Ein kleines Entwicklerteam nutzt KI-Assistenten wie Claude Opus 5.5, um bekannte Software von Microsoft und Adobe als kostenlose Open-Source-Programme nachzubauen. Das Projekt namens ArtCraft verspricht vertraute Oberflächen für Programme wie Photoshop und Word, wirft jedoch in der Tech-Welt ernsthafte Fragen zu Urheberrechten und Sicherheit auf.
Kommerzielle Profi-Software wie Adobe Photoshop oder Microsoft Word dominiert seit Jahrzehnten den Büroalltag von Hunderttausenden Unternehmen weltweit und sichert ihren Herstellern Milliardengewinne. Nun formiert sich Widerstand aus einer unerwarteten Ecke. Ein kleines Entwicklerteam greift die etablierten IT-Giganten mit offenen Quellcodes und künstlicher Intelligenz an. Im Zentrum dieser Entwicklung steht ein Projekt, das innerhalb kürzester Zeit für massive Aufmerksamkeit in der Software-Branche gesorgt hat.
Photocraft und die Adobe-Nachbauten im Betatest
Das bekannteste Produkt dieses Vorhabens ist Photocraft, das als kostenloser Ersatz für das seit über 30 Jahren etablierte Standardwerkzeug für digitale Bildbearbeitung angetreten ist. Nach Schätzungen nutzen mehr als 160.000 Unternehmen weltweit Photoshop im regulären Betrieb. Photocraft soll Anwendern eine vertraute Oberfläche, vollständige Unterstützung für Photoshop-Dateien und in der finalen Version den gewohnten Funktionsumfang bieten, und das gänzlich ohne Cloud-Anbindung oder Abo-Zwang.
Hinter der Entwicklung steht die Firma ArtCraft. Neben Photocraft umfasst das Portfolio mittlerweile sieben Adobe-Pendants, darunter VectorCraft für Illustrator, FilmCraft für Premiere Pro, LightCraft für Lightroom, EffectCraft für After Effects, DesignCraft für InDesign und PdfCraft für Acrobat Pro. Technische Berichte zeigen jedoch, dass sich die Programme überwiegend noch in einer frühen Alpha- oder Entwicklungsphase befinden. Viele Funktionen fehlen noch oder weisen Fehlfunktionen auf, wie die aktuelle Projektseite dokumentiert.
WordCraft, GridCraft und DeckCraft greifen Microsoft an
Mit drei weiteren Applikationen nimmt das Projekt nun auch die Bürosoftware von Microsoft ins Visier. WordCraft, GridCraft und DeckCraft nachempfinden Word, Excel und PowerPoint.

Die Quellcode-Repositories sämtlicher Anwendungen sind öffentlich auf GitHub zugänglich. Das Entwicklerteam setzt bei der Erstellung konsequent auf die Programmiersprache Rust und nutzt den KI-Assistenten Claude Opus 5.5 von Anthropic. Durch diese Automatisierung entsteht Software in Rekordzeit. Ziel ist es, bekannte Bedienkonzepte und Arbeitsabläufe direkt nachzubilden, um Nutzern eine unabhängige Alternative zu Microsoft 365 und der Adobe Creative Cloud zu bieten.
Kritik an Code-Qualität und rechtlichen Risiken
Die Veröffentlichung der zahlreichen Nachbauten sorgt in Fachkreisen für gemischte Reaktionen. Während viele Tester die technische Dynamik anerkennen, warnen Skeptiker vor erheblichen Sicherheitslücken und drohenden Konflikten mit dem Urheberrecht. Wenn wenige Personen innerhalb kürzester Zeit potenziell Hunderttausende Codezeilen für diverse Programme per künstlicher Intelligenz generieren, wird die vollständige Überprüfung des Codes zu einer extremen Herausforderung.
Entwickler Brandon Thomas weist diese Bedenken zurück und bezeichnet seine Anwendungen als sogenannte Clean-Room
-Umsetzungen, die ohne direkten Einblick in den geschützten Code der Originalhersteller entstanden sind und daher rechtlich unbedenklich sein sollen. Dennoch bleiben Fragen zur Dateikompatibilität, zu eingespielten Arbeitsabläufen und zur Leistungsfähigkeit im professionellen Umfeld bestehen, weshalb die Programme für Unternehmen derzeit keinen vollwertigen Ersatz darstellen.
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