Das britische Pfund hat eine markante Schwelle überschritten: Mit einem Wert von 86,4 im „Sterling Effective Exchange Rate Indexnotiert die Währung so hoch wie seit dem ersten Quartal 2016 nicht mehr. Der Index, der das Pfund gegenüber 18 Weltwährungen gewichtet, markiert damit den höchsten Stand seit dem ersten Quartal 2016.
Wachstum und Vertrauen beflügeln den Kurs
Die Währungsstärke lässt sich in harten Zahlen messen. Vor genau einem Jahr notierte das Pfund noch bei 1,1334 Euro; heute steht es bei 1,1981 Euro – ein Zuwachs von mehr als 5,7 Prozent. Auch gegenüber dem US-Dollar legte die Währung im Jahresvergleich um 3,5 Prozent zu. Am Donnerstagmorgen pendelte der Kurs bei 1,3495 Dollar sowie 1,1979 Euro.
Hinter der Aufwertung stehen politische Stabilität, solides Wachstum und eine spürbare Annäherung an die Europäische Union. Jim O’Neill, ein Ökonom und früherer Schatzminister, bewertet die Dynamik gelassen: I’m not surprised. People were, and to a lesser extent, are, underestimating the improving momentum in the UK.
Der Blick auf die Bank of England
Trotz der Kursgewinne hält der Markt den Atem an: Der geldpolitische Ausschuss (MPC) der Bank of England steht unter Beobachtung. Der zweijährige Gilt-Zinssatz, ein Gradmesser für kurzfristige Erwartungen, liegt derzeit knapp unter 4,73 Prozent. Eine Zinsanhebung gilt als ausgemachte Sache.
Für George Vessey, Makro-Stratege bei Convera, ist die bloße Zinsentscheidung jedoch zweitrangig, da sie bereits mit einer Wahrscheinlichkeit von 95 Prozent eingepreist ist. Vessey betont:
Die Zinserhöhung an sich ist nicht die eigentliche Nachricht. Da die Märkte eine Wahrscheinlichkeit von rund 95 Prozent für dieses Ergebnis einpreisen, richtet sich die Aufmerksamkeit stattdessen auf das Abstimmungsverhältnis, die aktualisierten Prognosen und die Prognose von Gouverneur Bailey.
George Vessey, Makro-Stratege bei Convera
Historische Erholung und offene Fragen
Der Weg bis zur Marke von 86,4 war steinig. Nach dem Brexit-Votum 2016 verlor die Währung massiv an Boden. Weitere Tiefschläge folgten durch den zähen Brexit-Prozess, die Pandemie und das turbulente „Mini-Budgetdes Jahres 2022, als der Index auf 78,08 Punkte abrutschte. Zum Vergleich: Der Basiswert von 100 aus dem Jahr 2005 wurde zuletzt 2007 übertroffen.
Ob das Pfund diesen Kurs hält, ist offen. Sollte die Bank of England den aktuellen Markterwartungen – die auf vier weitere Zinsschritte wetten – eine Absage erteilen, droht eine Abwertung.
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