lokale Moratorien in Texas, Ohio und Georgia
Besonders im Bundesstaat Texas, der sich zum Epizentrum der KI-Entwicklung gemausert hat, könnte der Boom ins Stocken geraten. Dort setzte sich die Demokratin Gina Hinojosa bei den Gouverneurswahlen gegen den bisherigen Amtsinhaber Greg Abbott durch, wie unter anderem die Nachrichtenplattform Trending Topics berichtet. Hinojosa is the first Democrat to lead Texas in more than 30 years and campaigned on a pledge to temporarily halt the construction of new data centers until stricter regulations take effect.

In den Bundesstaaten Texas, Georgia und Ohio setzten sich Demokraten durch, und die Regionen haben sich zu Magneten für Firmen entwickelt, die Rechenzentren für künstliche Intelligenz aufbauen wollen. Zuvor hatte der republikanische Gouverneur Greg Abbott im September verfügt, dass die Ausstellung neuer Betriebsgenehmigungen für Rechenzentren ruhen müsse, bis die Folgen für die Wasser- und Stromversorgung eingehend analysiert worden sind. Im Wahlkampf hatte die demokratische Herausforderin Gina Hinojosa einen befristeten Aufschub für neue Genehmigungen von Rechenzentren gefordert, bis verbindlichere Schutzstandards für die Bürgerinwohner etabliert sind. Heather West, Leiterin der Geotechnologie-Praxis beim Beratungsunternehmen Eurasia Group, sagte, dass mehrere Bundesstaaten, vor allem Texas, Ohio und Georgia, nun Gouverneure haben, die Rechenzentren offen skeptisch sehen, und diese Staaten fast die Hälfte des US-KI-Rechenzentrumsbooms beherbergen. Sie fügte hinzu, dass Rechenzentren zwar nicht den Ausschlag für das Wahlverhalten der Wählermehrheit gaben, dem Streitpunkt um die Lebenshaltungskosten jedoch ein greifbares, ortsnahes Gesicht verliehen und spürbar Wähler mobilisieren konnten.
Nach Angaben der auf Wahldaten spezialisierten Plattform Ballotpedia standen am Wahltag 41 kommunale Abstimmungsvorlagen in zehn Bundesstaaten zur Entscheidung, von denen 28 auf zusätzliche Beschränkungen für Rechenzentren zielten, während die übrigen 13 entsprechende Bauvorhaben erleichtern oder bereits geplante Projekte politisch unterstützen sollten. Zur Auswahl standen dabei Vorhaben, die von totalen Errichtungssperren und befristeten Baustopps bis hin zu Anpassungen des Baurechts sowie erweiterten Mitbestimmungsrechten der Anwohnerschaft reichten. In Ohio konnten die Bürger über 21 Vorlagen mit Bezug zu Rechenzentren abstimmen, wobei der Bundesstaat in den vergangenen Jahren zu einem wichtigen Standort für Cloud-Infrastruktur und KI-Rechenzentren geworden ist und Unternehmen wie Meta, Amazon und Google dort Milliardenbeträge in neue Anlagen investieren. In Ohio lehnten Wähler Rechenzentren entschieden ab, und in 15 Gemeinden wurden Verbote oder andere Beschränkungen beschlossen, während Meta plant, eine Milliarde Dollar für den Bau eines Rechenzentrums in Ohio auszugeben, und Amazon Web Services dort zwei Milliarden Dollar investieren will.

