Das Bundesamt für Strassen (Astra) deckte am 19. Mai 2026 massive Überzahlungen an Bauunternehmen beim Ausbau der Autobahn A9 im Kanton Wallis auf. Laut internen Berichten wurden insbesondere beim Riedbergtunnel mindestens 12 Millionen Franken zu viel verrechnet, während die Gesamtkosten des Projekts von ursprünglich 2,1 Milliarden auf über 5,1 Milliarden Franken anstiegen.
Die Autobahn A9 im Wallis entwickelt sich zu einem finanziellen Fass ohne Boden. Ein internes Revisionsdokument des Bundesamts für Strassen (Astra), das durch den Tages-Anzeiger
bekannt wurde, belegt gravierende Mängel bei der Kontrolle von Abrechnungen und Nachforderungen. Im Zentrum der Kritik steht die Zusammenarbeit zwischen dem Bund, der die Finanzierung trägt, und dem Kanton Wallis, der für die praktische Umsetzung des Baus verantwortlich ist.
Millionenverluste beim Riedbergtunnel
Besonders kritisch bewerten die Astra-Revisoren die Situation beim Riedbergtunnel in der Nähe von Gampel-Steg. Dieses Projekt, das einen Engpass beseitigen und bestehende Teilstücke der A9 verbinden soll, ist zum Symbol für das finanzielle Chaos geworden. Das Astra prüfte in diesem Zusammenhang Forderungen der beteiligten Bauunternehmen in einer Gesamthöhe von 35,5 Millionen Franken.
Das Ergebnis der Prüfung zeigt, dass fast 12 Millionen Franken zu viel an die Firmen verrechnet wurden. Die Revision lässt zudem befürchten, dass die tatsächliche Dunkelziffer an Überzahlungen noch höher liegen könnte. Insgesamt sieht der Bund die Möglichkeit, rund 21 Millionen Franken zurückzufordern. Die Ermittlungen verdeutlichen, wie lückenhaft die Aufsicht über die privaten Auftragnehmer war.
Systematische Bevorzugung von Bauunternehmen
Die internen Berichte des Astra zeichnen ein Bild von einer Bauleitung im Kanton Wallis, die ihre Aufsichtspflicht vernachlässigt hat. Laut den Revisoren stellte sich die kantonale Bauleitung seit dem Jahr 2011 systematisch auf die Seite der Auftragnehmer
. Dies führte dazu, dass hohe Rechnungen und Nachforderungen der Firmen oft ungeprüft oder zu Gunsten der Unternehmen akzeptiert wurden.
Diese Praxis erschwert die heutige Aufarbeitung erheblich. Lückenhafte Bauberichte und widersprüchliche Gutachten machen es schwierig, im Nachhinein präzise zu prüfen, ob die geforderten Summen technisch oder rechtlich gerechtfertigt waren. Die mangelnde Kontrolle bei der Abrechnung führte dazu, dass Baufirmen über Jahre hinweg zu viel Geld kassieren konnten.
Explosion der Projektkosten seit 1999
Der Bau der A9 im Wallis begann im Jahr 1999 und ist bis heute nicht vollständig abgeschlossen, insbesondere auf der Strecke zwischen Siders und Brig. Die finanzielle Entwicklung des Projekts ist drastisch. Während ursprünglich ein Budget von 2,1 Milliarden Franken kalkuliert wurde, liegt die aktuelle Schätzung der Eidgenössischen Finanzkontrolle bei mindestens 5,1 Milliarden Franken.
Die Kosten haben sich somit mehr als verdoppelt. Neben den direkten Überzahlungen an Bauunternehmen treiben jahrelange Rechtsstreits und technische Pannen die Ausgaben weiter in die Höhe. Da der Bund den Bau der Nationalstrasse fast vollständig finanziert, fallen diese Fehlentwicklungen primär dem Steuerzahler auf Bundesebene zur Last, während die operative Verantwortung beim Kanton lag.
Rechtliche Aufarbeitung und aktuelle Verfahren
Trotz der offiziellen Verlautbarungen von Bund und Kanton, dass die Zusammenarbeit inzwischen verbessert worden sei, bleibt die Situation angespannt. Es laufen derzeit mehrere Verfahren wegen mutmasslich überhöhter Forderungen. Dem Bund drohen teure Gerichtsverfahren, um die zu viel gezahlten Beträge zurückzuerlangen.
Die Aufarbeitung der Vorgaben aus dem Riedbergtunnel und anderen Abschnitten der A9 wird zeigen, inwieweit die Verantwortung der kantonalen Behörden rechtlich sanktioniert werden kann. Die Diskrepanz zwischen den ursprünglichen Planungen und der aktuellen Kostenrealität von 5,1 Milliarden Franken macht das Projekt zu einem der problematischsten Infrastrukturvorhaben der Region.