Führende Wirtschaftsforschungsinstitute haben ihre Prognose für das deutsche Bruttoinlandsprodukt im laufenden Jahr überraschend deutlich auf 1,3 Prozent angehoben. Der Aufschwung wird vor allem von Exporten und einem globalen KI-Boom angetrieben, steht laut der aktuellen Herbstprognose jedoch auf einem sehr schmalen Fundament.
Die deutsche Wirtschaft hat ihre winterliche Talsohle offiziell durchschritten und steuert auf ein spürbar besseres Jahresergebnis zu als noch im Frühjahr prognostiziert. Führende Institute korrigierten ihre Erwartungen für das Bruttoinlandsprodukt im Jahr 2026 von zuvor rund 0,6 Prozent auf nunmehr 1,3 Prozent nach oben. Getragen wird diese Belebung vor allem durch eine unerwartet kräftige Dynamik im Außenhandel und im verarbeitenden Gewerbe. Wie das neue Herbstgutachten zeigt, fällt der befürchtete Energiepreisschock infolge des Iran-Kriegs deutlich milder aus als ursprünglich befürchtet.
Exportstärke, KI-Boom und abgedämpfte Krisenfolgen
Hinter der höheren Wachstumsrate stehen mehrere konkrete Impulse. Nach drei Jahren mit sinkenden Ausfuhren verzeichnen die Exporte in diesem Jahr ein deutliches Plus von voraussichtlich 3,8 Prozent, wie das Kiel Institut für Weltwirtschaft in seiner Analyse darlegt. Zudem profitierten einige Branchen temporär von kriegsbedingten Lieferschwierigkeiten asiatischer Wettbewerber. Auch der weltweite Boom rund um Künstliche Intelligenz sorgt für Rückenwind, während die höheren Kraftstoff- und Heizölpreise sich bislang kaum auf die breiten Verbraucherpreise ausgewirkt haben.
Dennoch bleibt die konjunkturelle Erholung anfällig. Rund 0,3 Prozentpunkte des diesjährigen BIP-Anstiegs entfallen schlicht auf eine höhere Zahl an Werktagen. Zudem bremst anhaltendes Niedrigwasser im Rhein die Wirtschaftsleistung im dritten Quartal um schätzungsweise 0,2 Prozent, weshalb für die Sommermonate lediglich ein minimales Plus von 0,1 Prozent erwartet wird.
„Der Aufschwung steht jedoch auf einem schmalen Fundament, denn hohe Energiepreise und Strukturprobleme belasten.“
Strukturelle Defizite und steigende Staatsschulden bis 2028
Trotz der verbesserten kurzfristigen Zahlen warnen die Ökonomen vor allzu großer Euphorie. Die strukturellen Schwächen des deutschen Wirtschaftsstandorts wirken fort. Während der weltweite Warenhandel seit 2019 um rund 18 Prozent gestiegen ist, dümpeln die deutschen Warenexporte weiterhin auf dem Niveau von vor sieben Jahren herum. Das führt zu anhaltenden Verlusten bei den globalen Marktanteilen.
Die öffentlichen Finanzen geraten unterdessen zunehmend unter Druck. Das Budgetdefizit steigt nach Berechnungen der Forscher von 3,0 Prozent im Jahr 2025 auf voraussichtlich 4,3 Prozent im Jahr 2028. Auch die Staatsausgabenquote klettert von 50,2 auf 52 Prozent, während der Schuldenstand auf rund 68,5 Prozent anwächst. Staatliche Impulsprogramme wie die schuldenfinanzierten Töpfe für Infrastruktur und Rüstung stützen zwar die aktuelle Konjunktur, laufen in den kommenden Jahren jedoch aus.
| Wirtschaftskennzahl | 2026 (Prognose) | 2027 (Prognose) | 2028 (Prognose) |
|---|---|---|---|
| BIP-Wachstum | 1,3 Prozent | 1,1 Prozent | 0,4 Prozent |
| Inflationsrate | 2,7 Prozent | 2,7 Prozent | 1,9 Prozent |
| Arbeitslosenquote | 6,3 Prozent | 6,2 Prozent | 6,0 Prozent |
| Exportwachstum | 3,8 Prozent | 2,4 Prozent | 1,0 Prozent |
Ausblick auf 2027 und politische Risiken am Arbeitsmarkt
Für das kommende Jahr rechnen die Institute mit einem moderaten Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts von 1,1 Prozent, gestützt durch einen sich langsam belebenden privaten Konsum und einen anziehenden Wohnungsbau. Im Jahr 2028 verliert die Expansion an Tempo und fällt auf ein Wachstum von lediglich 0,4 bis 0,5 Prozent zurück.

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