Die Stadträtin Nithya Raman liegt bei der Bürgermeisterwahl in Los Angeles nach der Auszählung der jüngsten Stimmen in Führung und steht laut einer Prognose von Decision Desk HQ vor einem Sieg über die amtierende Bürgermeisterin Karen Bass, berichtet The Guardian. Sollte sich dieser Vorsprung halten, würde eine demokratische Sozialistin die Führung der zweitgrößten Stadt der Vereinigten Staaten übernehmen und die vierjährige Amtszeit von Bass beenden. Nach Angaben des Wahlleiters des Los Angeles County führte Raman am Mittwochnachmittag mit 51,67 % der Stimmen gegenüber 48,33 % für Bass, was einem Vorsprung von 26.124 Stimmen entspricht.
Eine Zäsur für das politische Establishment
Der Wahlkampf zwischen den ehemaligen Verbündeten, die beide erklärten, dies sei ihre jeweils letzte Kandidatur, hat die politische Hierarchie der Stadt erschüttert. Während Bass von der etablierten politischen Klasse unterstützt wurde, konnte Raman insbesondere bei jüngeren Wählern punkten. Kurt Petersen, Co-Vorsitzender der Gewerkschaft UNITE Here Local 11, beschrieb die Dynamik der Wahl als „einen Monsun, ein Erdbeben, eine Einebnung, eine Umstrukturierung“. Obwohl sich zahlreiche Mitglieder des Stadtrats hinter Bass stellten, folgte ein Großteil der Wählerschaft dieser Empfehlung nicht, so Petersen.
Die Auszählung der Stimmen nach dem Wahltag hat sich stetig zugunsten von Raman entwickelt. Experten führen dies auf eine stärkere Beteiligung jüngerer, progressiver Wähler zurück. Daten von Political Data Inc. bestätigen, dass der Anteil der abgegebenen Stimmen von Wählern im Alter zwischen 18 und 34 Jahren auf 21,9 % gestiegen ist, verglichen mit 18,4 % im Jahr 2022. Der politische Analyst Dan Schnur bewertet das Wahlergebnis als Spiegelbild einer tiefgreifenden „Generationenkluft“ in der Stadt.
Herausforderungen und verbleibende Unsicherheiten
Die Amtszeit von Karen Bass war von Herausforderungen wie Waldbränden, Arbeitsplatzverlusten in Hollywood und anhaltender Kritik an der städtischen Verwaltung bei der Bewältigung der Obdachlosigkeit sowie der Instandhaltung der Infrastruktur geprägt. Bass verteidigte ihre Bilanz und verwies auf ihre Bemühungen, zehntausende Menschen in Übergangswohnungen unterzubringen, sowie auf sinkende Kriminalitätsraten. Sie machte zudem Kürzungen der staatlichen Finanzierung und die allgemeine wirtschaftliche Lage für die schwierige Situation verantwortlich.

Trotz des Vorsprungs von Nithya Raman bleibt der offizielle Ausgang des Rennens formal noch offen, da die Auszählung der Briefwahlunterlagen andauert. Der ehemalige Stadtrat Zev Yaroslavsky merkte an, dass Bass zwar einen schwierigen Weg vor sich habe, um den Rückstand aufzuholen, das Ergebnis jedoch erst mit der offiziellen Bestätigung endgültig feststehe. Die Wahlbehörden verarbeiten die Stimmen rund um die Uhr. Poststempel bis zum Wahltag werden berücksichtigt, sofern sie innerhalb von sieben Tagen eingehen. Die endgültigen Ergebnisse werden für den 27. November erwartet, wenngleich eine Entscheidung schon früher deutlich werden könnte.
Sollte Raman die Wahl gewinnen, stünde sie vor der Aufgabe, eine Verwaltung aufzubauen und ihre Versprechen hinsichtlich der städtischen Betriebsabläufe umzusetzen. „Los Angeles ist an einem Wendepunkt, und die Menschen spüren das auf grundlegendste Weise“, erklärte Raman bereits bei ihrer Ankündigung im Februar. Ihr Ziel sei es, das Vertrauen in die Arbeit des Rathauses wiederherzustellen.
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