Eine Packung Hansaplast Sensitive Strips mit 20 Stück kostet in Österreich im Schnitt 5,75 Euro und in Deutschland nur 2,47 Euro – ein Aufschlag von rund 133 Prozent. Identische Drogerieartikel und Reinigungswaren kosten in österreichischen Online-Shops im Schnitt 22 Prozent mehr als in Deutschland. Eine im Oktober 2026 veröffentlichte Erhebung der Arbeiterkammer zeigt, dass Konsumentinnen je nach Produkt bis zu 133 Prozent mehr bezahlen. Verbraucherschützer fordern daher rasches Vorgehen gegen territoriale Lieferbeschränkungen auf EU-Ebene.
Wer in Österreich den Einkaufswagen mit alltäglichen Drogerieartikeln füllt, zahlt dafür spürbar mehr als Kundinnen und Kunden jenseits der Grenze. Eine von der Arbeiterkammer durchgeführte Preiserhebung offenbart ein massives Preisgefälle für absolut baugleiche Waren von identen Herstellern. Für einen umfassenden Warenkorb mit 97 verglichenen Produkten zahlten Verbraucher in Österreich im Oktober rund 536 Euro, während derselbe Einkauf in deutschen Online-Shops knapp 439 Euro kostete (laut Daten der Arbeiterkammer).
Im Rahmen ihrer Erhebung untersuchte die Arbeiterkammer die Preise zwischen dem 5. und dem 8. Oktober. Dabei wurden in Österreich die Online-Angebote von MPREIS, BIPA, DM, Müller, INTERSPAR und BILLA sowie drei Interspar-Filialen einbezogen, während in Deutschland die Online-Märkte von DM, Müller, ROSSMANN, GLOBUS und REWE berücksichtigt wurden. Von insgesamt 97 verglichenen Produkten wiesen 83 Artikel in Österreich höhere Durchschnittspreise auf, was rund 86 Prozent des gesamten Sortiments entspricht. Preiswerter zu kaufen gab es in der Alpenrepublik dagegen bloß ein Dutzend Waren; zu diesem kleinen Kreis zählte etwa die Elmex-Kariesschutz-Zahncreme, welche hier mit durchschnittlich 3,65 Euro um 18,5 Prozent billiger als in Deutschland (4,47 Euro) zu bekommen war, während zwei weitere Erzeugnisse exakt das Gleiche kosteten. Bei den verglichenen Bruttopreisen betragen die Umsatzsteuersätze mit 20 Prozent in Österreich und 19 Prozent in Deutschland fast exakt denselben Wert.

Preissprünge bei Pflastern und Kosmetik im Detail
Besonders drastisch fallen die Unterschiede bei bestimmten Pflege- und Alltagsprodukten ins Gewicht. An der Spitze der Teuerung stehen medizinische Pflaster: Eine Packung Hansaplast Sensitive Strips mit 20 Stück kostete in Österreich im Schnitt 5,75 Euro, in Deutschland hingegen nur 2,47 Euro – ein Aufschlag von rund 133 Prozent (wie oe24 berichtete). Auch Hühneraugenpflaster desselben Herstellers waren hierzulande mit 6,74 Euro mehr als doppelt so teuer wie im Nachbarland, und bei den klassischen Hansaplast-Pflastern als Meterware lag der Preisaufschlag bei knapp 96 Prozent.
Deutliche Differenzen zeigen sich zudem bei Kosmetika und Haushaltswaren:

