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Bundespolizeibehörden haben am Sonntag eine 34-jährige Immobilienmaklerin aus Irvine am Los Angeles International Airport festgenommen und ihr vorgeworfen, als nicht registrierte ausländische Agentin für China tätig gewesen zu sein, nachdem sie angeblich den in den USA lebenden Sohn des taiwanischen Präsidenten observiert hatte.
Wanying Zhang, die auch unter dem Namen Heather bekannt ist, wurde am 4. Oktober 2026, wenige Augenblicke vor dem geplanten Boarding eines Fluges nach Shanghai, nach Angaben von Bundesbehörden in Gewahrsam genommen. Der stellvertretende Chefankläger der USA (First Assistant U.S. Attorney) Bill Essayli gab die Festnahme in den sozialen Medien bekannt und führte aus, dass die Bewohnerin Südkaliforniens angeblich eine verdeckte Überwachungsoperation koordiniert hatte, die auf die Familie des taiwanischen Präsidenten Lai Ching-te abzielte.
Die Überwachungsaktion in Seattle und die Vorwürfe der Bundesanwaltschaft
Nach Angaben der Bundesstaatsanwaltschaft und des FBI reiste Zhang im September 2025 gemeinsam mit einer als Person 1 bezeichneten Begleitperson von Las Vegas nach Seattle. Dort mieteten die beiden Verdächtigen einen schwarzen Geländewagen des Typs Nissan Rogue an und postierten sich in der Nähe des Wohnhauses der Zielperson. Bei dem Ziel handelt es sich um Ting-Yu Lai, einen in den Vereinigten Staaten lebenden Ingenieur, der für den niederländischen Elektronikkonzern Philips arbeitet und der Sohn des taiwanischen Präsidenten ist.

Sicherheitskameras einer Nachbarschaft hielten fest, wie sich die Insassen des Fahrzeugs rasch aufrichteten und ihre Mobiltelefone hoben, als der Sohn des Präsidenten zusammen mit seiner Frau und seinem Kind an der Adresse eintraf.
FBI-Sonderagent Kevin Holt erklärte in den Gerichtsdokumenten, dass Zhang ihren Sitz verstellte und sich offenbar verborgen hielt, während ihre Begleitperson Aufnahmen anfertigte.
In den folgenden Tagen tauschten die Beteiligten über AirDrop Fotos und Kennzeichendaten aus. Laut den Ermittlungen hatte Zhang den Auftrag bereits im Juni 2025 während einer Reise nach China in einem privaten Raum in Changsha erhalten, nachdem sie von einer früheren Studienkollegin an der Universität für Internationale Beziehungen in Peking mit einem Regierungsverantwortlichen zusammengebracht worden war. Diese Hochschule wird in den Akten mit dem Ministerium für Staatssicherheit in Verbindung gebracht.
Die Vorwürfe gegen Zhang fügen sich in eine Reihe von Ermittlungsverfahren ein, bei denen Personen beschuldigt werden, im Auftrag der Regierung in Peking verdeckt agiert zu haben. Bundesanwälte verwiesen unter anderem auf den Fall von Shujun Wang, der im Jahr 2024 verurteilt wurde, nachdem er über 17 Jahre lang eine in New York ansässige pro-demokratische Gruppe ausspioniert und Informationen an das chinesische Ministerium für Staatssicherheit weitergeleitet haben soll. Ebenso nannte das Justizministerium die Fälle von Personen wie der ehemaligen Bürgermeisterin von Arcadia, Eileen Wang, und Yaoning Sun, die sich zuvor schuldig bekannt hatten, als illegale Agenten für Peking aufgetreten zu sein.
Reaktionen aus Taipeh, Washington und Peking
Die Regierung in Taiwan reagierte scharf auf die Festnahme und stufte den Vorfall als klassischen Fall transnationaler Unterdrückung ein. Karen Kuo, Sprecherin des Präsidialamtes in Taipeh, dankte den US-Justizbehörden für den Schutz taiwanischer Bürger und verurteilte die Aktion als barbarische Akte, wie die Malay Mail berichtete.

Taiwanische Stellen wiesen zudem auf neuere gesetzliche Regelungen in Festlandchina hin, die auch außerhalb der Landesgrenzen Gültigkeit beanspruchen sollen und nach Ansicht von Kritikern das Risiko für Oppositionskräfte und im Ausland lebende Personen erhöhen.
FBI-Direktor Kash Patel warnte ausländische Akteure vor weiteren Operationen auf amerikanischem Boden und erklärte, die Vereinigten Staaten seien kein sicherer Ort für solche Aktivitäten. Senator Rick Scott schloss sich dieser Einschätzung an und betonte, dass der Vorfall die Bedrohung der nationalen Sicherheit verdeutliche.

FBI-Sonderagent Kevin Holt erklärte laut CBS News: „Falls die Volksrepublik China während eines potenziellen Konflikts Hebelwirkung gegenüber dem Präsidenten Taiwans erlangen möchte, könnten der Aufenthaltsort und Fotos von nahen Angehörigen eines hochrangigen taiwanischen Regierungsbeamten, einschließlich Aufnahmen ihrer Häuser und Autos, für die Volksrepublik China nützlich sein.
Auf US-amerikanischer Seite werteten Politiker den Fall als Beleg für anhaltende Infiltrationsversuche. Senator Rick Scott erklärte auf der Plattform X, die Vorkommnisse seien ein Beweis dafür, dass die nationale Sicherheit bedroht werde. Bundesstaatsanwalt Essayli wies zudem darauf hin, dass Zhang es versäumt hatte, das Justizministerium gemäß den gesetzlichen Bestimmungen als Agentin einer ausländischen Macht zu registrieren. Aus Peking gab es zunächst keine offizielle Bestätigung; die Regierung in Beijing hatte vergleichbare Vorwürfe in der Vergangenheit wiederholt als haltlose Anschuldigungen zurückgewiesen.
Das juristische Verfahren und der weitere Zeitplan
Aus den vorliegenden Berichten und den Akten der Staatsanwaltschaft geht hervor, dass ihr vorgeworfen wird, als unregistrierte Agentin der Volksrepublik China gehandelt zu haben, ohne jemals die Generalstaatsanwaltschaft über ihre Tätigkeiten für eine ausländische Regierung unterrichtet zu haben. Ob sie sich in dem Verfahren durch einen Rechtsbeistand vertreten lässt, blieb zunächst offen.
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