Zum Schulstart fordert Caritas-Direktor Klaus Schwertner mehr Tempo bei der Inklusion von Kindern mit Behinderung in Wien. Er kritisiert veraltete Fördersponsoren, fehlende Kindergartenplätze und fordert verlässliche Rahmenbedingungen sowie Planungssicherheit für ein elftes und zwölftes Schuljahr ab 2027.
Der Wiener Caritas-Direktor Klaus Schwertner hat zu Beginn des neuen Schuljahres ein rasches Umsteuern in der Bildungspolitik gefordert. In einem Beitrag auf der Social-Media-Platform Bluesky kritisierte er, dass das Versprechen auf Bildung und gesellschaftliche Teilhabe für viele Kinder mit Behinderung nach wie vor nicht eingelöst worden sei.
Sonderpädagogische Förderung und Reformbedarf beim Budget
Ein zentraler Kritikpunkt betrifft die sonderpädagogische Förderung (SPF). Nach Angaben von kathpress.at orientieren sich die Ressourcen in diesem Bereich noch immer an einer veralteten Quote aus den 1990er-Jahren. Inzwischen liege der tatsächliche Unterstützungsbedarf deutlich darüber. Die angekündigte Anhebung der entsprechenden Deckelung müsse daher verlässlich umgesetzt werden
.
Gleichzeitig verlangte Schwertner langfristige Planungssicherheit für den gesetzlich verankerten Rechtsanspruch auf ein elftes und zwölftes Schuljahr für Jugendliche mit Behinderung. Die für das Schuljahr 2027/28 angekündigte Umsetzung dürfe nicht erneut verschoben werden
.
Gemeinsames Lernen statt Ausgrenzung
In seinem Statement wandte sich der Caritas-Direktor entschieden gegen eine verstärkte Trennung von Schülerinnen und Schülern mit und ohne Behinderung.
Anstelle des Baus neuer Sonderschulen sollten jene inklusiven Modelle gestärkt werden, in denen Kinder gemeinsam aufwachsen. Dass Inklusion in der Praxis gelingen kann, zeigt laut den vorliegenden Berichten die Caritas-Einrichtung Schule am Himmel
, in der auch im neuen Schuljahr 135 Kinder mit und ohne Behinderung gemeinsam unterrichtet werden. Das Angebot könne jedoch nur durch ergänzende Spendengelder aufrechterhalten werden. Schwertner betonte dazu, was in unserer Schule am Himmel gelingt, sollte überall möglich sein
, wofür es allerdings adäquate Ressourcen, zusätzliches pädagogisches Personal sowie multiprofessionelle Teams brauche.
Wartelisten in Wiener Kindergärten und Forderung nach Chancengleichheit
Der Unterstützungsbedarf beginnt laut Caritas bereits vor dem Schuleintritt. Der Zugang zu einem geeigneten Kindergartenplatz gestalte sich für viele betroffene Familien äußerst schwierig. Allein in Wien warten rund 1.500 Kinder mit Behinderung auf eine Einrichtung, die ihren individuellen Bedürfnissen gerecht wird. Sollte ein zweites verpflichtendes Kindergartenjahr echte Chancengleichheit bringen, müsse dieses ausnahmslos allen Kindern offenstehen.

Darüber hinaus mahnte die Caritas einen massiven Ausbau von Freizeit- und Ferienangeboten an. Das Caritas-Kinderhotel am Himmel verdeutliche jeden Sommer aufs Neue, wie stark Familien auf Entlastung angewiesen sind und wie groß der Bedarf an professioneller Betreuung ist.
Zum Abschluss seiner Stellungnahme fasste Schwertner die aktuelle Situation mit einer deutlichen moralischen und gesellschaftspolitischen Fragestellung zusammen: Jedes Kind hat das Recht auf Bildung, Betreuung und Teilhabe
, hielt er fest und verwies auf die noch immer existierende Lücke zwischen diesem Anspruch und der realen Situation. Die zentrale Frage laute nicht, ob man sich Inklusion leisten könne, sondern warum man es sich im 21. Jahrhundert noch immer leiste, Kinder auszuschließen.