Rund 60 Kaufinteressenten haben nach der Insolvenz der niederländischen Accell Group verbindliche und unverbindliche Angebote für bekannte Fahrradmarken wie Haibike, Ghost und Winora vorgelegt. Die Verwalter wollen den europäischen E-Bike-Marktführer als Ganzes oder in größeren Einheiten veräußern, während die deutschen Tochtergesellschaften Sanierungsverfahren durchlaufen.
Die Jagd nach einigen der bekanntesten Fahrradmarken Europas hat nach der Pleite des Mutterkonzerns einen enormen Andrang ausgelöst. Ursprünglich hatten rund 103 potentielle Investoren einen Blick in die Unternehmensdaten geworfen, wie aus Berichten hervorgeht. Am Ende des ersten Prozesses lagen schließlich rund 60 Kaufangebote auf dem Tisch.
Millionenbestände und der Weg in die Zahlungsunfähigkeit
Ausgelöst wurde die Krise durch einen drastischen Nachfrageschock nach dem vorangegangenen Corona-Boom. Während die Lager nach dem Boom prallvoll waren, brach das Kaufinteresse der Kunden ein und trieb den Giganten in die Zahlungsunfähigkeit. Zum Zeitpunkt des Zusammenbruchs beschäftigte die Gruppe weltweit rund 1.900 Mitarbeiter.

In den Lagern befanden sich zum Stichtag Fahrräder mit einem Buchwert von rund 47,8 Millionen Euro sowie Zubehör im Wert von 38,6 Millionen Euro. Um diese Bestände nicht zu Schleuderpreisen auf den Markt werfen zu müssen, läuft der Abverkauf über die bestehenden Vertriebskanäle weiter. Eine Rumpfbesatzung von weltweit 65 verbliebenen Mitarbeitern hält das operative Geschäft in den Niederlanden aufrechterhalten, verglichen mit zuvor 344 Beschäftigten.
Investorenprozess und internationale Interessenten
Zu den Marken im Portfolio, um die sich die Bieter reihen, gehören neben Haibike und Ghost auch Winora, Koga, Lapierre, Babboe und Raleigh. Die Verwalter verfolgen das Ziel, den Konzern nicht in seine Einzelteile zu zerlegen, sondern als geschlossene Einheit oder zumindest in größeren Segmenten zu verkaufen. Dazu zählen neben den Marken selbst auch Logistikstrukturen, Ersatzteillager, IT-Systeme und Vertriebswege in mehreren Ländern.
Unter den zahlreichen Bietern wurden im Rahmen des Prozesses vor allem zwei Namen öffentlich genannt: Quanta Capital aus Irland und DuTech Holdings. Insgesamt haben die Insolvenzverwalter in dem breit angelegten Verfahren mit mehr als 300 potenziellen Interessenten gesprochen, bevor die 60 Angebote eingingen.
Lage bei den deutschen Tochtergesellschaften und Zeitplan
Direkt von den Entwicklungen betroffen sind auch die hiesigen Standorte. In Deutschland bangen rund 370 Beschäftigte bei Gesellschaften wie Accell Germany, Winora Staiger, Ghost-Bikes und Engelbert Wiener Bike Parts um ihre Zukunft. Diese Firmen befinden sich derzeit in Insolvenz in Eigenverwaltung.
Unterstützt werden die deutschen Gesellschaften von Sanierungsexperten der Kanzlei Grub Brugger. Ein Sprecher der Kanzlei schilderte die Dynamik gegenüber Medien: Es laufen zahlreiche Verhandlungen, und die Lage ändert sich ständig. Zum 1. November 2026 wird die Eröffnung des Insolvenzverfahrens der deutschen Unternehmen erwartet
, so der Sprecher. Wie viele Arbeitsplätze letztlich gerettet werden können, entscheidet sich erst im weiteren Verlauf der Restrukturierung und des laufenden Investorenprozesses.