Bereits im Laufe des Jahres hatten mehrere Gemeinden entsprechende Maßnahmen beschlossen, wobei im kalifornischen Monterey Park ein Bauverbot im Juni mit mehr als 88 Prozent Zustimmung angenommen wurde und in Canterbury im Bundesstaat New Hampshire im März knapp 84 Prozent der Wähler gegen die Ansiedlung solcher Anlagen votierten. Laut einer Übersicht der US-Wahlenzyklopädie Ballotpedia haben bei 37 von insgesamt 41 Abstimmungen teils deutliche Mehrheiten für ein Moratorium, ein Verbot oder andere Vorgaben gestimmt, die den Bau von Rechenzentren erschweren oder ganz verhindern. Vor den Midterms stimmten Menschen in fünf Kommunen aus vier US-Bundesstaaten ebenfalls über Anträge zu Rechenzentren ab, wobei sich ausnahmslos jene Seite durchsetzte, die deren Errichtung verhindern wollte, und die entsprechenden Abstimmungen bei den Midterms vor allem in Illinois und Ohio stattfanden. Die höchste Bürgerbeteiligung verzeichnete dabei Bloomington in Illinois, wo knapp 22.000 Menschen und damit 78 Prozent der Wähler in einem unverbindlichen Votum dafür plädierten, der Stadtverwaltung einen Baustopp für großflächige Rechenzentren nahezzulegen.
Die kritische Haltung zieht sich durch sämtliche politischen Lager, und das staatliche Lawrence Berkeley National Laboratory prognostiziert, dass der Strombedarf von Rechenzentren in den Vereinigten Staaten bis zum Jahr 2030 auf 9,5 bis 15,3 Prozent ansteigen könnte. Der Widerstand speist sich vor allem aus Sorgen vor steigenden Stromrechnungen, Umweltbelastungen, hohem Wasserverbrauch und der Beanspruchung großer Flächen, wobei Kritiker zudem bezweifeln, dass die vergleichsweise wenigen dauerhaften Arbeitsplätze die staatlichen Steuervergünstigungen und Infrastrukturkosten rechtfertigen. Nach Exit-Polls von NBC News und SSRS nannten nur 56 Prozent der befragten Wähler KI und Rechenzentren als entscheidenden oder wichtigen Faktor für ihre Wahlentscheidung, womit das Thema auf dem letzten Platz der fünf abgefragten Themen landete, während den Wählern Korruption in der Regierung mit 90 Prozent, Lebenshaltungskosten mit 89 Prozent, der Iran-Krieg mit 74 Prozent und die Durchsetzung der Einwanderungspolitik mit 73 Prozent deutlich wichtiger waren.
👨💻 THREAD on how data center-related ballot measures are faring tonight data centers are on the ballot in ~40 localities across 13 states, including proposed bans, votes on specific projects, and recalls of pro-data center politicians
Finanzmärkte reagieren mit Kursverlusten bei Tech- und Energieaktien
Die veränderte politische Großwetterlage hinterlässt an den Börsen deutliche Spuren. Das in Texas stark engagierte Unternehmen Cipher Mining verzeichnete nach den Wahlen einen Kursrutsch von 17 Prozent, wie die Finanzplattform Investing.com meldete, nachdem Anleger die Aussichten für die Entwicklung von KI-Rechenzentren in Texas nach dem Sieg von Gina Hinojosa neu bewerteten. Laut Einschätzung der Investmentbank Cantor Fitzgerald drohen durch das Wahlausgang spürbare Verzögerungen für den nächsten zentralen Wachstumsschub von Cipher sowie Verlagerungen von Neuinvestitionen in andere US-Bundesstaaten, während das Analysehaus TeraWulf, Hut 8 und Keel Infrastructure als potenzielle Nutznießer nannte. Da der Expansionskurs von Cipher fast vollständig auf Texas ausgerichtet ist, reagiert das Unternehmen besonders sensibel auf Reformen bei Genehmigungsverfahren und Regulierungen des Strommarktes.
Auch andere auf Energie und Infrastruktur spezialisierte Aktien gerieten unter Druck. Laut Tikr fiel die Aktie von Bloom Energy um 8 Prozent, als KI-Aktien nach dem Sieg der Demokraten bei den Wahlen verkauft wurden, und Lumentum sowie MARA Holdings fielen ebenfalls mit. Datenzentrumsunternehmen fielen noch stärker als Zeichen dafür, dass Anleger befürchten, dass weniger Rechenzentren gebaut werden, was auch Bloom schaden würde. MARA Holdings fiel um 4 Prozent zusammen mit anderen Bitcoin-Minern, nachdem Keefe Bruyette zwei ihrer Mitbewerber herabgestuft hatte, während die Auftragnehmer Quanta Services um 13 Prozent und Comfort Systems USA um 17 Prozent fielen. Der Auftragsbestand von Quanta erreichte am 30. September einen Rekordwert von 63,7 Milliarden Dollar. Analysten erwarten, dass der normalisierte Gewinn pro Aktie von Bloom Energy von 0,76 Dollar im Jahr 2025 auf 8,24 Dollar im Jahr 2028 steigen wird.

An der Börse zeigte sich die Nervosität bereits am Mittwoch, als die Aktien von Applied Digital und CoreWeave zeitweise um 5,3 Prozent verloren und es bei Cipher Digital sogar um mehr als 14 Prozent nach unten ging. Investoren befürchten, dass strengere Regulierungen und kommunale Baustopps die Nachfrage dämpfen könnten, doch Kunden hinterlegen auch weiterhin Anzahlungen, die zum 30. September bei 661,4 Millionen Dollar lagen, gegenüber 78,2 Millionen Dollar Ende 2025.
Auswirkungen auf den Kongress und die globale Wettbewerbsposition
US-Präsident Donald Trump hat seit seinem Amtsantritt auf verbindliche KI-Regeln verzichtet und darauf gesetzt, dass sich die Branche selbst reguliert, und mit seinem KI-Aktionsplan im Juli 2025 Umweltprüfungen für bestimmte Rechenzentren gestrichen und Behörden nach Vorschriften suchen lassen, die die KI-Entwicklung bremsen. Trump sagte damals: „Wir müssen dieses Baby wachsen und gedeihen lassen.

Für Vorhaben ohne gültige Umweltfreigabe drohen zeitliche Rückschläge von 12 bis 18 Monaten, weshalb Ausweichbewegungen in Bundesstaaten wie Louisiana oder Oklahoma in Betracht gezogen werden könnten. In New York kündigte Gouverneurin Kathy Hochul an, dass die Umweltbehörde bis zu ein Jahr lang keine neuen Genehmigungen ausstellt, während der Staat Umweltstandards für die Branche erarbeitet, und will zudem die Befreiung großer Rechenzentren von der Umsatzsteuer abschaffen, da es ihre Verantwortung sei zu handeln, wenn der Bau von Rechenzentren die Stromrechnungen in die Höhe zu treiben droht.