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Welt

Dokumentarfilm Naza über KI im Gazastreifen spaltet Israel

Der Dokumentarfilm «Naza» von Yuval Abraham und Rachel Szor beleuchtet die israelische Kriegsführung und den Einsatz von KI-Zielsystemen im Gazastreifen.

Der Film „Naza“ sorgt seit seiner Uraufführung beim Filmfestival in Venedig international und besonders in Israel für politische Turbulenzen. Die Regisseure Yuval Abraham und Rachel Szor präsentieren in dem Werk Einblicke in die militärische Zielplanung im Gazastreifen. Die Dokumentation stützt sich unter anderem auf Aussagen von 24 anonymen ehemaligen Soldaten und Geheimdienstmitarbeitern, die über den Einsatz von Künstlicher Intelligenz und automatisierten Systemen bei Luftangriffen berichten. Der Titel des Films leitet sich von dem hebräischen Militärbegriff Nezek Agavi ab, der im Jargon für Kollateralschäden steht.

Bei den Internationalen Filmfestspielen von Venedig erhielt der 80-minütige Dokumentarfilm den Sonderpreis der Jury und wurde von langem Beifall begleitet. Die britische Tageszeitung «The Guardian» wirkte an der Koproduktion mit, wobei zahlreiche Rechercheergebnisse der Zeitung als Grundlage für das Projekt dienten. Geplant ist, dass der Film nach dem Kinostart im Herbst 2026 auf der Website der britischen Zeitung kostenlos zugänglich gemacht wird. Vor der Veröffentlichung und dem Start im Kino gab es im Vorfeld bereits Vorführungen auf verschiedenen Festivals wie dem Zurich Film Festival.

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Reaktionen der israelischen Regierung und Gesetzesvorhaben

In Israel stieß die Veröffentlichung auf scharfe Ablehnung durch die Regierung. Premierminister Benjamin Netanjahu und seine Minister denunzierten die Filmschaffenden scharf und stellten das Werk als verräterischen Angriff auf den Staat und die Streitkräfte dar. Kurz nach der Premiere kündigte die Regierung zwei Gesetzesvorhaben an. Einer der Entwürfe sieht vor, Personen die israelische Staatsbürgerschaft zu entziehen, wenn sie israelische Soldaten im Ausland verleumden.

Die politischen Reaktionen gingen mit intensiven Kontroversen im Land einher. Während in Israel kein Verleih für das Werk gefunden wurde, formierte sich gleichzeitig breite Unterstützung aus der heimischen Kulturbranche. Tatsächlich kam es zu Spannungen, als rechtsgerichtete Aktivisten vor dem Elternhaus der Regisseurin Rachel Szor protestierten und lautstark Parolen skandierten.

Dokumentarfilm Naza über KI im Gazastreifen spaltet Israel
Foto: WELT

Kritik der Streitkräfte an Darstellungen und Quellenschutz

Die Israelischen Verteidigungskräfte (IDF) wiesen die Vorwürfe des Films in einer ausführlichen Stellungnahme entschieden zurück. Das Militär erklärte, die Darstellung beruhe auf erheblichen sachlichen Fehlern und einer verfälschten Realität. Zudem wurde kritisiert, dass die Macher die Abläufe der Zielplanung verkürzt dargestellt, die anonym gebliebenen Aussagen nicht ausreichend überprüft und wesentlichen Kontext des Krieges ausgelassen hätten. Nach Angaben der Armee bezogen sich die anonymen Gesprächspartner lediglich auf frühe und begrenzte Schritte eines wesentlich umfangreicheren Prüfverfahrens. Die IDF betonte, dass vor jedem Einsatz eine eigenständige Verhältnismäßigkeitsprüfung stattfinde und Pläne bei erwarteten zivilen Opfern regelmäßig geändert oder abgesagt würden.

Die IDF hat niemals einen Angriff im Gazastreifen geplant, genehmigt oder durchgeführt, bei dem erwartet wurde, dass 500 Zivilisten oder auch nur annähernd so viele getötet werden.

Israelische Streitkräfte (IDF), offizielle Stellungnahme

Das Militär rügte zudem, dass den Verantwortlichen vor der Veröffentlichung keine Möglichkeit zur Stellungnahme gegeben worden sei und auch im Nachhinein keine vollständige Kopie des Films zur Verfügung gestellt wurde. Die im Film erhobenen Anschuldigungen blieben zu allgemein, da weder konkrete Angriffsziele, genaue Daten, konkrete Orte noch belastbare Opferzahlen genannt würden. Auch die Behauptung, es habe feste Schwellenwerte für zulässige zivile Opfer gegeben, wurde von der Armeeführung zurückgewiesen.

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Internationale Veröffentlichung und gesellschaftliche Spaltung

Die Debatte um das Werk reicht weit über die politische Führung hinaus. Während der Film bei seiner Premiere in Venedig mit minutenlangen Ovationen gefeiert wurde und den Sonderpreis der Jury erhielt, ist er in Israel auf heftigen Widerstand gestoßen. Die internationale Auswertung läuft über den Guardian, der als Koproduzent auftrat und ankündigte, die Dokumentation nach dem weltweiten Kinostart ab November 2026 frei zugänglich auf seiner Website zu streamen.

In der öffentlichen Wahrnehmung prallen damit völlig unterschiedliche Sichtweisen aufeinander. Während Kritiker im Inland das Werk als schädlich und verzerrend empfinden, sehen die Befürworter darin einen wichtigen Beitrag zur Aufarbeitung militärischer Abläufe. Die Diskussion berührt grundlegende Fragen über den Umgang mit Kritik, die Rechte von Medienschaffenden und die Grenzen der Meinungsfreiheit in krisengeschüttelten Gesellschaften.

Dokumentarfilm Naza über KI im Gazastreifen spaltet Israel
Foto: Jüdische Allgemeine
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Anna Richter

Über den Autor

Anna Richter leitet das Weltressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet ueber internationale Politik, Diplomatie und geopolitische Entwicklungen mit Fokus auf Kontext, Verlaesslichkeit und Relevanz fuer deutschsprachige Leser.

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