Zum Inhalt springen
Technik und Wissenschaft

Bitget-Hack: Fast 388 Millionen Dollar gestohlen und kaum Chancen auf Rückkehr

Die Krypto-Börse Bitget hat nach einem Cyberangriff fast 388 Millionen Dollar verloren. Ermittler konnten bislang rund 1,1 Millionen Dollar einfrieren. Bitget-Chefin Gracy Chen rechnet kaum mit einer Rückkehr der gestohlenen Vermögenswerte, während das Unternehmen den Schaden aus eigenen Reserven ausgleicht.

Der Krypto-Sektor steht nach einem massiven Cyberangriff erneut unter Druck. Bei der Börse Bitget flossen im Zuge des Vorfalls in der vergangenen Woche fast 388 Millionen Dollar ab, wie aus Berichten hervorgeht. Bislang ist es Ermittlern gelungen, lediglich rund 1,1 Millionen Dollar zu blockieren. Bitget-Chefin Gracy Chen äußerte sich im Gespräch mit dem Sender CNBC ernüchtert über die Aussichten auf eine Wiederbeschaffung.

Sie rechne nicht damit, viele der Gelder wiederzusehen.

Gracy Chen, Bitget-Chefin

Zur Begründung verwies Chen darauf, dass bei früheren Angriffen auf Krypto-Börsen die Rückholung gestohlener Token fast nie gelang. Zwar sind die 1,1 Millionen Dollar vorerst eingefroren, auf den Konten der Plattform befinden sie sich damit jedoch noch nicht. Der Vorfall führt der gesamten Branche nach Angaben von Beobachtern ihre größte Schwachstelle vor Augen: die weitreichende Abhängigkeit von externer Sicherheitssoftware.

🚨 BREAKING: $387.5 MILLION BITGET HACK!!! INTERVIEW WITH THE CEO!!!!

Angriff auf externe Dienstleister und hochgerüstete Methoden

–>

Untersuchungen der IT-Sicherheitsfirma Mandiant, einer Tochter von Google Cloud, sowie der Krypto-Forensiker von SlowMist deckten gravierende Lücken auf. Die Täter attackierten demnach zwei Sicherheitsprodukte von externen Dienstleistern. Bereits am 31. August nutzten die Hacker eine bis dahin unbekannte Schwachstelle aus, um interne Zugriffsrechte zu erlangen.

Auf diese Weise gelang es den Angreifern, die regulären Auszahlungsschranken zu umgehen, ohne dafür die privaten Schlüssel der Krypto-Wallets stehlen zu müssen. Chen bezeichnete das Vorgehen als äußerst anspruchsvoll. Zudem löschten die Täter ihre Spuren nach den Transaktionen gezielt. Ob nordkoreanische Hackergruppen hinter dem Vorfall stehen, ließen die Ermittler vorerst offen.

The Bitget Hack Explained: What Happened to $387.5 Million

Eigenkapitalreserven federn den Verlust ab

–>

Finanziell versucht das Unternehmen, den massiven Abgang aus eigener Kraft zu kompensieren. Vor dem Diebstahl lag der hauseigene Schutzfonds bei mehr als 464 Millionen Dollar. Nach dem Zugriff der Kriminellen sackte das Polster laut Berechnungen von Bloomberg auf unter 200 Millionen Dollar ab. Inzwischen füllte Bitget den Fonds aus eigenen Unternehmensmitteln wieder auf über 300 Millionen Dollar auf.

Auch die Bilanz soll das Vertrauen der Kundschaft sichern. Der jüngste Nachweis der Reserven vom 29. September wies eine Deckungsquote von 131 Prozent aus. Demnach waren alle 19 geprüften Krypto-Werte zu mehr als 100 Prozent hinterlegt. Das Management betonte in diesem Zusammenhang stets, dass die Guthaben der Kunden zu keinem Zeitpunkt gefährdet gewesen seien. Der Vorstand hob hervor, dass Börsen beweisen müssten, wie sie Nutzer im Ernstfall absichern.

Rückkehr zu regulären Auszahlungen

–>

Während Bitget den finanziellen Schaden selbst schultert, kehrt im operativen Betrieb schrittweise Routine ein. Auszahlungen für Bitcoin, Ether und den Stablecoin USDT laufen bereits wieder. Weitere Kryptowährungen und Fiat-Dienste sollten am Freitag folgen. Ob von den verbleibenden Hunderten Millionen Dollar durch künftige Ermittlungen noch nennenswerte Summen gesichert werden können, bleibt derweil offen.

Teilen Facebook X WhatsApp E-Mail
Clara Vogt

Über den Autor

Clara Vogt verantwortet das Ressort Technik und Wissenschaft. Sie schreibt ueber KI, Digitalisierung, Forschung und Innovation und uebersetzt komplexe Entwicklungen in klaren, belastbaren Journalismus.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.