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Welt

Bundeswehr baut Drohnenregiment mit bis zu 600 Soldaten auf

Die Bundeswehr baut im kommenden Jahr ein eigenes Drohnenregiment mit bis zu 600 Soldatinnen und Soldaten auf. Verteidigungsminister Boris Pistorius gab die Aufstellung des neuen Verbandes am Donnerstag auf dem Truppenübungsplatz Bergen in Niedersachsen bekannt, um den Kampf mit unbemannten Systemen und Kamikazedrohnen organisatorisch zu bündeln.

Der Verband soll nach den Plänen des Verteidigungsministeriums im Laufe des Jahres 2027 einsatzbereit sein und Reichweiten von der Nächstdistanz bis zu 500 Kilometern abdecken. Neben fliegenden Geräten sind auch unbemannte Landsysteme vorgesehen. Der neue Verband hat den Auftrag, Fähigkeiten zu bündeln und das Tempo aufzunehmen.

Aufstellung des Regiments und Unterstellung unter die 10. Panzerdivision

Zu diesem Großverband gehört auch die Panzerbrigade 45, die derzeit zum Schutz der Nato-Ostflanke in Litauen stationiert ist und bis Ende 2027 voll einsatzbereit sein soll. Durch die Aufstellung will die Bundeswehr ihre bisher oft projektbezogenen oder auf einzelne Einheiten verteilten Fähigkeiten organisatorisch zusammenfassen. Ab 2027 soll die dauerhaft in Litauen stationierte Panzerbrigade 45 als erster Verband einen umfassenden Verbund aus Loitering Munition und Aufklärungsdrohnen erhalten.

Die neue Einheit soll zudem über eine eigene Kompanie für den elektromagnetischen Kampf verfügen, um gegnerische Funk- und Radarsignale gezielt zu stören. Damit reagiert das Verteidigungsministerium auf die veränderten Bedingungen moderner Konflikte, in denen die elektronische Kriegsführung und die Aufklärung aus der Luft eng ineinandergreifen.

Bundeswehr baut Drohnenregiment mit bis zu 600 Soldaten auf
Foto: n-tv.de

Erprobung von Loitering Munition auf dem Truppenübungsplatz Bergen

Während seines Besuchs auf dem Truppenübungsplatz Bergen informierte sich Pistorius über eine Experimentalserie des Heeres. Gemeinsam mit Forschern und Entwicklern erproben die Landstreitkräfte dort mehr als 40 Rüstungsgüter in taktischen Anwendungen. Dabei wird unter anderem untersucht, ob sich die neuen Technologien reibungslos in die bestehende IT-Infrastruktur der Streitkräfte einbinden lassen.

Ein zentraler Bestandteil der künftigen Ausrüstung ist sogenannte Loitering Munition, auch bekannt als Kamikazedrohnen. Nach Maßgabe der Bundeswehr handelt es sich dabei begrifflich um Einwegmunition und nicht um Drohnen: Die Flugkörper sind in der Lage, in ein Einsatzgebiet vorzufliegen, dort zu kreisen, anhand integrierter Sensoren potenzielle Ziele zu identifizieren und diese dem Operator anzuzeigen, während die Freigabe für einen Angriff stets beim Menschen verbleibt. Die Beschaffung läuft bereits. Die Bundeswehr schloss im Februar Verträge mit den deutschen Unternehmen Helsing und Stark, im April folgte Rheinmetall. Getestet werden zu diesem Zweck unter anderem die Modelle HX-2 von Helsing, Virtus von Stark sowie FV-014 aus dem Hause Rheinmetall. Die ersten Waffen sollen im kommenden Jahr bei der Truppe ankommen.

Bundeswehr baut Drohnenregiment mit bis zu 600 Soldaten auf
Foto: Berliner Zeitung

Lehren aus dem Ukraine-Krieg und die militärische Einordnung

Die beschleunigte Einführung unbemannter Waffen ist eine direkte Konsequenz aus den Erfahrungen des Krieges in der Ukraine, wo Drohnen in großem Stil für Aufklärung und Angriffe genutzt werden. Der Inspekteur des Heeres, Generalleutnant Christian Freuding, hatte bereits im Juni während der Militärübung Freedom Shield 2026 in Litauen gefordert, unbemannte Waffensysteme deutlich schneller in die Truppe zu integrieren. Unter Einsatz von Kampf- und Schützenpanzern, Artillerie, elektronischer Kampfführung und Drohnen absolvierten dort etwa 2900 Soldaten aus acht Nationen gemeinsame Übungen. Die Panzerbrigade 45 übte dabei erstmals als Verband auf litauischem Boden. In seiner Funktion als früherer Leiter der Arbeitsgruppe für militärische Unterstützung der Ukraine im Verteidigungsministerium reiste der General mehrfach in das von Russland attackierte Land.

Militärplaner und auch Verteidigungsminister Pistorius warnen jedoch davor, den Abwehrkampf in der Ukraine eins zu eins auf einen möglichen Konflikt zwischen Russland und der Nato zu übertragen. Drohnen ergänzen demnach das bestehende Spektrum klassischer Waffensysteme wie Panzer, Artillerie oder Kampfflugzeuge, können diese jedoch nicht vollständig ersetzen.

Für die Landstreitkräfte der Bundeswehr habe das Zusammenspiel von Panzertruppen und Einheiten, die Drohnen steuern, höchste Bedeutung.

Generalleutnant Christian Freuding, Inspekteur des Heeres, via N Tv

Standortfragen und der weitere Zeitplan bis 2027

Panzerdivision feststeht, haben das Verteidigungsministerium und die Bundeswehr noch keinen konkreten festen Standort für das neue Drohnenregiment benannt. Der Aufbau soll im Laufe des kommenden Jahres planmäßig voranschreiten, damit der Verband bis Ende 2027 vollständig einsatzbereit ist.

Bundeswehr baut Drohnenregiment mit bis zu 600 Soldaten auf
Foto: AD HOC NEWS

Bereits im Mai hatte Pistorius bei einer Fähigkeitendemonstration in Munster betont, dass die Armee gefordert sei, an der Spitze der technologischen Entwicklung zu stehen. Munster ist darüber hinaus der Standort, an dem die Bundeswehr intensiv Soldatinnen und Soldaten zu Drohnenpiloten ausbildet. Bis 2029 soll diese Drohnenausbildung massiv ausgebaut werden.

Die Bildung des Regiments stellt somit einen rein strukturellen Fortschritt dar; ob es seine Wirkung voll entfalten kann, hängt maßgeblich davon ab, wie zügig die Testergebnisse in den regulären Dienstbetrieb überführt werden.

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Anna Richter

Über den Autor

Anna Richter leitet das Weltressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet ueber internationale Politik, Diplomatie und geopolitische Entwicklungen mit Fokus auf Kontext, Verlaesslichkeit und Relevanz fuer deutschsprachige Leser.

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