Auf der kanarischen Insel El Hierro ist angesichts von mehr als 8.000 ankommenden Menschen innerhalb von fünf Wochen der soziale Notstand ausgerufen worden. Wie die spanische Nachrichtenagentur EFE und die öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt RTVE am 7. November 2026 berichteten, bricht die Infrastruktur der Insel mit ihren rund 11.000 bis 12.000 Einwohnern unter dem anhaltenden Zuzug zusammen.
Erschöpfte Rettungskräfte und überfüllte Kliniken in La Restinga
Allein am Freitag, den 6. November 2026, erreichten nach Angaben von Tichys Einblick weitere 1.003 Migranten auf neun Booten die Küste. Zuvor hatte der spanische Seenotrettungsdienst Salvamento Marítimo in der Nacht zum Freitag und am Freitagmorgen 854 Menschen aus sieben kleinen Booten in Gewässern nahe der Insel geborgen, berichtet Euronews. Die Boote wurden in den Hafen von La Restinga in der Gemeinde El Pinar eskortiert. Mittlerweile zählt die Ortschaft La Restinga mit ihren 673 Einwohnern zu den zentralen Anlaufstellen für illegale Migration. Bei der Rettungsaktion am Freitag waren die drei Einheiten Salvamar Navia, Diphda und Mizar von Salvamento Marítimo im Einsatz. Gegenüber dem kanarischen Fernsehen schilderte die Leiterin des Krankenhauses Nuestra Señora de los Reyes, Jessica Acosta, dass die Klinik komplett überlastet sei. Man muss sich die Dimension vor Augen führen: Ein Dorf mit 673 Einwohnern wird zum Anlaufpunkt einer Invasion, die innerhalb weniger Tage Tausende Menschen über die Insel bringt.
Wahnsinn: Gestern, so berichtet mein Freund, ist er mit der Fähre nach El Hierro gereist. Das ist die westlichste Insel der Kanaren. Dort ist er mit dem Bus in den Hafen von Punta de la Restinga gefahren. Dort kommen diese Personen in typischen afrikanischen Langbooten an. Vor… pic.twitter.com/Ai1908Pajz
Vor Ort kümmerten sich Einsatzkräfte des Soforteinsatzteams ERIE des Spanischen Roten Kreuzes, der kanarische Rettungsdienst SUC, die Guardia Civil sowie die Policía Nacional um die Ankommenden. Nach der initialen Versorgung wurden die Migranten von den Rettungskräften in das Centro de Atención Temporal de Extranjeros (CATE) im Ortsteil San Andrés der Gemeinde Valverde verbracht. Einige der Geretteten mussten medizinisch versorgt werden. Im Hospital Nuestra Señora de los Reyes befanden sich weiterhin neun Personen wegen verschiedener Gesundheitsprobleme in Behandlung.
Forderung nach mehr Ressourcen und Verlegungen nach Teneriffa
Wir brauchen mehr Ressourcen
Präsident des Inselrats, Selbstverwaltungsbehörde der Kanareninsel
Dies erklärte der Präsident des Inselrats in einem Interview mit dem Sender RTVE. Der sozialistische Inselpräsident Alpidio Armas unterzeichnete am Freitag das Notstandsdekret. Zeitweise hielten sich am Freitag mehr als 2.000 Menschen gleichzeitig auf El Hierro auf, weshalb Hunderte in einer Halle untergebracht werden mussten. Um die lokalen Aufnahmekapazitäten zu entlasten, setzten am Morgen 350 Menschen mit der Linienfähre nach Teneriffa über, während die Zentralverwaltung für den Nachmittag die Verlegung einer weiteren Gruppe von 350 Personen plante.

Lage auf den Nachbarinseln und Vergleiche mit dem Rekordjahr 2024
Neben El Hierro verzeichneten auch Gran Canaria und Lanzarote neue Ankünfte. Auf Lanzarote trafen nach Angaben von Euronews zwischen Donnerstagabend und Freitagmorgen zwei Gruppen mit insgesamt 88 Personen ein, darunter 27 Männer maghrebinischer Herkunft auf einem Patera-Boot. Im Hafen von Arguineguín im Süden von Gran Canaria brachte Salvamento Marítimo zudem eine weitere, noch nicht bezifferte Gruppe von aus Seenot geretteten Menschen an Land.
Der Zustrom nähere sich den Rekordwerten aus dem Jahr 2024, sagte Regionalpräsident Fernando Clavijo. Die Atlantikroute von Westafrika zu den Kanarischen Inseln ist eine der tödlichsten der Welt. Clavijo forderte von der Zentralregierung mehr finanzielle Mittel und Unterstützung angesichts dieses humanitären Dramas
, wie der Deutschlandfunk berichtete.
Die Kanarische Insel El Hierro erklärt den Notstand! https://t.co/m4eBaBDrxQ
Die Regionalregierung zeigte sich insbesondere über die zunehmenden Abfahrten aus Senegal und Gambia besorgt. Der anhaltende Zustrom nähert sich damit wieder den Werten aus dem Jahr 2024, als nach Angaben von Tichys Einblick mehr als 46.000 Menschen die Kanarischen Inseln erreicht hatten.
Auf El Hierro, einer Insel mit rund 11.000 Einwohnern, sind zwischen Dienstagnacht und Mittwochmorgen sechs Boote mit 557 Migranten aus Senegal und anderen westafrikanischen Ländern gelandet. Die Seenotschleppung holte allein am Mittwoch 446 Menschen an Land. Die… pic.twitter.com/jx84PD70yY
Verwandte Artikel