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Welt

Frankreich: Hunderte Festnahmen nach gewaltsamen Schülerprotesten

Bereits am Donnerstag und Freitag der Vorwoche waren nach Berichten der Tageszeitung „Le Monde“ rund 60 Lycées in der Region betroffen. Die Schülergewerkschaft Union syndicale lycéenne (USL) rief daraufhin dazu auf, die Blockaden auf das ganze Land auszuweiten. Jugendliche beklagen marode Gebäude, fehlende Lehrkräfte und unzureichende finanzielle Mittel für ihre Bildung. In Lille nannten Jugendliche neben dem Personalmangel auch zu teure Kantinen, im Sommer zu heiße und im Winter zu kalte Klassenräume sowie Bettwanzen und kaputte Duschen im Internat. Ein Schüler namens Juan erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur AFP, man müsse von 8 bis 18 Uhr lernen, was völlig unfair sei, während eine Schülerin namens Lina Bouiiellan der New York Times berichtete, sie hätten keine Zeit mehr für sich selbst.”

Krisensitzung in Paris nach über 600 Festnahmen

Die Eskalation der Lage führte im Tagesverlauf zu 625 Festnahmen landesweit. Innenminister Laurent Nuñez sprach bereits an den Vortagen von urbaner Gewalt und erklärte, dass sich die Proteste ausgeweitet hätten. Am Montag wurden 164 Menschen festgenommen, am Dienstag stieg die Zahl der Festnahmen auf 440, wobei es sich überwiegend um Minderjährige handelte. Den Festgenommenen werden unter anderem Brandstiftung, Angriffe auf Polizeibeamte, das Werfen von Gegenständen, Gewalttaten, Beleidigungen und Sachbeschädigungen vorgeworfen. Innenminister Laurent Nuñez berichtete zudem von 83 verletzten Polizisten und Gendarmen sowie weiteren verletzten Personen im Zusammenhang mit den Krawallen. In Île-de-France waren nach Angaben der Region 75 Lycées gestört, wobei es in 36 davon zu Gewalt, Zusammenstößen und Sachbeschädigungen kam. In Straßburg rückten Feuerwehrleute an, um Mülltonnenbrände vor dem Berufsgymnasium Geiler de Kaysersberg zu löschen, und in Lyon wurden Autoreifen sowie Mülltonnen angezündet. In Lyon nahm die Polizei 14 Personen fest. Der französische Bildungsminister Edouard Geffray fügte hinzu, dass seit Beginn der Unruhen in der vergangenen Woche 119 Schüler und Mitarbeiter verletzt wurden. Die Polizei-Aufsichtsbehörde IGPN leitete zudem drei Ermittlungen ein, nachdem Schülerinnen und Schüler bei Blockaden von Schulen in Sevran (Seine-Saint-Denis), Saint-Ouen-l’Aumône (Val-d’Oise) und Tours verletzt worden waren.

Solidarität der Lehrkräfte und politische Fronten

Rückendeckung erhalten die protestierenden Schüler von großen Lehrergewerkschaften. Sophie Vénétitay, die Generalsekretärin des SNES-FSU und Lehrerin für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, erklärte, dass die Forderungen der Studierenden angesichts des aktuellen Lehrermangels berechtigt seien und Probleme beschrieben, vor denen die Lehrkräfte selbst seit Langem warnen. Auch am Lycée Saint-Exupéry in Créteil begann der Protest mit einer sehr konkreten Forderung: Die Schülerinnen und Schüler wollten, dass fehlendes Personal an ihrer Schule ersetzt wird. Eine Schülerin aus Aubervilliers erzählte zudem, in ihrem Mathematik-Leistungskurs fehle jede Woche eine Unterrichtsstunde. Die Proteste finden vor dem Hintergrund von Streiks von Beamten in ganz Frankreich statt, darunter auch Lehrer, die mehr Ressourcen und höhere Gehälter fordern. Gleichzeitig spaltet der Konflikt das politische Spektrum in Frankreich. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sprach von legitimen Sorgen der jungen Leute, die aber in keinem Fall Gewalt und Übergriffe auf Polizisten, Lehrkräfte und Medienvertreter rechtfertigten, die über die Proteste berichteten. In Madrid kritisierte Macron zudem radikale Linkspolitiker, denen er vorwarf, die Gewalt bei den Schulprotesten zu legitimieren.

Students across France protest over poor school conditions

Dialogplattform und angekündigte Reaktionen der Regierung

Um die angespannte Situation zu entschärfen, kündigte Bildungsminister Edouard Geffray nach mehreren Tagen der Mobilisierung die Eröffnung einer Dialogplattform für Montag an, zu der alle Oberschülerinnen und Oberschüler beitragen können. Zudem soll ein landesweites Rückmelde-Event organisiert werden, um strukturierte Antworten zu geben, damit die Schüler ihre Anliegen, Sorgen, Ängste, ihr Unverständnis und ihre Forderungen jeweils mit Blick auf ihre Region vorbringen können. Die Regierung ruft zur Rückkehr zur Ruhe auf und betonte, es sei von entscheidender Bedeutung, dass die Schüler wieder in den Unterricht zurückkehren, insbesondere diejenigen, denen dies derzeit verwehrt wird. Die Schülergewerkschaften haben jedoch bereits angekündigt, den Druck aufrechtzuerhalten.

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Anna Richter

Über den Autor

Anna Richter leitet das Weltressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet ueber internationale Politik, Diplomatie und geopolitische Entwicklungen mit Fokus auf Kontext, Verlaesslichkeit und Relevanz fuer deutschsprachige Leser.

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