Die Welt wird das Ziel der Klimaneutralität bis 2050 nach Berechnungen der Allianz deutlich verfehlen. Bei gleichbleibendem Tempo wird der Planet voraussichtlich erst im Jahr 2064 klimaneutral, während die Europäische Union diesen Status bis 2057 und Deutschland bis 2051 erreichen könnten. Das Ziel, die globale Erwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen, gilt damit als praktisch unerreichbar.
Fortschritte bei erneuerbaren Energien trotz politischer Hürden
Erstmals lieferten erneuerbare Energien im Jahr 2025 mit einem Anteil von 33,5 Prozent weltweit mehr Strom als Kohle, die bei 33,2 Prozent lag. Diese Entwicklung stellt einen bedeutenden Wendepunkt dar, da erneuerbare Energien damit erstmals seit über einem Jahrhundert die Kohle als weltweit größte Stromquelle überholt haben. Der durch den Iran-Krieg verursachte Anstieg der Öl- und Gaspreise führte laut dem „Allianz Green Transition Trackerzu Einsparungen beim fossilen Energieverbrauch sowie zu einem erhöhten Absatz von Solaranlagen und Elektroautos. Die Allianz veröffentlichte diesen Tracker mittlerweile zum zweiten Mal.

Die Allianz-Ökonomen bewerteten für den Tracker 64 Staaten, die für den Großteil der globalen Treibhausgasemissionen verantwortlich sind. In 56 dieser Länder sanken die Emissionen weiter. Dennoch bleibt die Gesamtdynamik unzureichend. Weltweit größter Treibhausgas-Emittent bleibt China mit großem Abstand: Die Volksrepublik allein stößt 30 Prozent des globalen Volumens aus, gefolgt von den USA mit elf Prozent. Die Europäische Union ist beim Reduzieren der CO2-Emissionen zwar weiterhin führend, doch hat sich das Tempo der Fortschritte verlangsamt. Die obere Hälfte der von der Allianz untersuchten Rangliste legte bei den Fortschritten fast doppelt so stark zu wie die untere Hälfte.
Nationale Rankings und Zielverfehlungen
Im Fortschrittsindex belegt Luxemburg den ersten Platz, während die Schweiz unter den deutschsprachigen Ländern mit Rang acht am weitesten fortgeschritten ist. Deutschland liegt auf Platz zwölf, Österreich belegt Rang 19. Für Deutschland bedeutet die Allianz-Prognose, dass das angestrebte Ziel der Klimaneutralität bis 2050 nicht eingehalten wird.
Patrick Hoffmann, ESG-Ökonom bei Allianz Research, stellt fest: „Bei dem jetzigen Fortschritt wird die Netto-Null erst im Jahr 2064 erreicht werden – 14 Jahre später als geplant“. Er warnt zudem vor einer zunehmenden klimapolitischen Kluft, da die Spitzenreiter der Rangliste weiter davonziehen, während Nachzügler Schwierigkeiten haben, Schritt zu halten. Schlusslichter im globalen Vergleich sind Aserbaidschan und der Iran, wo sich laut der Untersuchung beim Klimaschutz bisher nichts Messbares getan hat. Auch wenn die Welt insgesamt auf CO2-Neutralität zusteuert, geschieht dies laut Allianz viel zu langsam, um die globalen Emissionen rechtzeitig zu senken.”
Eigeninteresse der Versicherungswirtschaft
Die Allianz betreibt diese volkswirtschaftlichen Untersuchungen wie andere große Versicherungskonzerne auch aus einem direkten Eigeninteresse. Die Branche beobachtet die Entwicklung unabhängig von politischen Überzeugungen genau, da die Schadensbilanzen der Unternehmen zeigen, dass steigende Durchschnittstemperaturen mit zunehmenden Naturkatastrophenschäden durch Unwetter und Überschwemmungen einhergehen. Zwar verläuft dieser Anstieg nicht linear von Jahr zu Jahr, doch ist er im langfristigen Trend klar erkennbar. Die Allianz betont daher, dass der Klimaschutz für die Versicherungsbranche eine ökonomische Relevanz besitzt, da die Folgen der Erderwärmung die Schadensummen langfristig belasten.
Die nun vorliegenden Daten, die im Vorfeld der Klimakonferenz COP31 veröffentlicht wurden, zeigen, dass die Welt das Ziel der Klimaneutralität bis 2050 verfehlen wird. Klimakonferenz in Antalya veröffentlicht wurden, unterstreichen den dringenden Handlungsbedarf. Während saubere Technologien sich trotz politischen Gegenwinds – etwa durch den Rückzug der USA unter Präsident Donald Trump von früheren Klimazielen – durchsetzen, verdrängen sie fossile Brennstoffe nicht schnell genug. Die Studie dient der Allianz dazu, den Fortschritt der Energiewende anhand einer soliden Datenbasis zu messen, die den Großteil der weltweiten Treibhausgasemissionen abdeckt.
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