Zum Inhalt springen
Unterhaltung

Kinofilm Bruno – der junge Kreisky startet in Österreich

Am 1. Oktober ist der neue Kinofilm Bruno – der junge Kreisky in Österreich zu sehen. Die Produktion bringt historische parteipolitische Debatten und die anhaltende politische Faszination um den ehemaligen SPÖ-Langzeitkanzler Bruno Kreisky zeitgleich mit aktuellen innerparteilichen Führungsdiskussionen zurück in die Öffentlichkeit.

Die Veröffentlichung des Kinofilms fällt in eine Phase, in der die SPÖ erneut über ihren Vorsitz debattiert. Kürzlich kündigte der ehemalige ORF-Generalintendant und internationale Medienmanager Gerhard Zeiler an, für den Parteivorsitz zur Verfügung zu stehen, was Spekulationen über eine mögliche Ablösung des amtierenden Obmanns und Vizekanzlers Andreas Babler auslöste.

Historische Parallelen zur SPÖ-Führungsdebatte von 1967

Interne Machtkämpfe haben in der Partei eine lange Geschichte. Die erste parteipolitische Führungsdebatte in der SPÖ fand im Jahr 1967 statt, als die Partei einen Nachfolger für Bruno Pittermann suchte. Damals kam es zu einer Kampfabstimmung gegen den eigentlichen Favoriten Hans Czettel, der von der Wiener SPÖ und großen Teilen der Gewerkschaft unterstützt wurde. Am 1. Februar 1967 setzte sich Bruno Kreisky am Bundesparteitag mit 69,8 Prozent der Stimmen deutlich gegen Czettel durch, wie aus historischen Aufzeichnungen hervorgeht.

"Bruno der junge Kreisky" ab 1. Oktober im Kino | Regisseur Harald Sicheritz im Interview

Der neue Kinofilm und die Debatte um die politische Ikone

Bei der Filmpremiere von Bruno – der junge Kreisky zeigten sich die Beteiligten noch bei einem freundlichen Händeschütteln in der Öffentlichkeit. Der Streifen beleuchtet die politischen Anfänge des aus wohlhabendem Elternhaus stammenden Sozialdemokraten sowie den Widerstand, den er damals auch innerhalb der eigenen Partei erfuhr.

Der Film und die aktuelle Obmanndebatte lassen die Erinnerung an den Langzeitkanzler wieder aufleben. Viele Menschen, darunter auch jüngere Generationen, die Kreisky als Politiker nie selbst erlebt haben, beschwören heute die Fähigkeiten dieser sozialdemokratischen Ikone. Zu den Reformen der Regierungen Kreiskys, die bis in die Gegenwart nachwirken, zählen unter anderem die Einführung des Mutter-Kind-Passes, Erleichterungen im Bildungssystem sowie die Durchsetzung der 40-Stunden-Woche.

Kritische Aufarbeitung und historische Einordnung

Neben den Errungenschaften werden in der politischen Biographie auch kritische Aspekte ausführlich diskutiert. Dazu gehört insbesondere die enge Zusammenarbeit mit bekannten Nationalsozialisten in Kreiskys erstem Kabinett. Im Jahr 1970 führte er eine SPÖ-Minderheitsregierung mit Duldung der FPÖ unter Friedrich Peter, in der ein Drittel der Regierungsmitglieder eine problematische NS-Vergangenheit aufwies.

Über die filmischen Darstellungen, die historische Forschung und die Frage, wie die Erinnerung an den Ausnahmepolitiker die Gegenwart prägt, spricht Marlene Nowotny mit der Historikerin Maria Mesner, der Leiterin des Bruno Kreisky Archivs, welches den persönlichen und politischen Nachlass des Politikers verwahrt.

Teilen Facebook X WhatsApp E-Mail
Sophie Krueger

Über den Autor

Sophie Krueger leitet das Unterhaltungsressort von Germanic Nachrichten. Ihr Schwerpunkt liegt auf Film, Streaming, Popkultur und prominenten Entwicklungen mit redaktioneller Einordnung und sauberer Quellenlage.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.