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Welt

Die Europäische Staatsanwaltschaft (EPPO) hat nach zwei verheerenden Zugunglücken in Spanien

Die Europäische Staatsanwaltschaft (EPPO) hat nach zwei verheerenden Zugunglücken in Spanien Ermittlungen wegen des Verdachts auf Betrug mit EU-Mitteln aufgenommen. Die Behörde prüft die Verwendung von Geldern, die für die Instandhaltung, Renovierung und Verbesserung der Sicherheit sowie der Signal- und Kommunikationssysteme der Hochgeschwindigkeitsstrecke Madrid–Sevilla vorgesehen waren. Razzien wurden in den Zentralen des Schienennetzbetreibers Adif, der Eisenbahnsicherheitsagentur AESF sowie beim spanischen Rechnungshof durchgeführt.

Chronik zweier Katastrophen

Das Hochgeschwindigkeitsnetz, das Spanien einst als Symbol seiner Modernisierung präsentierte, ist durch zwei schwere Katastrophen innerhalb von neun Monaten erschüttert worden. Am 18. Januar 2026 kamen bei einem Zusammenstoß zweier Hochgeschwindigkeitszüge nahe der andalusischen Stadt Adamuz 46 Menschen ums Leben. Die EPPO hatte bereits im März bestätigt, dass sie in diesem Fall wegen Unregelmäßigkeiten bei EU-Förderungen ermittelt. Am 28. Oktober 2026 folgte ein weiteres Unglück nahe der Gemeinde Urda, etwa 130 Kilometer südlich von Madrid, als ein Renfe-Zug auf einen stehenden Zug des privaten Betreibers Iryo auffuhr. Hierbei starben 69 Menschen – 40 Männer und 29 Frauen. Alle Opfer wurden inzwischen identifiziert; darunter waren 54 spanische Staatsangehörige, vier US-Bürger, je zwei japanische und australische Staatsbürger sowie Reisende aus Kanada, Frankreich, Tschechien, Portugal, Argentinien, Mexiko und Tunesien.

Politische Erschütterungen

Die Unglücksserie hat die Regierung von Ministerpräsident Pedro Sánchez in eine tiefe Vertrauenskrise gestürzt. Verkehrsminister Óscar Puente, der für sein Management der Bahnkrise und seine Kommunikation in sozialen Netzwerken scharf kritisiert wurde, kündigte am 3. November 2026 seinen Rücktritt an. Er hatte zuvor im Parlamentsausschuss in Madrid erklärt, er werde bei der vorgezogenen Parlamentswahl am 29. November nicht mehr als Spitzenkandidat antreten. Die Opposition wirft der Regierung vor, dass der Ausbau des Netzes – für den seit 1992 über 60 Milliarden Euro investiert wurden, teilweise kofinanziert durch die EU – nicht mit der notwendigen Instandhaltung und Personalschulung Schritt gehalten habe. Während EU-Länder im Schnitt rund 190 000 Euro pro Schienenkilometer für Wartung ausgeben, sind es in Spanien laut Berichten nur etwa 96 000 Euro.

Die Europäische Staatsanwaltschaft (EPPO) hat nach zwei verheerenden Zugunglücken in Spanien
Foto: NZZ

Systemische Fragen und Sicherheitsbedenken

Die Ermittlungen zum Unglück von Urda konzentrieren sich auf den Ausfall des Zugsicherungssystems LZB und mögliche Fehler bei den Anweisungen aus dem Kontrollzentrum. Während die Regierung kurz nach dem Unglück ein Hilfspaket von 30 Millionen Euro für Opfer und Angehörige verabschiedete, warnen Gewerkschaften und Experten seit längerem vor Sicherheitsrisiken durch Überlastung. Seit der Liberalisierung des Marktes Ende 2020 hat sich die Zahl der Reisenden auf den Hochgeschwindigkeitsstrecken rasant erhöht – 2025 nutzten rund 45 Millionen Fahrgäste das Netz, doppelt so viele wie im Jahr 2019.

Die Katastrophe traf auch Reisende verschiedenster Herkunft und Profession. Unter den Opfern befand sich die preisgekrönte Komponistin Marisa Manchado (70). Die Leichtathletin Julieta Gallego (24) wurde vom Königlichen Spanischen Leichtathletikverband (RFEA) als verstorben bestätigt. Der spanische Fernsehreporter Raul Trigero (43) wird seit dem Unglück vermisst. Der Lokführer des Zuges 2080, Antonio Acedo (36), zog laut Medienberichten in den letzten Sekunden seines Lebens die Notbremse, um die Auswirkungen des Aufpralls zu minimieren.

Die Europäische Staatsanwaltschaft (EPPO) hat nach zwei verheerenden Zugunglücken in Spanien
Foto: Der Standard

Zukunft der Infrastruktur

Die spanische Regierung hat angekündigt, die Personalstärke in Kontrollzentren zu erhöhen und Arbeitsbedingungen zu verbessern. Zudem soll der Einsatz des digitalen Zugsicherungssystems ETCS beschleunigt werden, das den europäischen Bahnverkehr vereinheitlichen und sicherer gestalten soll. Dennoch bleibt die politische Stimmung angespannt. Gewerkschaften halten an ihren Plänen für einen Generalstreik fest, und die Debatte über die Sicherheit des AVE-Netzes – einst der Stolz der Nation – überschattet den laufenden Wahlkampf.

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Anna Richter

Über den Autor

Anna Richter leitet das Weltressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet ueber internationale Politik, Diplomatie und geopolitische Entwicklungen mit Fokus auf Kontext, Verlaesslichkeit und Relevanz fuer deutschsprachige Leser.

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