- Gesichtswasser von Garnier (200 ml) schlug in Österreich mit durchschnittlich 5,86 Euro zu Buche, in Deutschland mit 2,67 Euro (119 Prozent Differenz).
- Sebamed Bodymilk (200 ml) kostete hierzulande 7,45 Euro, gegenüber 3,81 Euro im Nachbarland (95 Prozent Differenz).
- Weleda Zahncreme (75 ml) war mit 6,72 Euro in Österreich um 74 Prozent teurer als in Deutschland (3,87 Euro).
- Tempo-Taschentücher (150 Stück) kosteten in Österreich 3,53 Euro und in Deutschland 2,18 Euro (62 Prozent Differenz).
- Somat Klarspüler (750 ml) kostete in Österreich 3,80 Euro, in Deutschland 2,37 Euro (60 Prozent Differenz), wobei die Differenz beim Somat-Klarspüler laut regionalen AK-Erhebungen sogar bis zu 125,63 Prozent betragen konnte.
- Gillette Rasierklingen (10 Stück) wurden für 27,20 Euro in Österreich und 17,96 Euro in Deutschland angeboten (51 Prozent Differenz), was in absoluten Zahlen einem Unterschied von mehr als neun Euro entspricht.
- Palmolive Flüssigseife Hygiene Plus wies laut den Auswertungen Preisunterschiede von bis zu 147,59 Prozent auf.
Wie Händler und Märkte preislich auseinanderdriften
Im Durchschnitt kostete der Warenkorb bei den österreichischen Anbietern 160,00 Euro und bei den deutschen Anbietern 128,75 Euro. In Deutschland blieben die Kosten selbst beim teuersten Anbieter deutlich niedriger: Der Warenkorb kostete bei Rossmann 127,72 Euro und bei Rewe 130,22 Euro, während der Durchschnittspreis in deutschen Onlinemärkten bei knapp 439 Euro lag. Ein bemerkenswertes Detail betrifft auch die Preisunterschiede innerhalb derselben Handelskette: So kostete der Warenkorb bei DM Deutschland 129,90 Euro, bei DM Österreich hingegen 147,20 Euro; bei Müller lag der Betrag in Deutschland bei 128,26 Euro und in Österreich bei 145,49 Euro, womit die Differenz in beiden Fällen mehr als 13 Prozent betrug.
Interessant ist ferner die Gegenüberstellung der Vertriebswege innerhalb der jeweiligen Staaten: Für die insgesamt 89 Körperpflege- und Haushaltswaren, die in Österreich sowohl in Supermärkten als auch im spezialisierten Drogeriehandel zu finden waren, mussten Kunden beim Einkauf im Supermarkt im Schnitt 11,6 Prozent mehr bezahlen. In Deutschland lag dieser Preisunterschied bei 94 vergleichbaren Produkten bei lediglich 0,4 Prozent. Für viele Grenzgänger lohnt sich the Weg ins Nachbarland daher spürbar: So dauert beispielsweise die Autofahrt von der Stadt Salzburg zum Globus in Freilassing gut 20 Minuten, wobei Parkplatzbeobachtungen zeigen, dass etwa ein Drittel der Kundschaft aus dem Land Salzburg anreist.

Politische Debatte um den Österreich-Aufschlag
Verbraucherschützer machen vor allem strukturelle Probleme im Handel für die Preisdiskrepanz verantwortlich. AK-Konsumentenschützerin Gabriele Zgubic kritisierte in einer Aussendung, dass österreichische Händlerinnen und Händler wegen territorialer Lieferbeschränkungen nicht uneingeschränkt im EU-Binnenmarkt einkaufen können und die Konsumenten dafür die Rechnung zahlen.
Unser Preismonitor zeigt: Der Österreich-Aufschlag muss weg!
Gabriele Zgubic, Arbeiterkammer
Die Forderungen nach politischen Schritten reichen indes über Parteigrenzen hinweg. Die Erhebung rief auch die Politik auf den Plan, wobei Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer von der Arbeiterkammer in die Pflicht genommen wurde, den Druck auf die EU-Kommission zu erhöhen, um Regeln gegen ungerechtfertigte territoriale Lieferbeschränkungen zu erzielen. Während SPÖ-Klubvize Julia Herr verlangt, dass die EU-Kommission dieser unfairen Praxis der Konzerne endlich einen Riegel vorschiebt, kritisierte die FPÖ die aus ihrer Sicht mangelnde Initiative der Bundesregierung (wie Salzburg24 zusammenfasste). Peter Wurm erklärte, dass neben den Handelspreisen auch staatliche Abgaben wie die NoVA, die CO2-Steuer, hohe Energieabgaben sowie diverse Gebühren das Leben in Österreich stark verteuern und die Regierung die Bürger über Gebühr belaste.